26 August, 2008

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Allergie gegen Hausstaubmilben

Hausstauballergie muss immer wieder als vermeintlich witzige Ausrede herhalten, wenn sich putzfaule Männer um ihre Haushaltspflichten drücken wollen. Doch Millionen Deutsche, die davon geplagt werden, finden das gar nicht witzig. Viele von ihnen leiden das ganze Jahr unter Schnupfen, Niesattacken, geschwollenen Augen oder nächtlicher Atemnot. Und einen großen Teil davon ereilt irgendwann ein noch schlimmeres Problem: Sie entwickeln allergisches Asthma.

 

Kein Haushalt ist milbenfrei

Betroffene sollten den Hausputz tatsächlich lieber dem Partner überlassen ­ oder sich in der Apotheke Atemmasken besorgen. Denn das Unheil lauert im Staub. Die Allergie löst der Kot aus, den unzählige mikroskopisch kleine Milben produzieren. Atmen Allergiker den damit vermischten Staub ein, reagiert ihr Immunsystem überempfindlich auf darin enthaltene Eiweißstoffe.

Mindestens 13 verschiedene Arten von Milben haben Forscher bisher weltweit im Hausstaub entdeckt. Eine bedeutende Rolle spielen aber nur drei von ihnen. In Europa dominiert mit Abstand Dermatophagoides pteronyssinus. Diese Art ist in 85 Prozent aller Wohnungen in Deutschland nach zuweisen; und in den restlichen 15 Prozent fehlt sie vermutlich ebenfalls nicht, sondern entzieht sich schlicht dem Zugriff der Forscher. Den Haushalt möchte ich sehen", sagt Professor Hans W. Jürgens vom Anthropologischen Institut der Universität Kiel, in dem sich keine Hausstaubmilben befinden."

Selbst wer die Wohnung mit Giften milbenfrei macht, schleppt die Tierchen mit der Kleidung wieder ein, nachdem er sich auf dem gepolsterten Bürostuhl oder dem U-Bahn-Sitz niedergelassen hat. Der Hunger der Winzlinge ist gewaltig: Fühlen sie sich wohl, nehmen sie an einem Tag Nahrungsmengen bis zur Hälfte ihres Körpergewichts ­ das allerdings nur wenige Mikrogramm beträgt ­ zu sich. Doch ihr Speisezettel ist sehr einseitig: Hautschuppen tagaus, tag ein.

Innerhalb von 24 Stunden verliert jeder Mensch ein halbes bis zwei Gramm davon ­ genug, um Tausende der kleinen Vielfraße monatelang zu ernähren. Hausstaubmilben haben jedoch auch eine Schwachstelle", über die sich ihr Bestand klein halten lässt. Sie bestehen zu drei Vierteln aus Wasser, weshalb sie stets in Gefahr sind zu vertrocknen.

Kein Wunder, dass sich die Spinnentiere bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent und mehr am wohlsten fühlen. Je mehr Dampf sie umgibt, desto effektiver funktioniert ihre Wasserpumpe": Über kleine Drüsen an ihren Vorderfüßen sondern sie eine konzentrierte Salzlösung ab, die entlang von Vertiefungen in der Körperoberfläche zu ihrem Mund fließt. Diese Salzlösung entzieht der umgebenden Luft Feuchtigkeit.

 

Trockenheit ist tödlich

Sinkt der Wasserdampfgehalt im Raum, kristallisiert das Salz, die Tierchen trocknen aus. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent haben Hausstaubmilben daher nur kurzzeitig eine Überlebenschance. Solange der Wasseranteil in der Luft gleich bleibt, ist die Temperatur weniger wichtig. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass Milben sich am schnellsten bei etwa 25 Grad Celsius vermehren. Dann dauert der Entwicklungszyklus im Schnitt nur rund einen Monat.

Aus dem Ei schlüpft zunächst eine Larve, die daraufhin zwei Stadien als so genannte Nymphe durchläuft. Aus dieser geht schließlich das achtbeinige erwachsene Tier hervor. Ein Weibchen legt im Lauf seines kurzen Lebens durchschnittlich 40 bis 80 Eier. Eine britische Arbeitsgruppe widersprach kürzlich der verbreiteten Meinung, dass Milben Wärme brauchen.

Sie fanden heraus: Wer lange das Bett hütet und die Matratze dadurch stärker aufheizt, reduziert die Besiedelungsdichte sogar. Die Versuchsanordnung der Briten könnte sie allerdings zu Fehlinterprationen veranlasst haben: Ihre Milben fühlten sich im Experiment möglicherweise deshalb zu kälteren Stellen hingezogen, weil dort zugleich eine höhere Luftfeuchtigkeit herrschte. Die Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit erklärt auch, warum die Zahl der Milben im Jahresverlauf stark schwanken kann. Die höchste Bestandsdichte verzeichneten Forscher nach dem Sommer, während die Besiedelung in der trockenen Winterluft reduziert war. Das gilt allerdings nicht, wenn die Tierchen ein Mikroklima finden, das weniger stark von äußeren Bedingungen abhängt, zum Beispiel in Teppichen, Polstern, Kuscheltieren und vor allem Betten. Die schwitzenden Schläfer verlieren nicht nur ständig Hautschuppen, sondern produzieren mit ihrem Schweiß auch eine hohe Luftfeuchtigkeit im Mikrokosmos Matratze.

 

Decken und Matratzen lüften

Ordentliche Menschen erhalten den Milben dieses Paradies auch tagsüber: Sauber gemachte Betten, womöglich noch mit einer Tagesdecke überzogen, erschweren das Abdampfen der nächtens angesammelten Flüssigkeit. Besser: Die Decken, etwa über dem Fensterbrett, auslüften und die Matratzen solange unbedeckt lassen. Bis zu 1,5 Millionen der Winzlinge, so ergaben Computerberechnungen, können sich in einer Schlafstätte tummeln. Damit sie erst gar nicht das Bett erobern, sollten Allergie-Geplagte neue Matratzen bereits vor der ersten Nacht am besten mit einem so genannten Encasing überziehen, einem atmungsaktiven Spezial-Zwischen bezug, der für die Milben eine fast unüberwindbare Barriere bildet. Ähnlich dicht schließen die eng gewebten Hüllstoffe von Federkissen und -betten, entdeckte kürzlich ein neuseeländisch-koreanisches Forscherteam. Sie sind daher für Allergiker sowie zur Vorbeugung besser geeignet als Synthetikbettzeug, das nur durch häufiges Waschen bei 60 Grad milben- und allergenarm bleibt.

Den besten Schutz erzielen Sie, wenn Sie Encasings auch für Decke und Kissen verwenden. Ausrotten lassen sich Hausstaubmilben damit freilich nicht. Doch wer diese Tipps beherzigt, kann immerhin auf eine friedliche Koexistenz mit den verbleibenden Tierchen hoffen ­ und auf ein Ende der nächtlichen Niesattacken sowie einen sinkenden Taschentuchverbrauch.

ApothekenUmschau

 

 

Last modified on:07/07/2008

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