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Bonn/Berlin (dpa) -
Akupunk-tur hilft gegen Schmerzen - und das ist nicht selbstverständlich.
Der Stiftung Warentest zufolge hat nur ein Drittel der alternativen
Heilmethoden nachweisbare Effekte auf die Gesundheit, so Stiftung Warentest
in Berlin.
Die ursprünglich aus China stammende Methode der Hautrei-zung mit Hilfe von
Nadeln gehört dazu. Auf diese Weise können bestimmte Schmerzzustände wirksam
behandelt werden.
Laut der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg wenden in
Deutschland 50 000 Ärzte auch die Akupunktur an. Und es gebe kaum eine
Universitätsklinik, die nicht schon entsprechende Untersuchungen angestrengt
hat. Weil die Forschungsergebnisse bei vielen Schulmedizinern jedoch als
widersprüchlich gelten, hat der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen
die medizinische Notwendigkeit der Akupunktur bisher nicht anerkannt.
Die Folge ist, dass Akupunktur grundsätzlich zunächst nicht zum
Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen gehöre, sagt Thomas Müller,
Abteilungsleiter Produkte beim AOK-Bundesverband in Bonn. Allerdings gibt es
seit dem Jahr 2000 ein Modellvorhaben der Krankenkassen, bei dem die
Akupunktur praktisch erprobt wird.
In
drei Bereichen haben wir ernst zunehmende Hinweise darauf, dass Akupunktur
gegen Schmerzen hilft", sagt Müller. Diese Bereiche sind dauerhafte Rücken-
und Kopfschmerzen sowie Kniegelenksbeschwerden. Patienten mit entsprechenden
chronischen Beschwerden bezahlt die AOK bis zu zehn Akupunktur-sitzungen, in
Ausnahmen auch mehr.
Helmut Rüdinger ist 2. Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für
Akupunktur mit Sitz in München und findet es schade, dass die Krankenkassen
nur die Kosten bei chronischen Beschwerden übernehmen. Bei akuten
Beschwerden kann die Akupunktur viel schneller helfen", so der in Hamburg
niedergelassene Arzt.
Weitere Aufschlüsse über die Wirksamkeit von Akupunktur sollte zum Beispiel
die von AOK und BKK angestrengte Gerac-Studie bringen. Bereits im
vergangenen Jahr haben erste Ergebnisse der Untersuchung gezeigt, dass
Akupunktur Rücken- und Knieschmerzen deutlich besser lindert, als die
Standardtherapie aus Medikamenten und Krankengymnastik.
Die Akupunktur kann wirkungsvoll Schmerzen lindern. Sie kann aber den
Verschleiß von Gelenken nicht rückgängig machen", sagt Helmut Rüdinger.
Inwieweit Akupunktur lediglich die Symptome - also den Schmerz - beseitigt
und nicht die Ursachen, darüber scheiden sich laut Rüdinger die Geister.
Akupunktur regt auch die Selbstheilungskräfte des Körpers an", sagt Rüdinger.
Umstritten beziehungsweise wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist laut
Warentest die Wirkung der Akupunktur bei Asthma, Geburtsschmerzen, Tinnitus
sowie bei der Raucherentwöhnung. Bei Asthma sowie der Wirksamkeit in der
Geburtsvorbereitung ist Rüdinger jedoch anderer Meinung. Bei chronischem
Rheumatismus sowie beim so genannten Gesichtsnervenschmerz etwa stoße die
Akupunktur aber auch seiner Meinung nach an ihre Grenzen.
Wie bei der schulmedizinischen Behandlung kann es bei der Akupunktur zu
Nebenwirkungen kommen: Zum Beispiel treten laut DAK bei Behandlungen im
Sitzen gelegentlich Kreislaufstörungen auf. Blutergüsse sind keine
Seltenheit.
Eine zu kräftige Nadelsi-mulation kann zu einer kurzfristigen
Verschlimmerung der Symptome nach der ersten Behandlung führen. Das
Modellvorhaben der Krankenkassen soll auch Auf-schluss über die möglichen
Nebenwirkungen geben.
Für den Erfolg der Akupunktur ist eine genaue Untersuchung des Patienten
wichtig, so Rüdinger. Ausschlaggebend ist aber auch für die Qualifikation
des behandelnden Mediziners. Für Kompetenz spricht laut Rüdinger zum
Beispiel die so genannte Vollausbildung, auch B-Diplom genannt. Außerdem
haben die Ärztekammern die Einführung einer Zusatzausbildung in Akupunktur
beschlossen. Nach einer entsprechenden Qualifikation sollte man den Arzt
ruhig fragen." |