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Von Andreas Heimann, dpa
Berlin (dpa) - Für den Urlaub mit
dem Fahrrad gibt es viele Gründe. Die Landschaft lässt sich intensiv erleben,
Wind weht einem um die Nase. Pausen sind anders als im ICE jederzeit möglich,
schnarchende Sitznachbarn ausgeschlossen. Fahrradurlaub ist beliebt.
Und wenn man den Statistiken trauen will, nimmt die Zahl derer, die auch
dann in die Pedale treten, wenn Entspannung und Erholung angesagt sind, zu:
45,4 Prozent der Deutschen stiegen im Urlaub 2005 zumindest für kurze Zeit
in den Sattel, knapp 5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das sind die Zahlen der aktuellen Radreiseanalyse, die der Allgemeine
Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bei der Internationalen Tourismus-Börse in
Berlin bekannt gab.
Insgesamt 5,4 Millionen Deutsche können sich vorstellen, sogar einen
kompletten Fahrradurlaub zu machen, 2 Millionen haben das in den nächsten
Jahren geplant. Bevorzugtes Urlaubsland ist Deutschland: Die Mehrzahl bleibt
hier", sagte Thomas Froitzheim vom ADFC.
Die große Mehrheit der Radurlauber verzichtet bei der Planung auf
Veranstalter: Der Anteil der Pauschalreisen liegt weiter bei unter 10
Prozent." Trotzdem haben nach Beobachtung des ADFC auch viele
Radreiseveranstalter zugelegt. Der neue mit dem ADFC erstellte Katalog
Radreisen 2006" versammelt 111 Reiseziele von 80 solcher Anbieter.
Radurlauber sind Individualisten - aber keine Technikfeinde. Hilfe bei der
Orientierung holen sich heute viele mit Navigationsgeräten. Die werden immer
kleiner und immer interessanter", sagte Froitzheim. Viele Tourismusverbände
kommen dem entgegen und stellen Daten zu ihren Radwegen ins Internet. Vor
dem Start auf die Tour wird also der Rechner zum Download der GPS-Daten
hochgefahren. Informationen lassen sich zu mehreren Tausend Touren in Europa
abrufen - im Münsterland gibt es Navigationslösungen sogar schon mit
Sprachausgabe.
Dennoch ist beim Radfahren aus Sicht des ADFC nicht alles so, wie es sein
könnte: Probleme gebe es oft bei der Anreise, bemängelt Ulf Keutmann, der
stellvertretende ADFC-Bundesvorsitzende: Bei der grenzüberschreitenden
Anreise mit der Bahn ist es schwierig, das Rad mitzunehmen."
Die Bahn scheint ohnehin kein idealer Partner für Radtouristen zu sein: Die
Zahl der mitgenommenen Räder sank im vergangenen Jahr von 312 000 auf 265
000 rapide - ganz entgegen dem fahrradtouristischen Trend", wie Keutmann
betonte. Es sei einfacher, mit dem Billigflieger nach Italien zu kommen als
mit Bahn und Rad nach Sachsen. Zuwächse gab es dagegen beim nächtlichen
Fahrradtransport: DBNachtZug beförderte im vergangenen Jahr mehr als 16 000,
CityNightLine mehr als 20 000 Räder.
Wo
die Radurlauber am liebsten hin wollen, weiß auch der ADFC nicht genau. Zwar
hat er mehr als 200 000 Mitglieder. Doch bei einer Befragung zu bevorzugten
Routen gab es nur 518 Rückmeldungen. Aus diesem dürren Datenmaterial hat der
ADFC dennoch allerlei Trends abgeleitet: So wählten 53,8 Prozent der
Befragten Deutschland zum Reiseland Nummer eins und den Elberadweg zum
beliebtesten Radfernweg Deutschlands. Auf den weiteren Plätzen liegen der
Weser, der Donau-, der Oder-Neiße und der Ostseeküstenradweg.
Zu
den beliebtesten Reiseregionen erklärten die Befragten Mecklenburg-Vorpommern
vor Franken, dem Bodensee und Brandenburg. Die Klassiker behaupten sich",
sagte Froitzheim. Unter den Top Ten sind aber auch Neulinge wie Thüringen
und das Emsland. Im Ausland heißt der Trend Go east!", kommentierte
Froitzheim die statischen Daten: Das Baltikum und Masuren in Nordostpolen
haben an Beliebtheit gewonnen. Aber auch die Niederlande oder Dänemark
finden deutsche Radler attraktiv. Neu in der Top-Ten-Liste sind zum Beispiel
Mallorca und das Salzburger Land.
Gute Nachrichten gibt es auch im Hinblick auf Übernachtungsmöglichkeiten:
Die Zahl der vom ADFC als fahrradfreundlich zertifizierten
Beherbergungsbetriebe wächst: Waren es vor gut zehn Jahren gerade 216, sind
es nun 4238 in 2910 Orten - Stand März 2006. Vor allem Ostdeutschland hat im
vergangenen Jahr kräftig aufgeholt. Dort lag der Zuwachs bei 26 Prozent -
auf 589 Betriebe. Insbesondere die Niederlausitz bietet sich dem ADFC
zufolge für Radfahrer an: Sie ist mit 44 Bett & Bike"-Betrieben
Spitzenreiter unter den Regionen im Osten Deutschlands.
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