03 December, 2008

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In Deutschland: Hotlines zur Vogelgrippe

Ein Schild mit der Aufschrift 'Geflügelpest Sperrbezirk' hängt am Samstag (04.03.2006) an einem Pfosten in Mannheim. Die Vogelgrippe hat mit Mannheim erstmals in Deutschland eine Grossstadt erreicht. Bei einer toten Wildente sei das Virus H5N1 gefunden worden. Der Fundort der mit dem Virus infizierten toten Wildente wurde zum Sperrbezirk erklärt. Foto: Ronald Wittek dpa

Greifswald (dpa) - Von Katastrophenalarm" ist die Rede, von einem auch für die Menschen gefährlichen Virus, das jetzt auch noch auf weitere Bundesländer überspringt. Bund und Länder haben hinsichtlich der Vogelgrippe Sondertelefone eingerichtet.

Gerade die bundesweite Hotline ist jedoch häufig überlastet. Fast 14000 Menschen haben bislang versucht, die Nummer zu erreichen. Viele seien aus Kapazitätsgründen gar nicht durchgekommen, sagt eine Sprecherin des Berliner Agrarministeriums. Beim Schweriner Agrarministerium haben sich seit dem 15. Februar fast 1700 Anrufer gemeldet. Gerade für regionale Informationen etwa über gesperrte Strände wollen nun auch die Landkreise nach Angaben des Ministeriums soweit möglich eigene Telefone einrichten.

Eine Vogelgrippe-Hotline gibt es bereits im Greifswalder Ordnungsamt. Seit die Telefonnummer veröffentlicht wurde, kamen hier 43 Anrufe an", erzählt Angela Flatt, die im Amt sonst unter anderem für das Fundbüro zuständig ist. Mittlerweile nehme deren Zahl aber wieder ab. Daran habe auch der neue Fund eines infizierten Höckerschwans in Potthagen, ganz in der Nähe der Stadt, nichts geändert. Von Angst oder Panik sei bei den Anfragen nichts zu spüren, sagt sie. Viele Menschen wollten einfach nur wissen, wie sie ihre Hühner unterbringen müssten oder wo es Desinfektionsmittel zu kaufen gebe. Andere fragten, ob sie weiterhin Enten füttern gehen dürften oder ob auch Hund und Katze eingesperrt werden müssten.

Manche Fragen können wir ohne Rückfragen bei Fachleuten nicht sofort beantworten", ergänzt Flatts Kollege Hendrik Jühlke und erzählt von einem Anrufer, der wissen wollte, ob auch seine Pfauen unter die Stallpflicht fallen. Weder er noch wir wussten, ob Pfauen nun zu den Laufvögeln oder zu Hühnervögeln gehören." Laufvögel wie Strauße müssen nämlich nicht eingesperrt werden. In den veröffentlichten Listen kamen Pfauen aber überhaupt nicht vor. Aus Sicherheitsgründen habe sich der Mann entschieden, seine Vögel im Stall zu lassen.

Die Hotline-Mitarbeiter kooperieren dabei auch mit Polizei und Veterinäramt. Wenn Menschen tote Vögel bei uns melden, dann leiten wir dies an die zuständige Leitstelle weiter", sagt Jühlke. Er habe die Polizei auch gebeten, einen bislang unbekannten Mann zu finden, der regelmäßig am frühen Morgen in einem Greifswalder Neubaugebiet die Möwen füttere. Viele Menschen haben sich bei ihm schon beschwert, dass diese Vögel ihren Kot auf Balkonen und Fensterscheiben hinterlassen." Ein solches Verhalten sei in der derzeitigen Lage unverantwortlich, erklärt Jühlke.

In den Dörfern des Landkreises haben die Menschen andere Sorgen. Sie machen sich Gedanken um ihr eigenes Geflügel", sagt Reiner Wölk vom Veterinäramt des Landkreises Ostvorpommern. Sie sind verunsichert und haben Angst, wenn eines ihrer Tiere gestorben ist." Der Tiermediziner antwortet nicht nur am Telefon auf Fragen. Er ist auch unterwegs zu Tierhaltern, um dort Proben zu nehmen. Vor allem geht es darum, die Menschen zu beruhigen", sagt er.

Wölk versucht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Auch wenn unklar ist, ob etwa Hunde empfänglich für die Krankheit sind, sollten sie aus reiner Vorsicht an der Leine bleiben, meint er. Wölk empfiehlt ebenfalls Taubenzüchtern, ihre Tiere im Stall zu behalten. Auch wenn sie eigentlich fliegen dürften, ist doch nicht klar, ob sie nicht den Kot befallener Wildvögel an ihren Klauen mitschleppen."

Auch außerhalb der von Vogelgrippe betroffenen Regionen ist es für die Menschen wichtig zu wissen, wie sie mit möglicherweise infizierten Tieren umgehen sollen. Jochen Hentschke, Veterinär und Leiter des Zentrums für Infektionsdiagnostik am Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen in Berlin, gibt Antworten.

- FRAGE: Ist der Vogelkot von infizierten Tieren gefährlich?

- ANTWORT: Im Kot erkrankter Tiere finden sich tatsächlich Vogelgrippe-Erreger. Allerdings in der Regel in geringer Menge. Außerdem überlebt das Grippevirus im Kot nicht allzu lange. Bei Sonnenschein stirbt es schon nach wenigen Stunden ab, bei bedecktem Himmel dauert es zumindest 24 Stunden.

- FRAGE: Sollte man Vogelkot besser gar nicht mehr berühren?

- ANTWORT: Wer etwa sein Auto vom Vogelschiss befreien will, sollte rein vorsorglich Handschuhe tragen, viel Wasser benutzen und einen Lappen, den man anschließend wegwirft und nicht etwa in den Küchenschrank zurücklegt. Fasst man Vogelkot an, sollte man sich die Hände waschen, das genügt. Was eventuell unter den Schuhen kleben bleibt, ist auf Grund der geringen Menge ungefährlich.

- FRAGE: Kann mein Hund sich mit dem Vogelgrippe-Virus anstecken?

- ANTWORT: Eine Gefahr für den Hund besteht allenfalls theoretisch. Bis jetzt ist kein einziger Fall bekannt, bei der Erreger auf Hunde übergesprungen wäre.

- FRAGE: Wie sieht das mit meiner Katze aus?

- ANTWORT: Eine Katze kann sich anstecken, zum Beispiel indem sie infizierten Vogelkot oder einen erkrankten Vogel frisst. Allerdings passiert eine solche Ansteckung sehr selten, denn die Virusme müsste sehr groß sein. Beim Vogelkot ist das in der Regel nicht der Fall. Und welche Katze isst schon Blesshühner, Enten oder Schwäne?

- FRAGE: Und was ist mit dem heimischen Wellensittich?

- ANTWORT: Ein Tier, das in der Wohnung ist, kann sich nicht anstecken. Aber auch, wenn es auf dem Balkon frei fliegen darf, ist es nicht gefährdet. Selbst wenn ein infizierter Schwan vorbeiflöge und just in dem Moment Vogeldreck aufs Balkongeländer fallen ließe, würde diese Menge für eine Ansteckung kaum ausreichen.

- FRAGE: Was soll man tun, wenn man tote Vögel findet?

- ANTWORT: Grundsätzlich sollten tote Vögel nicht angefasst werden. In Zweifelsfällen sollte man die zuständigen Behörden vor Ort informieren. Die werden dann sagen, wie weiter verfahren wird und den Kadaver gegebenenfalls abholen und untersuchen.

- FRAGE: Welche Gefahr besteht für den Menschen durch den Verzehr von Geflügelprodukten?

- ANTWORT: Hier gilt es, die gleiche Sorgfalt walten zu lassen wie immer beim Verzehr von Geflügel. Also Tiefkühlhähnchen oder Enten getrennt von anderen Lebensmitteln auftauen und das Auftauwasser wegkippen. Anschließend sollte das Geflügelfleisch vollständig durchgegart werden, also auch am Knochen nicht mehr rosa sein. Derzeit besteht ein Jagdverbot für Wildgeflügel, so dass von Tiefkühlfasanen oder -wildenten keine Gefahr ausgeht, denn sie sind lange vor der Vogelgrippe geschossen worden. Wie zum Schutz vor Salmonellen sollten auch Eier, beispielsweise von Wachteln, nur durchgegart gegessen werden: Das heißt, Eiweiß und Eigelb müssen geronnen sein. Ist das der Fall, ist ein möglicher Erreger tot, und es besteht keinerlei Gefahr.

Was man noch wissen sollte: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Bremen hat davor gewarnt, Enten und Schwäne in Parks und Grünanlagen zu füttern. Die Ansammlung von Geflügel an Futterplätzen begünstige die Übertragung des Virus von Vogel zu Vogel. Für die Fütterung von Singvögeln empfiehlt der NABU Futterautomaten anstelle von Vogelhäusern. Das verhindere eine Verschmutzung des Futters mit infektiösem Kot.

 

 

Last modified on:07/07/2008

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