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Schwerin (dpa/gms) - Die Anfahrt
führt oft über holperige Straßen, manchmal sind es auch Sandpisten. Am Ende
liegt stets eine prächtige Schlossfassade.
So
auch diesmal: Beim Einbiegen in die Litzendorf-Straße am Rande von Dassow in
Mecklenburg sieht alles nach einem beliebigen ostdeutschen Städtchen aus.
Erst Kopfsteinpflaster und kleine Vorgärten, dann triste Mietkasernen,
schließlich alte Bäume. Schließlich ein Hinweisschild: Lütgenhof". Man biegt
rechts ab und wird empfangen von der eindrucksvollen Anfahrt zu einem
Schlosshotel.
Der Blick schweift über das Naturschutzgebiet Dassower See mit Schilf und
Salzwiesen. Über eine Veranda betritt der Gast die getäfelte Halle. Er wird
empfangen von Marmor, gediegenen alten Holzböden, Kassettendecken,
zeitgenössischer Kunst und modernem Landhaus-Mobiliar. Das Gutshaus ist
eines von rund 2.000 ehemaligen Adelssitzen zwischen Ostsee und
Mecklenburgischer Seenplatte. Etwa 200 davon werden nach Angaben des
Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern touristisch genutzt - häufig als
Hotel.
Zu
entdecken gibt es in Mecklenburg-Vorpommern fast protzige Märchenschlösser
wie Klink am Müritzufer, ein Neorenaissancebau mit Türmchen und mehr als 100
Zimmern. Deutlich kleiner ist das Backstein-Herrenhaus Gut Stellshagen im
Klützer Winkel, in dem ein Bio- und Gesundheitshotel eingezogen ist.
Es
gibt Individualisten-Schlösser, Hochzeits-, Wellness- und Golf-Schlösser und
verwunschene kleine Objekte. Manche Burg aus dem Mittelalter hat die
Jahrhunderte überdauert. Die Wehrbauten beherbergen allerdings eher Museen
als Hotels.
Die Dichte und Verschiedenheit der Bauwerke wird der wechselvollen
Geschichte der ländlichen Region zugeschrieben. Schwache Herzog- und
Fürstentümer mussten ihre Macht mit Verwandten teilen. Und ein jeder ließ
sich neben der Residenz auch Sommer- und Jagdschlösser bauen.
Viele Objekte gehören heute Individualisten oder Unternehmerfamilien, die
sich nach der Wende 1990 mit dem Kauf eines - oft stark heruntergekommenen -
Schlosses einen Traum erfüllt haben.
Neben der Schlösserflut sorgt auch die große Zahl der Parks und
Landschaftsgärten für zusätzliche Reize. Die meisten Schlossparks sind offen
zugänglich und lohnen zu jeder Jahreszeit einen Besuch - zum Beispiel der 75
Hektar große, klassizistische Schloss-Park von Putbus auf Rügen. Das im
Zweiten Weltkrieg beschädigte Schloss wurde zwar zu DDR-Zeiten geschleift,
doch andere Gebäude beherbergen hier heute Cafés und Galerien.
Wellness-Landschaften gehören in vielen Schlössern zum
Schlecht-Wetter-Programm. So auch auf Schloss Schorssow, einem
klassizistischen Bau aus dem 18. Jahrhundert. Der Schlossherr, Bauingenieur
Alfred Rüßel, legt Wert auf gute Küche - abends bei Kerzenschein - und auf
eine persönliche Atmosphäre. Das Tortensortiment zum Kaffee zieht Gäste von
weit und fern an.
Etwas für echte Individualisten ist Schloss Frauenmark bei Schwerin: Rund
ein Dutzend Gästezimmer mit Namen wie Charlotte", Laura" oder Maria Stuart"
sind mit Himmelbetten, viktorianischen Bädern und alten Stilmöbeln
unterschiedlich gestaltet. Wir haben zwei Jahre gebaut, restauriert und
rekonstruiert", erzählt Inhaber Ingo Rothenberg.
Wer sich in diese Stimmung verliebt, kann die Möbel auch mit nach Hause
nehmen: Viele Inventarstücke sind verkäuflich.
Informationen: Tourismusverband Mecklenburg-
Vorpommern, Platz der Freundschaft 1,
18059 Rostock |