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Essen/Uslar (dpa) - Der Mensch ist
nicht zum dauernden Ruhen da. Verharrt er zu lange unbeweglich auf einer
Stelle, zerdrückt der Körper mit seinem Gewicht das Organ, das ihn schützt:
die Haut. Die Folge sind Druckgeschwüre und Wunden.
Mit gezielten Gegenmaßnahmen lassen sich viele Druckgeschwüre, auch
Dekubitus genannt, verhindern. Die Gewebeschädigung ist vor allem für
gelähmte und ältere Menschen ein Problem: So plagen sich jedes Jahr rund 500
000 bis 1,5 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland mit einem Dekubitus.
Ein Drittel davon stirbt an den Folgen", sagt Gerhard Schröder von der
Initiative Chronische Wunden in Uslar (Niedersachsen). Auch wenn es nicht
soweit kommt , verursachen Druckgeschwüre starke Schmerzen. Das abgestorbene
Gewebe der Wunden stinkt, und die Betroffenen haben oft das Gefühl, bei
lebendigem Leib zu verfaulen.
Zur Vorbeugung sollten sich Angehörige mit dem Fingertest vertraut machen,
rät Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der
Krankenkassen in Essen. Der Betroffene hat an der Körperstelle, auf der sein
Gewicht lastet, eine Rötung. Wird ein Finger in die Rötung gedrückt und dann
rasch weggezogen, färbt sich die Stelle im Normalfall weiß.
Bleibt die Druckstelle rot, ist das ein Zeichen für eine Blutstauung - nicht
in den zuleitenden Arterien der Haut, sondern in den ableitenden Venen.
Spätestens jetzt sollte ein Pflegedienst oder der Hausarzt verständigt
werden. Wenn die venösen Kapillaren abgedrückt werden, sammeln sich
Schlackenstoffe im Gewebe an, es entsteht eine Übersäuerung", erklärt
Gerhard Schröder.
Der Dauerdruck komprimiert aber die zuführenden Arterien. Die Folge sind
Sauerstoff- und Nährstoffmangel in der Haut. Ist dies dauerhaft, sterben die
unterversorgten Hautzellen ab, Nervenzellen werden schon nach kurzer Zeit
unumkehrbar geschädigt.
Um
den Blutfluss in der Haut aufzustauen, ist nicht die Höhe des Auflagedruckes
entscheidend, sondern die Dauer: Ein Dekubitus bildet sich besonders dann,
wenn der Betroffene zum Beispiel an Demenz leidet und den Druck nicht mehr
wahrnimmt.
Ein Dekubitus bildet sich bevorzugt an Körperstellen, die sich durch
Knochenvorsprünge und eine geringe Polsterung durch Muskeln- und Fettgewebe
auszeichnen, heißt es in dem Internetratgeber Dekubitus.de". Häufig sind
Druckgeschwüre in der Steißregion, an den Hüftknochen und an den Fersen.
Das Wichtigste bei der Dekubitusvorsorge ist der ständige Lagerungswechsel",
sagt Jürgen Brüggemann. Hilfreich sei jede Art von Bewegung, die der
Betroffene noch selbst machen kann. Lässt sich der Patient nicht mehr
bewegen, muss der Druck mit Hilfe vom Spezialmatratzen verringert werden.
Angeboten werden zum Beispiel Luftmatratzen mit verschiedenen Kammern, die
sich nach Bedarf aufpumpen oder entleeren lassen. Druckgeschwüre können auf
diese Weise freigelegt" und entlastet werden. Doch ohne Beratung durch einen
Pflegedienst sollte kein Kauf getätigt werden, rät Schröder.
Internet: www.icwunden.de |