30 June, 2008

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Vogelgrippe-Angst klingt ab: Warnung vor Wundermitteln

Bremen/Hannover (dpa) - Die Angst vor einer Vogelgrippe- Infektion scheint trotz aller Verunsicherung spürbar abzuklingen; Verbraucherzentralen warnen dagegen weiter vor dem Kauf so genannter Wundermittel gegen eine Infektion mit dem Virus H5N1.

Dieses Bild ergibt sich einen Monat nach dem ersten in Deutschland registrierten Vogelgrippe-Fall bei Tieren. Wir haben keine Hysterie mehr", fasst die Sprecherin des Landesapothekerverbandes Niedersachsen, Tina Gerstenkorn die Beobachtungen in ihrer Branche zusammen. Um den Jahreswechsel herum hatten wir eine panische Nachfrage nach dem Grippemittel Tamiflu, das auch im Fall einer Vogelgrippe-Infektion beim Menschen als besonders wirksam gilt. Die Situation ist aber vorbei."

Es gibt zwar keine Panik, aber eine Verunsicherung in Familien wegen der verschiedenen Darstellungen in den Medien", beobachtet dagegen der Sprecher des Apothekervereins Bremen, Gerd Welge. Es wird weiter gezielt nach Medikamenten gefragt."

Auch die Nachfrage nach rezeptfreien Vitaminpräparaten und Mineralstoffen spricht nach den Beobachtungen nicht für eine Massen- Infektion mit der Angst. Die Umsätze bei pflanzlichen Medikamenten und so genannten Nahrungsergänzungsmitteln sind in diesem Winterhalbjahr nicht höher als in früheren Jahren", sagt Gerstenkorn.

Weiter akut sind dagegen die Warnungen vor unseriösen Geschäften mit der Grippe-Angst. Es seien Anbieter teurer 0900-Nummern, Fax- Abrufe und SMS-Nachrichten auf dem Markt, die mit Informationen zur Vogelgrippe viel Geld verdienen wollten, heißt es bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Von diesen Angeboten sollte niemand Gebrauch machen", rät sie.

Zumeist gibt es bei diesen Anbietern wenig Inhalt für viel Geld", sagt auch der Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Christian Fronczak, in Berlin. Doch die Grenze des gesetzlich Zulässigen wird dabei nach den Beobachtungen des Verbandes nur selten überschritten. Wettbewerbsrechtliche Verfahren haben wir deswegen bisher nicht eingeleitet", sagt Fronczak.

Wenden sie sich mit Fragen an öffentliche Institutionen oder an Ärzte", empfiehlt die Sprecherin der niedersächsischen Verbraucherberatung, Gabriele Peters. Ministerien, Ämter und Institute haben dafür kostengünstige Sonder-Telefone - so genannte Hotlines - eingerichtet." Dazu gehören das Landwirtschaftsministerium, das Robert-Koch-Institut, das Friedrich- Löffler-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Zu den vor allem im Internet angebotenen Anti-Grippe-Mitteln, die im Einzelfall zwar teuer, aber wirkungslos und unschädlich sind, zählen die Verbraucherschützer Tropfen und Tabletten mit Extrakten aus Shiitake-Pilzen. Das gilt nach den Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auch für Fitness-Drinks aus Beerenextrakten für Kinder. Die Wirksamkeit dieser Präparate liege lediglich in einer falschen Sicherheit, die Eltern vorgegaukelt werde.

Nicht nur teuer sondern auch risikoreich können den Informationen zufolge so genannte Kombi-Präparate aus Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenextrakten sein, die auch als Viren-Killer gegen Vogelgrippe angeboten werden". Zu erkennen seien sie oft an dem Begriff Immun" im Produktnamen.

Als Antiviren-Mittel werde trickreich auch Stern-Anis angeboten, weil diese Pflanze einen Rohstoff für Tamiflu liefert. Stern-Anis selbst kann jedoch nichts gegen Grippeviren ausrichten", heißt es in den Warnungen. Dagegen sei die Gefahr, sich mit einer giftigen Stern- Anis-Art zu schaden, schon real.

Zu genereller Nüchternheit bei der Grippe-Vorsorge rät der Leiter des Landesgesundheitsamts Niedersachsen, Adolf Windorfer. Die Behauptung, dass die vermehrte Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen vor Infektionen schützt, ist falsch. Einen Zusammenhang zwischen der Todesrate bei Grippe und der Fitness gibt es nicht. Auch der völlig Gesunde kann daran sterben. Das hängt ganz vom Verlauf der Infektion ab."

 

 

Last modified on:01/14/2008

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