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Hausstauballergie
muss immer wieder als vermeintlich witzige Ausrede herhalten, wenn sich
putzfaule Männer um ihre Haushaltspflichten drücken wollen. Doch Millionen
Deutsche, die davon geplagt werden, finden das gar nicht witzig. Viele von
ihnen leiden das ganze Jahr unter Schnupfen, Niesattacken, geschwollenen
Augen oder nächtlicher Atemnot. Und einen großen Teil davon ereilt
irgendwann ein noch schlimmeres Problem: Sie entwickeln allergisches Asthma.
Kein
Haushalt ist milbenfrei
Betroffene sollten
den Hausputz tatsächlich lieber dem Partner überlassen oder sich in der
Apotheke Atemmasken besorgen. Denn das Unheil lauert im Staub. Die Allergie
löst der Kot aus, den unzählige mikroskopisch kleine Milben produzieren.
Atmen Allergiker den damit vermischten Staub ein, reagiert ihr Immunsystem
überempfindlich auf darin enthaltene Eiweißstoffe.
Mindestens 13
verschiedene Arten von Milben haben Forscher bisher weltweit im Hausstaub
entdeckt. Eine bedeutende Rolle spielen aber nur drei von ihnen. In Europa
dominiert mit Abstand Dermatophagoides pteronyssinus. Diese Art ist
in 85 Prozent aller Wohnungen in Deutschland nach zuweisen; und in den
restlichen 15 Prozent fehlt sie vermutlich ebenfalls nicht, sondern entzieht
sich schlicht dem Zugriff der Forscher. Den Haushalt möchte ich sehen", sagt
Professor Hans W. Jürgens vom Anthropologischen Institut der Universität
Kiel, in dem sich keine Hausstaubmilben befinden."
Selbst wer die
Wohnung mit Giften milbenfrei macht, schleppt die Tierchen mit der Kleidung
wieder ein, nachdem er sich auf dem gepolsterten Bürostuhl oder dem U-Bahn-Sitz
niedergelassen hat. Der Hunger der Winzlinge ist gewaltig: Fühlen sie sich
wohl, nehmen sie an einem Tag Nahrungsmengen bis zur Hälfte ihres
Körpergewichts das allerdings nur wenige Mikrogramm beträgt zu sich.
Doch ihr Speisezettel ist sehr einseitig: Hautschuppen tagaus, tag ein.
Innerhalb von 24
Stunden verliert jeder Mensch ein halbes bis zwei Gramm davon genug, um
Tausende der kleinen Vielfraße monatelang zu ernähren. Hausstaubmilben haben
jedoch auch eine Schwachstelle", über die sich ihr Bestand klein halten
lässt. Sie bestehen zu drei Vierteln aus Wasser, weshalb sie stets in Gefahr
sind zu vertrocknen.
Kein Wunder, dass
sich die Spinnentiere bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent
und mehr am wohlsten fühlen. Je mehr Dampf sie umgibt, desto effektiver
funktioniert ihre Wasserpumpe": Über kleine Drüsen an ihren Vorderfüßen
sondern sie eine konzentrierte Salzlösung ab, die entlang von Vertiefungen
in der Körperoberfläche zu ihrem Mund fließt. Diese Salzlösung entzieht der
umgebenden Luft Feuchtigkeit.
Trockenheit ist
tödlich
Sinkt der
Wasserdampfgehalt im Raum, kristallisiert das Salz, die Tierchen trocknen
aus. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent haben
Hausstaubmilben daher nur kurzzeitig eine Überlebenschance. Solange der
Wasseranteil in der Luft gleich bleibt, ist die Temperatur weniger wichtig.
Die meisten Forscher gehen davon aus, dass Milben sich am schnellsten bei
etwa 25 Grad Celsius vermehren. Dann dauert der Entwicklungszyklus im
Schnitt nur rund einen Monat.
Aus dem Ei
schlüpft zunächst eine Larve, die daraufhin zwei Stadien als so genannte
Nymphe durchläuft. Aus dieser geht schließlich das achtbeinige erwachsene
Tier hervor. Ein Weibchen legt im Lauf seines kurzen Lebens durchschnittlich
40 bis 80 Eier. Eine britische Arbeitsgruppe widersprach kürzlich der
verbreiteten Meinung, dass Milben Wärme brauchen.
Sie fanden heraus:
Wer lange das Bett hütet und die Matratze dadurch stärker aufheizt,
reduziert die Besiedelungsdichte sogar. Die Versuchsanordnung der Briten
könnte sie allerdings zu Fehlinterprationen veranlasst haben: Ihre Milben
fühlten sich im Experiment möglicherweise deshalb zu kälteren Stellen
hingezogen, weil dort zugleich eine höhere Luftfeuchtigkeit herrschte. Die
Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit erklärt auch, warum die Zahl der
Milben im Jahresverlauf stark schwanken kann. Die höchste Bestandsdichte
verzeichneten Forscher nach dem Sommer, während die Besiedelung in der
trockenen Winterluft reduziert war. Das gilt allerdings nicht, wenn die
Tierchen ein Mikroklima finden, das weniger stark von äußeren Bedingungen
abhängt, zum Beispiel in Teppichen, Polstern, Kuscheltieren und vor allem
Betten. Die schwitzenden Schläfer verlieren nicht nur ständig Hautschuppen,
sondern produzieren mit ihrem Schweiß auch eine hohe Luftfeuchtigkeit im
Mikrokosmos Matratze.
Decken
und Matratzen lüften
Ordentliche
Menschen erhalten den Milben dieses Paradies auch tagsüber: Sauber gemachte
Betten, womöglich noch mit einer Tagesdecke überzogen, erschweren das
Abdampfen der nächtens angesammelten Flüssigkeit. Besser: Die Decken, etwa
über dem Fensterbrett, auslüften und die Matratzen solange unbedeckt lassen.
Bis zu 1,5 Millionen der Winzlinge, so ergaben Computerberechnungen, können
sich in einer Schlafstätte tummeln. Damit sie erst gar nicht das Bett
erobern, sollten Allergie-Geplagte neue Matratzen bereits vor der ersten
Nacht am besten mit einem so genannten Encasing überziehen, einem
atmungsaktiven Spezial-Zwischen bezug, der für die Milben eine fast
unüberwindbare Barriere bildet. Ähnlich dicht schließen die eng gewebten
Hüllstoffe von Federkissen und -betten, entdeckte kürzlich ein
neuseeländisch-koreanisches Forscherteam. Sie sind daher für Allergiker
sowie zur Vorbeugung besser geeignet als Synthetikbettzeug, das nur durch
häufiges Waschen bei 60 Grad milben- und allergenarm bleibt.
Den besten Schutz
erzielen Sie, wenn Sie Encasings auch für Decke und Kissen verwenden.
Ausrotten lassen sich Hausstaubmilben damit freilich nicht. Doch wer diese
Tipps beherzigt, kann immerhin auf eine friedliche Koexistenz mit den
verbleibenden Tierchen hoffen und auf ein Ende der nächtlichen
Niesattacken sowie einen sinkenden Taschentuchverbrauch.
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