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Mainz (dpa/gms) - Weingüter,
lauschige Weinkeller oder Weinhandlungen sind die typischen Schauplätze
einer Weinprobe. Doch auch in den eigenen vier Wände lässt sie sich gut
organisieren.
Gemeinsam mit Freunden werden alte Kellerfavoriten auf den Prüfstand
gestellt oder künftige Lieblingstropfen entdeckt. Wer seinen Gästen eine
professionelle Probe bieten möchte, kann einen Winzer oder Weinhändler zu
sich nach Hause einladen. Für etwas erfahrene Weinkoster ist das ein tolles
Erlebnis", sagt Fabian Lange, Weinjour-nalist aus Arnsheim (Rheinland-Pfalz).
Der Fachmann wird zusätzliches Wissen vermitteln, das Thema Wein damit im
Vordergrund stehen. Das ist jedoch möglicherweise gar nicht gewollt.
Anfänger laufen Gefahr, so von der Expertise des Profis beeindruckt zu sein,
dass sie zu passiven Konsumenten seines Wissens werden und das
unvoreingenommene eigene Entdecken auf der Strecke bleibt."
Ohne fachmännische Rundumbe-treuung ist etwas mehr Vorbereitung notwendig.
Mit professioneller literarischer Unterstützung ist es auch für den Laien
kein Problem, die richtigen Vorbereitungen zu treffen und die Weine
auszuwählen", ermutigt Markus del Monego, Weltmeister der Sommeliers und
Master of Wine aus Essen.
Ideal sind Gruppengrößen von acht bis zwölf Personen. Bei einer größeren
Teilnehmerzahl wird die Gruppe leicht unübersichtlich", erklärt del Monego.
Der wichtigste Teil der Vorbereitung ist die Auswahl der Weine: Nicht zu
viele und nicht zu verschiedene sollten es sein. Bei einer zweistündigen
Weinprobe servieren wir fünf bis sechs Weine. Bei einer vierstündigen
Veranstaltung mit Essen sind es acht bis neun", erläutert Andreas Wagner,
Geschäftsführer des Familienweingutes Wagner in Essenheim bei Mainz. Bei
größeren Proben ermüden die Geschmacksnerven. Deshalb ist es sinnvoll, die
Weinprobe unter ein Thema - etwa eine Rebsorte oder eine Region - zu stellen.
Die Weine werden am besten zwei bis drei Tage vor der Probe gekauft. Die
edlen Tropfen werden in einem kühlen, dunklen Raum gelagert und am Tag der
Probe rechtzeitig auf Serviertemperatur gebracht. Rotweine werden einige
Stunden vor der Verkostung geöffnet. Die idealen Verkostungsgläser sind
schmucklose, dünnwandige, ungeschliffene Universalweingläser mit einem sich
nach oben verjüngenden Kelch - zum Beispiel Chianti- oder Chardonnay-Gläser",
sagt Wein-journalist Lange. Wenn jeder Gast zwei oder mehr Gläser erhält,
kann er synchron probieren und muss nicht auf der Basis der Erinnerung
vergleichen.
Generell sollten weiße und rote Weine nicht im Wechsel probiert, sondern zu
Gruppen geordnet werden. Es gibt weitere Grundregeln: Die leichten Weine
kommen vor den kräftigen, solche mit wenig Alkohol vor denen mit viel
Alkohol, trockene vor süßen", erläutert Winzer Wagner. Wenn man das nicht
berücksichtigt, werden die Geschmacksnerven so beeindruckt, dass Feinheiten
schwer wahrnehmbar sind."
Zwischen den Proben ist der Gaumen für Erfrischung dankbar. Zumindest
neutrales Wasser sollte bereit stehen", empfiehlt Wagner. Klassisch wird
außerdem Weißbrot gereicht. Wenn die Probe nicht als Weinmenü aufgebaut ist,
wird erst im Anschluss ausgiebig getafelt. |