|
Von Anne-Katrin Wehrmann
Bremen/Wilhelmshaven (dpa) - Latein groovt." Der
etwas sonderbare Satz klingt aus dem Mund von Clemens Liedtke wie eine
Selbstverständlichkeit. Der 30-Jährige ist Frontmann von Ista", der einzigen
LateinHipHop-Band" Deutschlands - und überzeugt davon, dass es einen
besseren Rhythmus für Sprechgesang kaum geben kann. Mit seiner Schwäche für
die Sprache der alten Römer steht Liedtke nicht allein da: Latein ist wieder
angesagt, und das nicht nur bei überzeugten Altphilologen.
Laut einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes haben
im vergangenen Schuljahr bundesweit 739000 Schülerinnen und Schüler Latein
gelernt, das sind fast 9 Prozent mehr als 2003/2004. Zum dritten Mal in
Folge verzeichnet dieses Unterrichtsfach damit wachsenden Zulauf.
Offensichtlich wird dem Fach zugetraut, Inhalt und Kenntnisse zu vermitteln,
die über den Tag hinaus Gültigkeit haben und nicht schnelllebigen Moden
unterworfen sind", meint Hartmut Loos, Vorsitzender des Deutschen
Altphilologenverbandes.
Auch Ista"-Sänger Liedtke fand Latein schon zu
Schulzeiten spannend - obwohl er nach eigenen Angaben nicht gerade zu den
Besten gehörte. Aber man muss nicht unbedingt sehr gut sein, um Spaß an der
Sache zu haben." Einige seiner Mitschüler an der Wilhelmshavener
Cäcilienschule sahen das vor knapp 14 Jahren ähnlich. Die Idee zu Ista"
entstand damals auf dem Schulhof. Lateinkundigen ist klar, welches Lied die
Gruppe damals als Erstes übersetzte: Es war der Ohrwurm Die Da" (lateinisch:
Ista") von den Fantastischen Vier".
Mittlerweile sind die Hip-Hopper bei Schülern, Lehrern
und Altphilologen im gesamten Bundesgebiet bekannt. Edgar Barwig, der
frühere Lateinlehrer der Band, half schon zu Schulzeiten beim Übersetzen und
rappt heute selbst begeistert mit. Erst vor kurzem meldeten sich Schüler aus
Regensburg bei Ista" und baten um Rat, weil sie ein ähnliches Projekt planen.
Wir überlegen jetzt sogar, mit denen etwas zusammen zu machen", sagt Liedtke.
Eine noch größere Fangemeinde als die acht Musiker haben
die Latein-Nachrichten von Radio Bremen: Die Reaktionen kommen dort sogar
aus der ganzen Welt. Neulich hat uns ein Jordanier geschrieben, wie
großartig er das findet", erzählt Jörg-Dieter Kogel. Seit gut vier Jahren
stellt der Programmleiter des Nordwest-Radios jeden Monat die acht
wichtigsten regionalen, nationalen und internationalen Meldungen zusammen
und gibt sie zum Übersetzen an eine Gruppe von Lateinlehrern.
Immer abwechselnd spricht dann einer der Pädagogen die
Nuntii Latini", die jeweils ab dem ersten eines Monats im Internet abrufbar
sind. Vielfach werden die Texte sogar als Grundlagen für Arbeiten in der
Schule herangezogen, sagt Kogel. Dort sind es oft pragmatische Gründe, die
viele Schüler zur Wahl der alten Sprache bewegen. Ich möchte Romanistik
studieren, und da brauche ich das später an der Uni", meint Friederike
Neuber, die an einem Bremer Gymnasium für ihr Latinum büffelt.
www.ista-latina.de |