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Bonn/Heidelberg (dpa) - Fast alle
Raucher denken darüber nach, mehr als die Hälfte hat es schon probiert: Den
teuren Tabakröllchen zu entsagen, endlich Schluss zu machen mit stinkenden
Klamotten und nächtlichen Ausflügen zum Zigarettenautomaten.
Leider fällt es den meisten Rauchern alles andere als leicht, die Sucht zu
besiegen. Je länger und je stärker jemand raucht, desto schwieriger ist das
mit dem Aufhören", sagt Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Bonn. Tatsächlich scheitert ein
Großteil der Versuche, der krank machenden Sucht Einhalt zu gebieten. Bei
Versuchen in Eigenregie sind nur ein bis drei Prozent der Betroffenen auch
nach einem Jahr noch Nichtraucher", sagt der DKFZ-Psychologe Peter Lindinger
vom Wissenschaftlichen Aktionskreis Tabakentwöhnung. Bei vielen steigt die
Bereitschaft, Geld für fragwürdige Hilfsmittel auszugeben. Das Angebot ist
gewaltig: Neben Dutzenden Ratgeberbüchern und Hypnose-CDs offerieren findige
Unternehmer nikotinfreie Kräuterzigaretten, spezielle Nähstoffpräparate und
Pakete mit verschiedenen Filterstufen zur schrittweisen Entwöhnung.
Rauchstopp-Massageroller gibt es ebenso zu kaufen wie spezielle
Minicomputer, die über das Anzünden der nächsten Zigarette bestimmen.
Die Wunderkuren haben eines gemeinsam: Ihre Wirksamkeit ist nicht
nachgewiesen", sagt Lindinger. Sie schaden nicht - aber sie nützen auch
nichts." Stattdessen suggerierten sie, dass man nicht selbst aktiv werden
muss.
Es
funktioniert nicht, dass irgendjemand anderes einem den Kampf abnimmt",
betont auch Völker-Albert. Aufhörwilligen empfiehlt sie, zunächst die eigene
Motivation gründlich zu hinterfragen. Man muss wirklich einen Schlussstrich
ziehen wollen." Lindinger empfiehlt, aufzuschreiben, was man am Rauchen mag
- und was nicht. Wer eine solche Bilanz zieht, hat schon viel
Motivationsarbeit geleistet."
Besonders problematisch sind für Aufhörwillige oft die über Jahre
eingeprägten Verhaltensmuster: Automatisch greift die Hand des Rauchers zur
Packung, sobald der Kaffee auf dem Tisch steht. Experten empfehlen, solche
Situationen in den ersten Wochen zu meiden. Daneben seien Belohnungen wie
die Investition des eingesparten Geldes in ein neues Paar Schuhe wichtig,
sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in
Heidelberg.
Sehr starken Rauchern, die 80 Zigaretten täglich oder mehr geraucht haben,
können in den ersten 14 Tagen Nikotin-Kaugummis oder -Pflaster helfen, den
Entzugsstress zu mildern, empfiehlt Völker-Albert. Lindinger rät, sich beim
Hausarzt beraten zu lassen oder bei der Krankenkasse nach seriösen Anbietern
von Gruppenprogrammen zu fragen. Von den Teilnehmern solcher Programme sind
nach einem Jahr 20 bis 40 Prozent noch Nichtraucher."
Allzu verbreitet sind die - nicht ganz billigen - Kurse deshalb trotz ihrer
Erfolge noch nicht. Etwa 90 Prozent der auch nach mehreren Jahren noch
erfolgreichen Aussteiger" geben an, es auf eigene Faust geschafft zu haben.
Informationen:
www.rauchfrei-info.de
www.rauch-frei. info
www.tabakkontrolle.de
www.rauchfrei |