15 July, 2008

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WM-Bilderbuchstart bei Kaiserwetter - Fan-Feste für Millionen

Deutsche Fussballfans feiern in Stuttgart auf dem Schlossplatz vor einer Videoleinwand das erste Tor der deutschen Fussball-Nationalmannschaft im Spiel gegen Costa Rica bei der Weltmeisterschaft. Rund 34 000 Fussballfreunde versammeln sich in der Stuttgarter Innenstadt vor drei Videoleinwänden.

Berlin (dpa) - Bilderbuchstart bei Kaiserwetter für König Fußball: Mehr als drei Millionen Fans feierten auf den Party-Meilen in Deutschland friedlich, fröhlich und farbenfroh ein ungetrübtes langes WM-Wochenende. Neben Polizei und Feuerwehr, die bundesweit durchweg positive Auftakt-Bilanzen zogen, waren auch Politiker und der Weltfußballverband FIFA hoch zufrieden. Dessen Präsident Joseph Blatter sagte: Ich bin sehr glücklich, wie die Weltmeisterschaft bisher gelaufen ist."

Das sind die Spiele, die wir uns wünschen: Schönes Wetter, herrliche Fußballspiele und sportlich faire Fans", sagte in Dortmund Polizei-Einsatzleiter Dieter Keil. In Frankfurt/Main wurde die Bewährungsprobe mit 65000 britischen Fans bestanden. Es war alles total friedlich. Erst gegen 5.00 Uhr wurden sie müde, aber um 7.00 Uhr kickten die ersten Engländer schon wieder am Mainufer", sagte ein Polizeisprecher. Die internationale Fußball-Sause ging am Sonntag weiter: Ganz Leipzig wird Orange", hatte der niederländische Botschafter vor dem Spiel gegen Serbien-Montenegro versprochen. Seine Landsleute hielten Wort. Gemeinsam feierten deutsche und Oranje-Fans vor Großleinwänden während des Spiels im Grenzort Gronau.

Von einem Traumstart unter Sicherheitsaspekten" sprach am Samstag Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) empfand den WM-Start mit Deutschland-Costa- Rica (4:2) und Polen-Ecuador (0:2) als wunderbaren Fußballtag". Der geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, sagte: Die Fan-Feste zeigten die Lebenswirklichkeit in Deutschland. Die Leute wollen Optimismus, und der Fußball bietet ihnen eine Plattform."

In der WM-Stadt Gelsenkirchen setzten rund 5000 Menschen am Samstag ein klares Zeichen gegen Fremdenhass während der Fußball-WM. Sie protestierten gegen einen Aufmarsch von knapp 200 Anhängern der rechtsextremen NPD. In Nürnberg protestierten am Sonntag vor dem Spiel Mexiko-Iran rund 1200 Menschen gegen die iranische Atompolitik und die israelfeindliche Haltung von Iran-Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Mehrere Redner forderten für ihn ein Einreiseverbot, für Holocaust-Lügner gebe es keinen Platz in Deutschland. Auch Bayerns Innenminister Beckstein warb bei der Kundgebung für ein entschlossenes Vorgehen gegen Antisemitismus. Im Stadion war der iranische Vizepräsident Mohammed Aliabadi.

Das größte Fußballfest feierte Berlin. In der Hauptstadt kamen an den ersten drei Tagen der WM mehr als 500000 Menschen zusammen. Zeitweise war die offizielle Fan-Meile auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor in ein schwarz-rot- goldenes Fahnenmeer getaucht. Manche erinnerten sich an große historische Momente aus der Zeit der Wiedervereinigung. Seit dem Mauerfall war hier nicht mehr so viel Schwarz-Rot-Gold zu sehen."

In ganz Deutschland zeigen die Fußball-Fans seit WM-Beginn immer öfter Flagge. Überall sind Autos mit der Nationalfahne am Fenster oder an der Radioantenne unterwegs, an Fenstern und Balkonen hängen Flaggen. Dennoch war es von Beginn an ein internationales Fußball- Fest in Deutschland. Viele Engländer hatten sich mit ihrem Union-Jack eingekleidet, Südamerikaner fielen mit bunten, breitkrempigen Hüten auf.

Traurig waren die polnischen Fans über den Fehlstart ihres Teams gegen Ecuador (0:2). Doch es gab in Gelsenkirchen und später bei der Heimkehr nach Polen keine Sicherheitsprobleme. Die Rückreisewelle erfolgte sehr friedlich", sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntag in Frankfurt (Oder) am Grenzübergang. Aus Trauer und Ärger über den Fehlstart hätten viele Fans ihre rot-weißen Polska"-Schals und Mützen abgelegt.

Riesenstimmung das ganze Wochenende über in Hamburg: Die als eher kühl geltenden Hanseaten schwangen zusammen mit ihren argentinischen Gästen auf dem Heiligengeistfeld die Hüften. Hamburg war in blau-weiß getaucht, Dortmund in blau-gelb - passend zum Massenbesuch der Schweden beim Match gegen Trinidad und Tobago.

Hunderte Autos fuhren vor allem in den Städten mit WM-Spielen, aber auch in Berlin auf dem Kurfürstendamm, mit Hupkonzerten und wehenden Fahnen durch die Innenstädte. Der Kudamm musste zeitweise gesperrt werden. Auch am Siegestor in München war längere Zeit kein Durchkommen mehr", sagte ein Polizeisprecher. Bundesweit nahm die Polizei nach einer ersten Übersicht bis Sonntagmittag etwa 500 Menschen fest. Die Anlässe waren meist eher geringfügig - Raufereien, Diebstähle, Ausraster von Betrunkenen. Die Sicherheitslage war ruhig.

 

 

Last modified on:07/07/2008

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