15 July, 2008

153rd YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Stand vom Montag

1 US $ = 0,6285  Euro

1 Euro = 1,5914 US $

Contact Us

Home/Start

Store

Newsstands

 

Sections

Ads/Anzeigen

Archives/Archiv

National Ad Rates

 

Deutsche

Churches/Kirchen

Clubs/Vereine

Radiostationen

 

Fußball

WM 2006

Links

 

Services

Internship/Praktikum

Subscribe

Purchase 150th Anniversary Issue

Address Change

 

 

Fest ohne Braten? - Vogelgrippe macht Weihnachtsgänse zur Mangelware

In einem Hühnerstall greift sich Amtstierarzt Rainer Vogel auf einem Bauernhof in Vardegötzen eine Gans. In der Region Hannover kontrollierte Amtstierarzt Vogel das so genannte Aufstallungsgebot zum Schutz vor Vogelgrippe.

Berlin (dpa) - Beim Weihnachtsfest in neun Monaten könnte auf vielen Tafeln ein wichtiges Detail fehlen: der Gänsebraten. Schuld daran ist die Vogelgrippe - egal ob sie nun auf deutsches Nutzgeflügel übergreift oder nicht. Viele Gänsemäster überlegen, ob sie in diesem Jahr Gänseküken aufziehen sollen. Die deutsche Gans könnte zu Weihnachten rar werden", sagt Ursula Schimmrigk vom Geflügelwirtschaftsverband Brandenburg. Das ist traurig, denn sie ist doch so etwas wie ein deutsches Kulturgut."

Als problematisch sehen die Züchter vor allem die Stallpflicht an. Das Eingesperrtsein störe das Paarungsverhalten der Gänse und Enten, erklärt Irmtraut Jäger von der Helmut Jäger und Söhne GbR in Blüthen (Brandenburg). Die Tiere brauchen viel Platz - besonders in der Balz." Auch der Zugang zu Wasser und viel Licht seien wichtig. Stimmten die Bedingungen nicht, gebe es keine befruchteten Eier und damit auch keine Küken. In der Stallmast sind die Tiere träge und werden schnell fett."

Ähnlich beurteilt die Landschaftspflege GmbH im brandenburgischen Lenzen die Lage. Ob neben der dort lebenden Ex-Kanzlergans Doretta auch in diesem Jahr etwa 800 Gänse auf dem Hof schnattern werden, sei fraglich, sagt der Lenzener Züchter Hartmut Schulz. Die Tiere müssten Anfang Juni auf die Weiden, da es ohne Freilandhaltung keine gute Qualität gebe. Bei der jetzigen Vogelgrippe-Lage werde man deshalb auf die Aufzucht verzichten. Ohnehin sei es wegen der Paarungsprobleme ungewiss, ob man überhaupt Gössel (Gänseküken) kaufen könne.

Er habe schon von einigen Züchtern gehört, dass sie ihre Bestände in diesem Jahr lediglich halten, nicht aber für Weihnachten aufstocken wollten, sagt der Vorsitzende des Rassegeflügelverbandes Berlin-Brandenburg, Manfred Luge. Und einige Züchter geben ganz auf." Dies gelte vor allem für Öko-Betriebe. Enten und Gänse aus Brandenburg als Weihnachtsbraten werden in diesem Jahr wohl weitgehend ausfallen." Im Mai vergangenen Jahren waren allein in Brandenburg noch 862000 Enten und 5800 Gänse durch ihre Gehege gewatschelt. Profitieren könnten nun die Karpfenzüchter der Region, sagt Luge.

Ohnehin ist der Anteil deutschen Geflügels auf den Festtafeln eher klein: Von den 32000 Tonnen Gänsefleisch, die im Jahr 2003 in Deutschland verkauft wurden, kamen nur 4000 Tonnen aus heimischer Produktion. Doch auch die Lieferungen aus Nachbarländern werden den Mangel an Festtagsbraten in diesem Jahr kaum ausgleichen können: Die meisten Martins- und Weihnachtsgänse wurden in den vergangenen Jahren aus Polen und Ungarn geliefert - beide Länder sind jedoch ebenfalls von der Vogelgrippe betroffen.

In Polen muss sämtliches Nutzgeflügel im Stall ausharren - mit ähnlichen Folgen wie hier zu Lande. In Ungarn gilt die Stallpflicht zwar nur im Umkreis der Fundorte infizierter Tiere, aus Angst vor der Einschleppung der Vogelgrippe stoppten allerdings viele ausländische Käufer ihre Bestellungen in dem Land. Nach Angaben des ungarischen Enten- und Gänsezüchterverbands wurden im vergangenen Jahr mehr als 30000 Tonnen Enten- und Gänsefleisch in die EU ausgeführt, knapp die Hälfte davon nach Deutschland. Schon im Herbst sank der ungarische Geflügelexport allerdings wegen der Vogelgrippe um mehr als zehn Prozent.

Obwohl ebenfalls von der Vogelgrippe betroffen, können die meisten Polen und Ungarn dem nächsten Weihnachtsfeierlichkeiten kulinarisch unbesorgt entgegen sehen: In Polen gehören weder Ente noch Gans zum traditionellen Festtagsmenu, gefragt sind vielmehr Karpfen und Hering. Und auch die Ungarn essen zu Weihnachten lieber Fisch oder Putenbrust als Ente oder Gans.

 

 

Last modified on:07/07/2008

GACCMI

           
About us Affiliations   Webmaster  

`

© 1996-2008 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.