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Dirigent mit Leib und Seele

Dirigent Zuben Mehta

Von Sandra Tjong, dpa

München (dpa) - Manchmal sind es nicht Können und Fleiß allein, die Erfolg bringen, es gehört auch eine Portion Glück dazu. Im Werdegang des indischen Dirigenten Zubin Mehta führten glückliche Zufälle häufig Regie, zumindest in den Anfangsjahren. Gleich sein erstes festes Engagement 1961 in Montréal verdankte er dem Umstand, dass Igor Markevitch kurzfristig als Dirigent ausgefallen und Mehta für ihn eingesprungen war - der Beginn einer großen Karriere. Am 29. April feierte der Maestro, der schon lange zu den gefragtesten seiner Zunft gehört, seinen 70. Geburtstag.

Auch an seinem Ehrentag gönnt sich Mehta keine Verschnaufpause. Auf dem Programm steht eine Geburtstagsmatinee mit dem Bayerischen Staatsorchester, dem er seit acht Jahren als Generalmusikdirektor vorsteht. Die Veranstaltung, deren Reinerlös der Orchesterakademie zu Gute kommt, ist auch eine Art Abschiedskonzert: Im Sommer verlässt Mehta die Bayerische Staatsoper - auf eigenen Wunsch, aber nicht ohne Wehmut, wie er sagt: Den hohen Standard von meinem Orchester werde ich sehr vermissen." Allerdings will er seinen Musikern" wie auch den Münchner Philharmonikern treu bleiben und jedes Jahr wiederkommen.

Der 1936 in Bombay geborene Mehta stammt aus einem musikalischen Haus. Über seinen Vater Mehli Mehta, den Gründer des Bombay Symphony Orchestra, hat er früh die westliche klassische Musik kennen und lieben gelernt. Eigentlich bin ich Musiker geworden, weil ich mir schon immer gewünscht habe, ich könnte die vier Sinfonien von Brahms dirigieren oder die Tondichtungen von Richard Strauss", erinnert er sich in seinen jüngst im Droemer Verlag erschienenen Memoiren Die Partitur meines Lebens". Mehta studierte in Wien unter Hans Swarowsky. Die Jahre unter dem strengen Dirigenten waren für ihn prägend und eröffneten ihm außer zu Mahler und Bruckner auch den Zugang zu Schönberg und Anton von Webern. Ein Faible für zeitgenössische Musik ist ihm geblieben.

Nach den Lehrjahren in Österreich ging Mehtas Karriere steil bergauf: Es folgten Engagements in Montréal und Los Angeles, wo er seit den 60er Jahren seinen festen Wohnsitz hat. Bald schon dirigierte er - gerade einmal Mitte 20 - Orchester von Weltrang wie die Berliner und die Wiener Philharmoniker, er gastierte bei den Salzburger Festspielen, an der New Yorker Met und an der Mailänder Scala.

Mehta gilt als Charmeur unter den Dirigenten. Von seinen Musikern fordert er absolute Präzision, sucht aber einen umgänglichen, ja freundschaftlichen Ton. Man kann als Dirigent viel lernen, wenn man bereit ist, seine eigene Position nicht unnötig auszuspielen und stattdessen sehr genau hinzuhören, was die Musiker eines Orchesters zu sagen haben", ist er überzeugt. Diese offene Haltung führte wohl auch dazu, dass ihn nicht nur die Münchner Philharmoniker zu ihrem Ehrendirigenten ernannt haben.

Eine Liebesbeziehung", wie er es selbst nennt, verbindet ihn vor allem mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Den Musikern stand er sowohl im Sechs-Tage-Krieg 1967 als auch im Golfkrieg 1991 zur Seite. Nachdem er im Herbst 1981 wegen zwei Wagner-Aufführungen in Tel Aviv von der Presse und einem Politiker teils heftig angegriffen worden war, ernannte ihn das Orchester zum Musikdirektor auf Lebenszeit. Mehr als 20 Jahre währt außerdem schon die Zusammenarbeit mit Florenz, wo er das Festival Maggio Musicale Fiorentino leitet.

Seinen 70. Geburtstag und den Weggang von München nimmt der in zweiter Ehe verheiratete Maestro nicht unbedingt zum Anlass, kürzer zu treten. Meine zwei Schwerpunkte Florenz und Israel gehen weiter", erzählt Mehta über seine Pläne. Im Herbst wird er außerdem das neue Opernhaus im spanischen Valencia eröffnen. Ich werde dort auch ab dem nächsten Sommer einen neuen Ring"-Zyklus dirigieren." Allerdings wünscht er sich durchaus, in Zukunft mehr Freizeit zu haben. Und ich hoffe, das gelingt mir."

 

 

Last modified on:01/14/2008

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