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Mainz
(dpa) - Trotz Wetterkapriolen und einer Turbo-Ernte"
in vielen Weinbergen sind die deutschen Winzer mit dem Jahrgang 2006
durchweg sehr zufrieden. Allerdings sorgt der regenreiche Start in den
Oktober in einigen Lagen für erhebliche Probleme mit Fäulnis - das drückt
vor allem auf den Ertrag. Die Qualität werde dadurch nicht beeinträchtigt,
sagt der Badische Weinbaupräsident Gerhard Hurst. Auch die Winzer in den
anderen zwölf Anbaugebieten berichten von Trauben mit idealen Zuckergraden
und Säurewerten. Das werden harmonische Weine", sagt der Weinbaupräsident
der Region Mosel-Saar- Ruwer, Adolf Schmitt.
Die Prognose zur
diesjährigen Erntemenge von zehn Millionen Hektolitern sei inzwischen auf
neun Millionen nach unten korrigiert worden, sagt der Sprecher des Deutschen
Weininstituts (Mainz), Ernst Büscher. Die Verringerung ergibt sich vor allem
daher, dass Winzer faule Trauben herausschneiden oder bei der Handlese am
Stock hängen lassen. Der Jahrgang 2006 ist eine Herausforderung", sagt
Hurst. Kräftiger Regen während der Lese habe vielerorts in Baden für Fäulnis
und damit für Verluste gesorgt. Zu erwarten seien nun frische, lebendige und
rassige Weine mit viel Aroma, Frucht und Fülle. Durch den sonnenreichen Juli
sowie den regnerischen August habe es eine gute Mischung gegeben. Die
Weintrauben konnten sich dadurch gut entwickeln."
Der 2006 ist ein
Jahrgang mit allen Schattierungen", sagt Otto Schätzel vom
Dienstleist-ungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach über die
Region Rheinhessen. Vielerorts seien Trauben mit hohen Mostgewichten (Zuckergehalt)
herangereift, gepaart mit frischen und fruchtigen Säurewerten. Die Winzer an
der benachbarten Nahe hätten mancherorts mit einer rapiden Lese" gegen
drohende Fäulnis ankämpfen müssen, sagt Weinbaupräsident Thomas Höfer. Zu
erwarten sei jedoch ein überdurchschnittlicher" Jahrgang.
Hermann Schmitt,
Geschäftsführer vom Fränkischen Weinbauverband, bezeichnet das Wettrennen
gegen den Regen als spannenden Krimi mit sehr gutem Ausgang". So habe es bei
den frühen Sorten wie Müller- Thurgau und Silvaner kaum Probleme mit Fäulnis
gegeben. Nach der vielen Sonne im September hätten die Frankenweine einen
anspruchsvollen Zuckerwert erreicht. Das wird ein sehr guter Jahrgang."
Mit dem nach
Einschätzung von Weinbaupräsident Edwin Schrank schnellsten Herbst aller
Zeiten" haben die Pfälzer Winzer ihren Most in den Keller gebracht. Ich gehe
davon aus, dass es hervorragende Weine werden, markant, fruchtig und frisch".
Auch Freunde der Württemberger Weine können sich nach Ankündigung des
Weinbauverbandes auf einen Spitzenjahrgang freuen. Die Wengerter sind gerade
im Vollstress", sagte Gerhard Schwinghammer vom Verband. Etwas Sorgen hat
man auf Grund der Witterung beim Riesling, dessen vollreife Beeren dem
Wasserdruck nur schwer standhalten."
Die Rheingauer
Winzer sind mit der Mostqualität ebenfalls zufrieden. Neben den
Oechslegraden sei die für den Geschmack wichtige Säure gut entwickelt, sagt
der Geschäftsführer des Weinbauverbandes, Harald Sperling. Das sieht
wirklich gut aus." Sein Kollege Otto Guthier von der Bergsträßer Winzer e.G.
erwartet ebenfalls vor allem Moste, die sich für Qualitätsweine eignen.
An der Ahr (Rheinland-Pfalz)
sind die Weinproduzenten in diesem Jahr von Wetterkapriolen verschont
geblieben. Wir haben einen hervorragenden Jahrgang, kerngesundes Lesegut und
fast keine Fäulnis", sagt Weinbaupräsident Ernst Bender. Wir sind in diesem
Jahr das gelobte Land." Er erwarte saftige Weine mit hervorragenden
Säurewerten". Am benachbarten Mittelrhein hatten die Winzer je nach Lage
ihrer Weinberge dagegen mit Fäulnis zu kämpfen. In der Steillage war dieses
Problem nicht so akut wie in den flachen Gebieten", sagt der Geschäftsführer
des Weinbauverbandes, Gerd Knebel.
Auch in den
ostdeutschen Weinregionen Sachsen und Saale-Unstrut rechnen die Winzer mit
einem guten Ergebnis. Die Oechslewerte liegen bei bis zu 100, normal für
unsere Breiten sind 85 Oechsle", sagt der Geschäftsführer der
Winzervereinigung e.G. Freyburg/Unstrut, Gerald Lange. Es werden recht
kräftige Weine", ergänzt der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen,
Christoph Hesse. Der trockene Juli war zwar ein Problem, aber hier kam der
Regen im August gerade noch zur rechten Zeit für die Stöcke, so dass es ohne
schwere Schäden abging." |