|
Berlin
(dpa) - Bilderbuchstart bei Kaiserwetter für König Fußball: Mehr als drei
Millionen Fans feierten auf den Party-Meilen in Deutschland friedlich,
fröhlich und farbenfroh ein ungetrübtes langes WM-Wochenende. Neben Polizei
und Feuerwehr, die bundesweit durchweg positive Auftakt-Bilanzen zogen,
waren auch Politiker und der Weltfußballverband FIFA hoch zufrieden. Dessen
Präsident Joseph Blatter sagte: Ich bin sehr glücklich, wie die
Weltmeisterschaft bisher gelaufen ist."
Das sind die
Spiele, die wir uns wünschen: Schönes Wetter, herrliche Fußballspiele und
sportlich faire Fans", sagte in Dortmund Polizei-Einsatzleiter Dieter Keil.
In Frankfurt/Main wurde die Bewährungsprobe mit 65000 britischen Fans
bestanden. Es war alles total friedlich. Erst gegen 5.00 Uhr wurden sie müde,
aber um 7.00 Uhr kickten die ersten Engländer schon wieder am Mainufer",
sagte ein Polizeisprecher. Die internationale Fußball-Sause ging am Sonntag
weiter: Ganz Leipzig wird Orange", hatte der niederländische Botschafter vor
dem Spiel gegen Serbien-Montenegro versprochen. Seine Landsleute hielten
Wort. Gemeinsam feierten deutsche und Oranje-Fans vor Großleinwänden während
des Spiels im Grenzort Gronau.
Von einem
Traumstart unter Sicherheitsaspekten" sprach am Samstag Bayerns
Innenminister Günther Beckstein (CSU). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) empfand den WM-Start mit Deutschland-Costa- Rica (4:2) und Polen-Ecuador
(0:2) als wunderbaren Fußballtag". Der geschäftsführende Präsident des
Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, sagte: Die Fan-Feste zeigten
die Lebenswirklichkeit in Deutschland. Die Leute wollen Optimismus, und der
Fußball bietet ihnen eine Plattform."
In der WM-Stadt
Gelsenkirchen setzten rund 5000 Menschen am Samstag ein klares Zeichen gegen
Fremdenhass während der Fußball-WM. Sie protestierten gegen einen Aufmarsch
von knapp 200 Anhängern der rechtsextremen NPD. In Nürnberg protestierten am
Sonntag vor dem Spiel Mexiko-Iran rund 1200 Menschen gegen die iranische
Atompolitik und die israelfeindliche Haltung von Iran-Präsident Mahmud
Ahmadinedschad. Mehrere Redner forderten für ihn ein Einreiseverbot, für
Holocaust-Lügner gebe es keinen Platz in Deutschland. Auch Bayerns
Innenminister Beckstein warb bei der Kundgebung für ein entschlossenes
Vorgehen gegen Antisemitismus. Im Stadion war der iranische Vizepräsident
Mohammed Aliabadi.
Das größte
Fußballfest feierte Berlin. In der Hauptstadt kamen an den ersten drei Tagen
der WM mehr als 500000 Menschen zusammen. Zeitweise war die offizielle Fan-Meile
auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor in
ein schwarz-rot- goldenes Fahnenmeer getaucht. Manche erinnerten sich an
große historische Momente aus der Zeit der Wiedervereinigung. Seit dem
Mauerfall war hier nicht mehr so viel Schwarz-Rot-Gold zu sehen."
In ganz
Deutschland zeigen die Fußball-Fans seit WM-Beginn immer öfter Flagge.
Überall sind Autos mit der Nationalfahne am Fenster oder an der Radioantenne
unterwegs, an Fenstern und Balkonen hängen Flaggen. Dennoch war es von
Beginn an ein internationales Fußball- Fest in Deutschland. Viele Engländer
hatten sich mit ihrem Union-Jack eingekleidet, Südamerikaner fielen mit
bunten, breitkrempigen Hüten auf.
Traurig waren die
polnischen Fans über den Fehlstart ihres Teams gegen Ecuador (0:2). Doch es
gab in Gelsenkirchen und später bei der Heimkehr nach Polen keine
Sicherheitsprobleme. Die Rückreisewelle erfolgte sehr friedlich", sagte ein
Sprecher der Bundespolizei am Sonntag in Frankfurt (Oder) am Grenzübergang.
Aus Trauer und Ärger über den Fehlstart hätten viele Fans ihre rot-weißen
Polska"-Schals und Mützen abgelegt.
Riesenstimmung das
ganze Wochenende über in Hamburg: Die als eher kühl geltenden Hanseaten
schwangen zusammen mit ihren argentinischen Gästen auf dem Heiligengeistfeld
die Hüften. Hamburg war in blau-weiß getaucht, Dortmund in blau-gelb -
passend zum Massenbesuch der Schweden beim Match gegen Trinidad und Tobago.
Hunderte Autos
fuhren vor allem in den Städten mit WM-Spielen, aber auch in Berlin auf dem
Kurfürstendamm, mit Hupkonzerten und wehenden Fahnen durch die Innenstädte.
Der Kudamm musste zeitweise gesperrt werden. Auch am Siegestor in München
war längere Zeit kein Durchkommen mehr", sagte ein Polizeisprecher.
Bundesweit nahm die Polizei nach einer ersten Übersicht bis Sonntagmittag
etwa 500 Menschen fest. Die Anlässe waren meist eher geringfügig -
Raufereien, Diebstähle, Ausraster von Betrunkenen. Die Sicherheitslage war
ruhig. |