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Von Sandra Cantzler
München (dpa) - Am Tag dezent, am
Abend glamourös, dabei aber immer elegant und erlesen: Im kommenden Herbst
und Winter wird nicht nur die Mode erwachsen, sondern auch das Make-up.
Verspieltes Pastell hat erst einmal Pause, jetzt bestimmen dunkle Beeren-
und Rauchfarben sowie samtige Schoko- und Bronzetöne die Schminkpalette. Für
schlichtere Auftritte bleibt ein Make-up in natürlichen Haut- und sanften
Brauntönen aktuell.
Im
Winter werden die Farben immer etwas dunkler, wärmer und gedeckter", sagt
Werner Hariegel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Parfümerien in
Recklinghausen. Einen einheitlichen Trend gebe es beim Make-up ebenso wie in
der Mode mittlerweile zwar nicht mehr. Dennoch zeichneten sich zwei Dinge ab:
Das Gesicht wird tagsüber nur sehr dezent geschminkt. Abends darf es
kräftiger, künstlerischer sein. Einmal sehr pur, einmal sehr glamourös",
beschreibt Martina Acht, Friseurin und Visagistin aus Offenbach die
gegensätzlichen Make-up-Trends der kommenden Saison. Für den zurückhaltenden
Tages-Look setzt sie auf Lidschatten und Gloss in Hauttönen. Für große
Auftritte wird dagegen zu stärkeren Farben gegriffen. Während der Mund
knallrot leuchtet, werden die Augen mit viel Wimperntusche, manchmal auch
falschen Wimpern und einem Lidstrich zu Hinguckern. Glamour, Eleganz und
große Partys sind die Stichworte, die die Visagisten zu ihren aktuellen
Make-up-Kollektionen inspirierten. Anmut und Eleganz stehen wieder hoch im
Kurs, wobei Lippen und Wimpern in dieser Saison die wichtigsten Waffen der
Frauen sind", sagt Olivier Echaudemaison, künstlerischer Direktor von
Guerlain Paris. Dabei sollten Augen und Mund in einem ausgewogenen
Verhältnis zueinander stehen. Bei Guerlain bedeutet das eine Kombination aus
rauchig ummalten Augen und einem wie gelackt glänzenden Mund.
Ähnlich sieht es bei Yves Saint Laurent in München aus. Unter dem Titel
orientalische Sinnlichkeit" treffen hier glänzend rote Lippen auf mit
lilafarbenem Lidschatten dramatisch umschminkte Augen.
Violett-Schattierungen von einem warmen Pflaumenton über Flieder bis hin zu
dunklem Lila zählen zu den großen Favoriten bei den Lidschatten. Für die
aktuelle Party Chic"-Kollektion von Helena Rubinstein in Düsseldorf etwa
setzt Visagistin Charlotte Tilbury die Augen mit Lidschatten in Weiß und
einem dunklen Pflaumenton in Szene. Derartige Gegensätze rund um die Augen
sind im kommenden Herbst und Winter typisch, erfordern allerdings etwas Mut
zur Farbe und Geschick im Umgang mit Pinsel und Puderquaste. Der Hersteller
Chanel in Hamburg lässt beispielsweise Kohlschwarz auf einen leuchtenden
Roséton treffen.
Bei Lancôme in Düsseldorf finden sich unter dem Titel Luna Chic" ebenfalls
Lidschatten in Schwarz und Rosa, dazu kommen Lila und Weiß. Und Mac
Cosmetics mit Deutschlandsitz in München setzt auf samtiges Dunkelblau,
kombiniert mit schimmerndem Kupfer und mattem Braun. Kajal ist für Martina
Acht eines der wichtigsten Schmink-Utensilien für die kommende Saison. Im
Gegensatz zu früher werden mit dem Eyeliner aber keine schmalen Katzenaugen
mehr gemalt. Die Augen werden jetzt rund geschminkt", sagt Acht. Wie die
Augen werden auch die Lippen tagsüber zart und abends wesentlich kräftiger
geschminkt. Bei Estée Lauder mit Deutschlandsitz in München etwa kommt für
den Büroalltag ein metallisch schimmernder bräunlicher Roséton zum Einsatz,
am Abend ein mattes Burgunderrot oder ein irisierender Gloss in Bordeaux.
Auf einen Mix aus Beeren- und Schokotönen setzt die US-amerikanische
Visagistin Bobbi Brown. Für fülliger wirkende Lippen trägt sie zunächst
einen schokofarbenen Lippenstift auf. Darüber kommt nur auf die Lippenmitte
etwas Lipgloss in verschiedenen Pink- oder Goldnuancen. Dramatisch-rauchig
umrahmte Augen, ein dunkel geschminkter Mund: Vielen Frauen ist das eine
Nummer zu dick aufgetragen oder auch zu schwierig. Berührungsängste müssen
aber nicht sein, sagt Annette Kreuels von Lancôme. Man kann ja einfach Teile
aus dem aktuellen Look nehmen und sich zum Beispiel erst einmal an die
Lippen herantrauen." Damit Augen und Lippen voll zur Geltung kommen, muss
der Hintergrund stimmen. Ein edler, blasser Teint liegt im Trend.
Porzellanschimmer" hat zum Beispiel der Visagist Tom Pécheux seine
Farbpalette für den japanischen Hersteller Shiseido getauft: Für die
Grundierung wählte er einen opalfarbenen Hautton mit einer seidigen Note,
für die Lippen ein leuchtendes Rot und für die Lider schwarz. Eine wichtige
Rolle spielt nicht nur bei Shiseido das Rouge. Der Hauch von Farbe für die
Wangen ist im Winter unverzichtbar, durchaus auch in kräftigeren
Schattierungen.
Bei Christian Dior Cosmetics in Düsseldorf werden beispielsweise die
Wangenknochen mit einem plüschigen Rouge in lebhaften Pinktönen" betont.
Unvorteilhafte Apfelbäckchen-Malereien gehören jedoch trotz der intensiveren
Farben der Vergangenheit an, verspricht Werner Hariegel. Die Produkte sind
heute alle wesentlich anwenderfreundlicher als noch vor ein paar Jahren und
die Frauen haben gelernt, gerade mit Rouge richtig umzugehen." |