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Berlin (dpa) - Mit seinen
literarischen Figuren des Herrn Wendriner" oder des Lottchen" zeichnete er
typische Berliner Charaktere. Erich Kästner nannte ihn liebevoll den kleinen
dicken Berliner": Kurt Tucholsky war einer der meistgelesenen
politisch-satirischen Schriftsteller der Weimarer Republik, der auch mit
Unterhaltungsromanen wie Rheinsberg" und Schloss Gripsholm" Riesenauflagen
erzielte.
In
Rheinsberg ist ihm ein Ausstellungs- und Archivmuseum gewidmet. Vor 70
Jahren, am 21. Dezember 1935, starb Tucholsky im schwedischen Exil kurz vor
seinem 45. Geburtstag - krank an Leib und Seele (Immer suchen ist nicht
schön") an einer Überdosis Schlaftabletten. Schweden hatte seine Einbürgeung
abgelehnt.
Das Berliner Ensemble erinnert mit einer Sondervorstellung an den
spöttischen Lyriker, politischen Moralisten, melancholischen Pazifisten und
Romanschriftsteller, dessen Attacken besonders dem Militarismus und dem
deutschen Spießbürgertum galten. Ein Mann mit einem Geist wie ein Florett,
einem Herz wie ein Blumengarten und ein Maulwerk wie ein Dreschflegel",
wurde er auch beschrieben. Er schrieb unter mindestens vier Pseudonymen -
Peter Panter, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser und Theobald Tiger. Die
Geschichten für Verliebte Rheinsberg" und Schloss Gripsholm" schrieb ein
Mann mit leichter Hand, der sein Lebtag nur unglücklich verliebt war und ein
zwiespältiges Verhältnis zu Frauen hatte, nicht zuletzt weil er sich, wie
viele Künstler, weigerte, erwachsen" zu werden.
Schon 1932 hatte der aufgehörte Deutsche", wie er zuletzt seine Briefe
unterzeichnete, resigniert und aufgehört zu publizieren. Mit Deutschland und
ganz speziell mit seiner Heimatstadt verband ihn eine lebenslange Hassliebe.
Deutschland -? Schweigen und Vorübergehn", beschrieb er einmal seine
Gedanken in den letzten Jahren. Seine Warnungen vor dem Nationalsozialismus
wurden in seiner Heimat in den Wind geschlagen. Gegen einen Ozean pfeift man
nicht", stellte er resigniert fest.
Schon 1929 bejahte er in dem gemeinsam mit dem Grafiker John Heartfield
veröffentlichten kritischen Band Deutschland, Deutschland über alles" seine
Heimat: ...und nun wollen wir auch einmal Ja sagen, Ja - zu der Landschaft
und dem Land Deutschland. Dem Land, in dem wir geboren sind und dessen
Sprache wir sprechen.( ...) Wir sind auch noch da.(...) Deutschland ist ein
gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir."
Vielleicht einen der schönsten Nachrufe auf Tucholsky verfasste Arnold Zweig
im Januar 1936 mit einem Hinweis auf Tucholskys großes Vorbild Heinrich
Heine: Wer uns so lachen und zürnen machte, und just über das Lächerliche
und Empörende, wer so herrlich zu spaßen und weise zu sein vermochte wie Sie,
und alles so auf Deutsch, der mag gern ausruhen wie H. Heine. Er ist ein
Lebender wie er." |