19 August, 2008

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Deutsche strampeln gern im Urlaub

Wo die Landschaft flach ist, fällt das Radeln leicht. (Bild: Laboe/dpa/gms)

Von Andreas Heimann, dpa

Berlin (dpa) - Für den Urlaub mit dem Fahrrad gibt es viele Gründe. Die Landschaft lässt sich intensiv erleben, Wind weht einem um die Nase. Pausen sind anders als im ICE jederzeit möglich, schnarchende Sitznachbarn ausgeschlossen. Fahrradurlaub ist beliebt.

Und wenn man den Statistiken trauen will, nimmt die Zahl derer, die auch dann in die Pedale treten, wenn Entspannung und Erholung angesagt sind, zu: 45,4 Prozent der Deutschen stiegen im Urlaub 2005 zumindest für kurze Zeit in den Sattel, knapp 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das sind die Zahlen der aktuellen Radreiseanalyse, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bei der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin bekannt gab.

Insgesamt 5,4 Millionen Deutsche können sich vorstellen, sogar einen kompletten Fahrradurlaub zu machen, 2 Millionen haben das in den nächsten Jahren geplant. Bevorzugtes Urlaubsland ist Deutschland: Die Mehrzahl bleibt hier", sagte Thomas Froitzheim vom ADFC.

Die große Mehrheit der Radurlauber verzichtet bei der Planung auf Veranstalter: Der Anteil der Pauschalreisen liegt weiter bei unter 10 Prozent." Trotzdem haben nach Beobachtung des ADFC auch viele Radreiseveranstalter zugelegt. Der neue mit dem ADFC erstellte Katalog Radreisen 2006" versammelt 111 Reiseziele von 80 solcher Anbieter.

Radurlauber sind Individualisten - aber keine Technikfeinde. Hilfe bei der Orientierung holen sich heute viele mit Navigationsgeräten. Die werden immer kleiner und immer interessanter", sagte Froitzheim. Viele Tourismusverbände kommen dem entgegen und stellen Daten zu ihren Radwegen ins Internet. Vor dem Start auf die Tour wird also der Rechner zum Download der GPS-Daten hochgefahren. Informationen lassen sich zu mehreren Tausend Touren in Europa abrufen - im Münsterland gibt es Navigationslösungen sogar schon mit Sprachausgabe.

Dennoch ist beim Radfahren aus Sicht des ADFC nicht alles so, wie es sein könnte: Probleme gebe es oft bei der Anreise, bemängelt Ulf Keutmann, der stellvertretende ADFC-Bundesvorsitzende: Bei der grenzüberschreitenden Anreise mit der Bahn ist es schwierig, das Rad mitzunehmen."

Die Bahn scheint ohnehin kein idealer Partner für Radtouristen zu sein: Die Zahl der mitgenommenen Räder sank im vergangenen Jahr von 312 000 auf 265 000 rapide - ganz entgegen dem fahrradtouristischen Trend", wie Keutmann betonte. Es sei einfacher, mit dem Billigflieger nach Italien zu kommen als mit Bahn und Rad nach Sachsen. Zuwächse gab es dagegen beim nächtlichen Fahrradtransport: DBNachtZug beförderte im vergangenen Jahr mehr als 16 000, CityNightLine mehr als 20 000 Räder.

Wo die Radurlauber am liebsten hin wollen, weiß auch der ADFC nicht genau. Zwar hat er mehr als 200 000 Mitglieder. Doch bei einer Befragung zu bevorzugten Routen gab es nur 518 Rückmeldungen. Aus diesem dürren Datenmaterial hat der ADFC dennoch allerlei Trends abgeleitet: So wählten 53,8 Prozent der Befragten Deutschland zum Reiseland Nummer eins und den Elberadweg zum beliebtesten Radfernweg Deutschlands. Auf den weiteren Plätzen liegen der Weser, der Donau-, der Oder-Neiße und der Ostseeküstenradweg.

Zu den beliebtesten Reiseregionen erklärten die Befragten Mecklenburg-Vorpommern vor Franken, dem Bodensee und Brandenburg. Die Klassiker behaupten sich", sagte Froitzheim. Unter den Top Ten sind aber auch Neulinge wie Thüringen und das Emsland. Im Ausland heißt der Trend Go east!", kommentierte Froitzheim die statischen Daten: Das Baltikum und Masuren in Nordostpolen haben an Beliebtheit gewonnen. Aber auch die Niederlande oder Dänemark finden deutsche Radler attraktiv. Neu in der Top-Ten-Liste sind zum Beispiel Mallorca und das Salzburger Land.

Gute Nachrichten gibt es auch im Hinblick auf Übernachtungsmöglichkeiten: Die Zahl der vom ADFC als fahrradfreundlich zertifizierten Beherbergungsbetriebe wächst: Waren es vor gut zehn Jahren gerade 216, sind es nun 4238 in 2910 Orten - Stand März 2006. Vor allem Ostdeutschland hat im vergangenen Jahr kräftig aufgeholt. Dort lag der Zuwachs bei 26 Prozent - auf 589 Betriebe. Insbesondere die Niederlausitz bietet sich dem ADFC zufolge für Radfahrer an: Sie ist mit 44 Bett & Bike"-Betrieben Spitzenreiter unter den Regionen im Osten Deutschlands.

www.deutschland-tourismus.de/radfahren

www.adfc.de

 

 

Last modified on:07/07/2008

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