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Greifswald (dpa) - Von
Katastrophenalarm" ist die Rede, von einem auch für die Menschen
gefährlichen Virus, das jetzt auch noch auf weitere Bundesländer überspringt.
Bund und Länder haben hinsichtlich der Vogelgrippe Sondertelefone
eingerichtet.
Gerade die bundesweite Hotline ist jedoch häufig überlastet. Fast 14000
Menschen haben bislang versucht, die Nummer zu erreichen. Viele seien aus
Kapazitätsgründen gar nicht durchgekommen, sagt eine Sprecherin des Berliner
Agrarministeriums. Beim Schweriner Agrarministerium haben sich seit dem 15.
Februar fast 1700 Anrufer gemeldet. Gerade für regionale Informationen etwa
über gesperrte Strände wollen nun auch die Landkreise nach Angaben des
Ministeriums soweit möglich eigene Telefone einrichten.
Eine Vogelgrippe-Hotline gibt es bereits im Greifswalder Ordnungsamt. Seit
die Telefonnummer veröffentlicht wurde, kamen hier 43 Anrufe an", erzählt
Angela Flatt, die im Amt sonst unter anderem für das Fundbüro zuständig ist.
Mittlerweile nehme deren Zahl aber wieder ab. Daran habe auch der neue Fund
eines infizierten Höckerschwans in Potthagen, ganz in der Nähe der Stadt,
nichts geändert. Von Angst oder Panik sei bei den Anfragen nichts zu spüren,
sagt sie. Viele Menschen wollten einfach nur wissen, wie sie ihre Hühner
unterbringen müssten oder wo es Desinfektionsmittel zu kaufen gebe. Andere
fragten, ob sie weiterhin Enten füttern gehen dürften oder ob auch Hund und
Katze eingesperrt werden müssten.
Manche Fragen können wir ohne Rückfragen bei Fachleuten nicht sofort
beantworten", ergänzt Flatts Kollege Hendrik Jühlke und erzählt von einem
Anrufer, der wissen wollte, ob auch seine Pfauen unter die Stallpflicht
fallen. Weder er noch wir wussten, ob Pfauen nun zu den Laufvögeln oder zu
Hühnervögeln gehören." Laufvögel wie Strauße müssen nämlich nicht
eingesperrt werden. In den veröffentlichten Listen kamen Pfauen aber
überhaupt nicht vor. Aus Sicherheitsgründen habe sich der Mann entschieden,
seine Vögel im Stall zu lassen.
Die Hotline-Mitarbeiter kooperieren dabei auch mit Polizei und Veterinäramt.
Wenn Menschen tote Vögel bei uns melden, dann leiten wir dies an die
zuständige Leitstelle weiter", sagt Jühlke. Er habe die Polizei auch gebeten,
einen bislang unbekannten Mann zu finden, der regelmäßig am frühen Morgen in
einem Greifswalder Neubaugebiet die Möwen füttere. Viele Menschen haben sich
bei ihm schon beschwert, dass diese Vögel ihren Kot auf Balkonen und
Fensterscheiben hinterlassen." Ein solches Verhalten sei in der derzeitigen
Lage unverantwortlich, erklärt Jühlke.
In
den Dörfern des Landkreises haben die Menschen andere Sorgen. Sie machen
sich Gedanken um ihr eigenes Geflügel", sagt Reiner Wölk vom Veterinäramt
des Landkreises Ostvorpommern. Sie sind verunsichert und haben Angst, wenn
eines ihrer Tiere gestorben ist." Der Tiermediziner antwortet nicht nur am
Telefon auf Fragen. Er ist auch unterwegs zu Tierhaltern, um dort Proben zu
nehmen. Vor allem geht es darum, die Menschen zu beruhigen", sagt er.
Wölk versucht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Auch wenn unklar
ist, ob etwa Hunde empfänglich für die Krankheit sind, sollten sie aus
reiner Vorsicht an der Leine bleiben, meint er. Wölk empfiehlt ebenfalls
Taubenzüchtern, ihre Tiere im Stall zu behalten. Auch wenn sie eigentlich
fliegen dürften, ist doch nicht klar, ob sie nicht den Kot befallener
Wildvögel an ihren Klauen mitschleppen."
Auch außerhalb der von Vogelgrippe betroffenen Regionen ist es für die
Menschen wichtig zu wissen, wie sie mit möglicherweise infizierten Tieren
umgehen sollen. Jochen Hentschke, Veterinär und Leiter des Zentrums für
Infektionsdiagnostik am Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und
Tierseuchen in Berlin, gibt Antworten.
- FRAGE: Ist der Vogelkot von
infizierten Tieren gefährlich?
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ANTWORT: Im Kot erkrankter Tiere finden sich tatsächlich Vogelgrippe-Erreger.
Allerdings in der Regel in geringer Menge. Außerdem überlebt das Grippevirus
im Kot nicht allzu lange. Bei Sonnenschein stirbt es schon nach wenigen
Stunden ab, bei bedecktem Himmel dauert es zumindest 24 Stunden.
- FRAGE: Sollte man Vogelkot besser gar
nicht mehr berühren?
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ANTWORT: Wer etwa sein Auto vom Vogelschiss befreien will, sollte rein
vorsorglich Handschuhe tragen, viel Wasser benutzen und einen Lappen, den
man anschließend wegwirft und nicht etwa in den Küchenschrank zurücklegt.
Fasst man Vogelkot an, sollte man sich die Hände waschen, das genügt. Was
eventuell unter den Schuhen kleben bleibt, ist auf Grund der geringen Menge
ungefährlich.
- FRAGE: Kann mein Hund sich mit dem Vogelgrippe-Virus
anstecken?
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ANTWORT: Eine Gefahr für den Hund besteht allenfalls theoretisch. Bis jetzt
ist kein einziger Fall bekannt, bei der Erreger auf Hunde übergesprungen
wäre.
- FRAGE: Wie sieht das mit meiner Katze
aus?
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ANTWORT: Eine Katze kann sich anstecken, zum Beispiel indem sie infizierten
Vogelkot oder einen erkrankten Vogel frisst. Allerdings passiert eine solche
Ansteckung sehr selten, denn die Virusme müsste sehr groß sein. Beim
Vogelkot ist das in der Regel nicht der Fall. Und welche Katze isst schon
Blesshühner, Enten oder Schwäne?
- FRAGE: Und was ist mit dem heimischen
Wellensittich?
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ANTWORT: Ein Tier, das in der Wohnung ist, kann sich nicht anstecken. Aber
auch, wenn es auf dem Balkon frei fliegen darf, ist es nicht gefährdet.
Selbst wenn ein infizierter Schwan vorbeiflöge und just in dem Moment
Vogeldreck aufs Balkongeländer fallen ließe, würde diese Menge für eine
Ansteckung kaum ausreichen.
- FRAGE: Was soll man tun, wenn man
tote Vögel findet?
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ANTWORT: Grundsätzlich sollten tote Vögel nicht angefasst werden. In
Zweifelsfällen sollte man die zuständigen Behörden vor Ort informieren. Die
werden dann sagen, wie weiter verfahren wird und den Kadaver gegebenenfalls
abholen und untersuchen.
- FRAGE: Welche Gefahr besteht für den
Menschen durch den Verzehr von Geflügelprodukten?
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ANTWORT: Hier gilt es, die gleiche Sorgfalt walten zu lassen wie immer beim
Verzehr von Geflügel. Also Tiefkühlhähnchen oder Enten getrennt von anderen
Lebensmitteln auftauen und das Auftauwasser wegkippen. Anschließend sollte
das Geflügelfleisch vollständig durchgegart werden, also auch am Knochen
nicht mehr rosa sein. Derzeit besteht ein Jagdverbot für Wildgeflügel, so
dass von Tiefkühlfasanen oder -wildenten keine Gefahr ausgeht, denn sie sind
lange vor der Vogelgrippe geschossen worden. Wie zum Schutz vor Salmonellen
sollten auch Eier, beispielsweise von Wachteln, nur durchgegart gegessen
werden: Das heißt, Eiweiß und Eigelb müssen geronnen sein. Ist das der Fall,
ist ein möglicher Erreger tot, und es besteht keinerlei Gefahr.
Was man noch wissen sollte: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Bremen
hat davor gewarnt, Enten und Schwäne in Parks und Grünanlagen zu füttern.
Die Ansammlung von Geflügel an Futterplätzen begünstige die Übertragung des
Virus von Vogel zu Vogel. Für die Fütterung von Singvögeln empfiehlt der
NABU Futterautomaten anstelle von Vogelhäusern. Das verhindere eine
Verschmutzung des Futters mit infektiösem Kot. |