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Bremen/Hannover (dpa) - Die Angst
vor einer Vogelgrippe- Infektion scheint trotz aller Verunsicherung spürbar
abzuklingen; Verbraucherzentralen warnen dagegen weiter vor dem Kauf so
genannter Wundermittel gegen eine Infektion mit dem Virus H5N1.
Dieses Bild ergibt sich einen Monat nach dem ersten in Deutschland
registrierten Vogelgrippe-Fall bei Tieren. Wir haben keine Hysterie mehr",
fasst die Sprecherin des Landesapothekerverbandes Niedersachsen, Tina
Gerstenkorn die Beobachtungen in ihrer Branche zusammen. Um den
Jahreswechsel herum hatten wir eine panische Nachfrage nach dem Grippemittel
Tamiflu, das auch im Fall einer Vogelgrippe-Infektion beim Menschen als
besonders wirksam gilt. Die Situation ist aber vorbei."
Es
gibt zwar keine Panik, aber eine Verunsicherung in Familien wegen der
verschiedenen Darstellungen in den Medien", beobachtet dagegen der Sprecher
des Apothekervereins Bremen, Gerd Welge. Es wird weiter gezielt nach
Medikamenten gefragt."
Auch die Nachfrage nach rezeptfreien Vitaminpräparaten und Mineralstoffen
spricht nach den Beobachtungen nicht für eine Massen- Infektion mit der
Angst. Die Umsätze bei pflanzlichen Medikamenten und so genannten
Nahrungsergänzungsmitteln sind in diesem Winterhalbjahr nicht höher als in
früheren Jahren", sagt Gerstenkorn.
Weiter akut sind dagegen die Warnungen vor unseriösen Geschäften mit der
Grippe-Angst. Es seien Anbieter teurer 0900-Nummern, Fax- Abrufe und
SMS-Nachrichten auf dem Markt, die mit Informationen zur Vogelgrippe viel
Geld verdienen wollten, heißt es bei der Verbraucherzentrale
Schleswig-Holstein. Von diesen Angeboten sollte niemand Gebrauch machen",
rät sie.
Zumeist gibt es bei diesen Anbietern wenig Inhalt für viel Geld", sagt auch
der Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Christian
Fronczak, in Berlin. Doch die Grenze des gesetzlich Zulässigen wird dabei
nach den Beobachtungen des Verbandes nur selten überschritten.
Wettbewerbsrechtliche Verfahren haben wir deswegen bisher nicht eingeleitet",
sagt Fronczak.
Wenden sie sich mit Fragen an öffentliche Institutionen oder an Ärzte",
empfiehlt die Sprecherin der niedersächsischen Verbraucherberatung, Gabriele
Peters. Ministerien, Ämter und Institute haben dafür kostengünstige
Sonder-Telefone - so genannte Hotlines - eingerichtet." Dazu gehören das
Landwirtschaftsministerium, das Robert-Koch-Institut, das Friedrich-
Löffler-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung.
Zu
den vor allem im Internet angebotenen Anti-Grippe-Mitteln, die im Einzelfall
zwar teuer, aber wirkungslos und unschädlich sind, zählen die
Verbraucherschützer Tropfen und Tabletten mit Extrakten aus Shiitake-Pilzen.
Das gilt nach den Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auch
für Fitness-Drinks aus Beerenextrakten für Kinder. Die Wirksamkeit dieser
Präparate liege lediglich in einer falschen Sicherheit, die Eltern
vorgegaukelt werde.
Nicht nur teuer sondern auch risikoreich können den Informationen zufolge so
genannte Kombi-Präparate aus Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenextrakten
sein, die auch als Viren-Killer gegen Vogelgrippe angeboten werden". Zu
erkennen seien sie oft an dem Begriff Immun" im Produktnamen.
Als Antiviren-Mittel werde trickreich auch Stern-Anis angeboten, weil diese
Pflanze einen Rohstoff für Tamiflu liefert. Stern-Anis selbst kann jedoch
nichts gegen Grippeviren ausrichten", heißt es in den Warnungen. Dagegen sei
die Gefahr, sich mit einer giftigen Stern- Anis-Art zu schaden, schon real.
Zu
genereller Nüchternheit bei der Grippe-Vorsorge rät der Leiter des
Landesgesundheitsamts Niedersachsen, Adolf Windorfer. Die Behauptung, dass
die vermehrte Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen vor Infektionen
schützt, ist falsch. Einen Zusammenhang zwischen der Todesrate bei Grippe
und der Fitness gibt es nicht. Auch der völlig Gesunde kann daran sterben.
Das hängt ganz vom Verlauf der Infektion ab." |