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Von
Daniela David
Hamburg (dpa) - Reiten können
Touristen in vielen Ländern. Doch es gibt auch Regionen, in denen Pferde
eine ganz besondere Bedeutung haben: Durch einen Urlaub hoch zu Ross lassen
sich dort ganz andere Eindrücke als sonst gewinnen.
Hier fünf Beispiele für Gegenden, in denen Reiterferien neue Perspektiven
eröffnen können.
CAMARGUE/FRANKREICH: Hier beginnt eine andere Welt, die Welt des Wassers",
sagt Pierre Chemineau vom Wanderreitbe-trieb Les-Abrons". Er leitet eine
Reitergruppe durch die Camargue in Südfrankreich, eine wilde Sumpflandschaft,
zu der weiße Pferde und schwarze Stiere ebenso gehören wie hellrosa
Flamingos und tiefrote Sonnenuntergänge. Die Reiter begegnen einigen
Gardians", den typischen Rinderhirten der Camargue, die gerade eine Herde
Stiere vor sich hertreiben.
Die südfranzösischen Cowboys reiten auf weißen, kräftig gebauten
Camargue-Pferden. Sie satteln die kleinen Schimmel aber auch für Touristen.
Dann geht es im Entenmarsch eine Stunde im Schritt durch die Landschaft -
eine Pferdeerfahrung der eher touristischen Art.
Doch es geht auch ganz anders: Der Himmel wölbt sich, der weite Horizont
beruhigt die Seele. Aus der Ferne ist die Kirchturmspitze von Les-Saintes-Maries-de-la-Mer
zu erkennen. Dahinter liegt der Sandstrand: breit, weiß und unendlich lang -
eine Einladung zum Galopp. Die Wellen umspülen die Pferdebeine, die Muscheln
knirschen unter den Hufen. Pferde und Reiter jagen davon im vollen Tempo -
an ruhigen Abschnitten der Küste Südfrankreichs ist dies noch möglich.
SASKATCHEWAN/KANADA: Fast wie im Western lässt sich hier der Traum vom
Reiten in der endlosen Prärie verwirklichen. Die Gäste der La Reata Ranch"
zum Beispiel tauchen ganz in den Cowboy-Alltag ein. Im Westernsattel
durchreiten sie die weite Ebene. Sie lernen Rinder einfangen, Lasso werfen
und Zäune flicken. Ebenso filmreif klingt der Tag bei einem Bier im Saloon
aus. Die Rancharbeit mit den Pferden nimmt den Urlaubern die Großstadthektik",
schildert Rancher George Gaber seine Erfahrung mit Urlauber-Cowboys und
-Cowgirls. Er selbst hat schon vor Jahren umgesattelt: Der Pferdefreund aus
Deutschland ist ausgewandert und verwirklichte so seinen Reitertraum fürs
Leben.
SCHOTTLAND: Ein völlig anderes Gefühl vermittelt ein Trail-Ritt durch das
schottische Hochland. Die Reiter dringen tief in die grüne Hügellandschaft
ein, wo die Zivilisation seit Jahrhunderten nur wenig verändert hat. Sie
reiten auf uralten Wegen, an Mooren, Schafherden und Schlossruinen vorbei.
Wenn du dieses Gebirge zu Pferde durchstreifst, kannst du die Geschichte
fühlen", schwärmt David Hay-Thorburn vom Argyll Trail Riding Centre" in
Brenfield.
David geleitet seine Gäste in die Heimat des Nationalhelden Rob Roy. Im
Galopp folgen sie den Spuren des schottischen Robin Hood", der sich einst in
dieser Gegend versteckte. In der einsamen Gebirgswelt von Argyll leben heute
nur sehr wenige Menschen. Stundenlang kann man reiten, ohne ein Haus oder
einem Menschen zu sehen. So erliegen die Reiter dem Zauber der
abgeschiedenen Natur.
GOTLAND/SCHWEDEN: Ein vielfältiges Reitangebot erwartet Urlauber auf Gotland.
Auf der Insel in der Ostsee soll es mehr Pferde als Kühe geben, und an der
800 Kilometer langen Küste findet sich so mancher einsame Sandstrand, der
zum Galoppieren einlädt. In der Reitschule Gannarve Gård" in Gannarve an der
Westküste des Eilandes zum Beispiel werden dafür Warmblüter schon am frühen
Morgen gesattelt.
Reiten für die ganze Familie ist in Dalhem im Inselinneren möglich. Wir
haben mehr als 70 Pferde der unterschiedlichsten Rassen für Unterricht und
Ausritte in die Umgebung", erzählt Stefan Johansson vom Reiterhof Stall
Dalhem". Der Gotländer unterrichtet mit Begeisterung auch Westernreiten. Auf
dem Hof Gervide Gård" bei Roma machen Kinder Ausritte auf Gotland-Ponys.
Diese kleinen, robusten Ponys sind Schwedens ursprünglichste Pferderasse",
sagt Hausherr Tore Fahlstedt. Der gotländische Pferdefan hat den kleinen
Gotland-Pferden sogar ein eigenes Museum eingerichtet.
ARGENTINIEN: Zäh und ausdauernd sind auch die Tiere, die ganz im Süden
Amerikas gesattelt werden: die Criollos, die Pferde der Gauchos. Unsere
Gäste reiten auf ihnen mitten in die Pampa", sagt Klaus Liebig. Auf seiner
Estancia Buena Vista" in der Provinz Corrientes, 600 Kilometer nördlich von
Buenos Aires gelegen, gibt es Tausende von Rindern, Hunderte von Schafen und
Ziegen und 150 Pferde.
Die Chance für Besucher, unverfälschten Gaucho-Alltag zu erleben, ist fern
der Hauptstadt noch am größten. Das subtropische Klima lässt die Natur üppig
gedeihen. Unter Magnolien, Jakarandas und Palmen können Reitanfänger im Park
des Landgutes erste Reitversuche machen. Dann reitet die Gruppe mit den
Gauchos hinaus in die feucht-sumpfige Pampa. Die Pferde sind ausgeglichen
und sicher auch für ungeübte Reiter. Vom Sattel eröffnet sich ein Blick in
die schier unendliche Weite, nur Himmel und Land sind zu sehen. Plötzlich
fällt einem auf, wie tief man ein- und ausatmet, im Rhythmus des
Pferdeschrittes - ganz so, als könnte man Freiheit mit der Luft einsaugen. |