|
Frankfurt/Main (dpa) - Anfangs war der Frankfurter Rhein-Main-
Flughafen wenig mehr als eine Lichtung im riesigen Wald südwestlich von
Frankfurt, heute ist er einer der größten Flughäfen der Welt. Am 8. Juli
1936 wurde der Frankfurter Flughafen mit der Landung einer Ju 52 der
Lufthansa offiziell in Betrieb genommen. Ein Gebäude für Abfertigung und
Verwaltung, ein sechsstöckiger Kontrollturm, Propellermaschinen und
Luftschiffe prägten das Bild der Anfangszeit. Heute ist der Flughafen mit
seinen 68000 Arbeitsplätzen so groß wie eine Stadt und zählt im Jahr mehr
als 50 Millionen Fluggäste.
Schon der Bau des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens hatte etwas mit
Kapazitätsengpässen zu tun, wie aus einer Dokumentation des
Flughafen-Betreibers Fraport hervorgeht. Damals wurde es am Rebstock-
Flughafen in Frankfurt langsam zu eng und noch in der Weimarer Republik
wurden Pläne für einen neuen Flugplatz entwickelt. Die Lage im Wald und am
geplanten Autobahnkreuz der Strecken Kassel-Mannheim und Rheinland-Würzburg
schien ideal. Unter Nazi-Herrschaft wurde der Flughafen in weniger als zwei
Jahren errichtet.
Auch wenn der Flughafen damals im Vergleich zu heute winzig war - als
europäisches Drehkreuz des Luftverkehrs empfand er sich schon damals. 1936
wurden rund 58000 Flugzeug-Passagiere und 800 Tonnen Fracht transportiert,
damit war er in Deutschland nach Berlin- Tempelhof die Nummer zwei. Der
Sommerflugplan der Lufthansa sah Verbindungen in viele europäische Städte
vor - neben Hauptstädten wie London, Warschau oder Madrid gingen auch Flüge
nach Marseille oder Venedig. Hinzu kamen die Luftschiffe nach Amerika.
Der Zweite Weltkrieg brachte dann rasch das Aus für die zivile Luftfahrt.
Nachdem das Luftschiff Hindenburg" am 6. Mai 1937 in Lakehurst bei New York
in Flammen aufgegangen war, wurde der Zeppelin-Betrieb kurz danach
eingestellt. Die Luftschiff-Hallen wurden im Krieg abgerissen, um
Militärmaschinen mehr Platz zu bieten, die von hier aus Angriffe unter
anderem auf Frankreich flogen. Gegen Ende des Krieges bot der Flughafen ein
Bild der Zerstörung, mehr als 2000 Bomben hatten das Rollfeld durchlöchert.
Deutsche Truppen sprengten auf ihrem Rückzug schließlich noch wichtige
Anlagen.
Nach dem Ende des Krieges errichteten die US-Streitkräfte mit Hilfe
deutscher Kriegsgefangener wieder eine Bahn mit einer Länge von 1800 Metern
und 45 Meter Breite. Als erstes Verkehrsflugzeug nach dem Zweiten Weltkrieg
landete am 18. Mai 1946 ein Flugzeug der American Overseas Airlines (später
mit Pan Am vereinigt). Mit der Berliner Luftbrücke wurde der Bau einer
weiteren Piste erforderlich, die im Dezember 1949 in Betrieb genommen wurde.
Nach ausländischen Fluggesellschaften durfte von 1955 an auch die neu
gegründete Lufthansa wieder fliegen.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es dann Schlag auf Schlag:
Neue Terminals, neue Tower und vor allem neue Flugzeuge, die mit ihrem
Düsenantrieb das Fliegen in eine neue Dimension führten. In den 80er Jahren
wuchs dann Widerstand gegen die Expansion des Flughafens - was sich in
Massenprote-sten gegen die Startbahn-West niederschlug, die 1984 aber
schließlich in Betrieb ging.
Heute steht der Frankfurter Flughafen angesichts der weiter massiv
steigenden Nachfrage wieder am Rande seiner Kapazität bei Starts- und
Landungen - und plant einen weiteren deutlichen Schritt. So soll im
Nordwesten bis Ende 2009 eine neue Landebahn gebaut werden und die Kapazität
um gut 50 Prozent erhöhen. Zudem ist ein drittes Terminal geplant. Offiziell
gefeiert wird der 70. Geburtstag aber nicht - das will sich der Flughafen
für den 75. Geburtstag aufheben.
|