30 June, 2008

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Vor 70 Jahren starb Tucholsky

Schloss Rheinsberg in Brandenburg. Tucholsky hat dem Schloss mit seinem Tagebuch für Verliebte" ein Denkmal gesetzt.

Berlin (dpa) - Mit seinen literarischen Figuren des Herrn Wendriner" oder des Lottchen" zeichnete er typische Berliner Charaktere. Erich Kästner nannte ihn liebevoll den kleinen dicken Berliner": Kurt Tucholsky war einer der meistgelesenen politisch-satirischen Schriftsteller der Weimarer Republik, der auch mit Unterhaltungsromanen wie Rheinsberg" und Schloss Gripsholm" Riesenauflagen erzielte.

In Rheinsberg ist ihm ein Ausstellungs- und Archivmuseum gewidmet. Vor 70 Jahren, am 21. Dezember 1935, starb Tucholsky im schwedischen Exil kurz vor seinem 45. Geburtstag - krank an Leib und Seele (Immer suchen ist nicht schön") an einer Überdosis Schlaftabletten. Schweden hatte seine Einbürgeung abgelehnt.

Das Berliner Ensemble erinnert mit einer Sondervorstellung an den spöttischen Lyriker, politischen Moralisten, melancholischen Pazifisten und Romanschriftsteller, dessen Attacken besonders dem Militarismus und dem deutschen Spießbürgertum galten. Ein Mann mit einem Geist wie ein Florett, einem Herz wie ein Blumengarten und ein Maulwerk wie ein Dreschflegel", wurde er auch beschrieben. Er schrieb unter mindestens vier Pseudonymen - Peter Panter, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser und Theobald Tiger. Die Geschichten für Verliebte Rheinsberg" und Schloss Gripsholm" schrieb ein Mann mit leichter Hand, der sein Lebtag nur unglücklich verliebt war und ein zwiespältiges Verhältnis zu Frauen hatte, nicht zuletzt weil er sich, wie viele Künstler, weigerte, erwachsen" zu werden.

Schon 1932 hatte der aufgehörte Deutsche", wie er zuletzt seine Briefe unterzeichnete, resigniert und aufgehört zu publizieren. Mit Deutschland und ganz speziell mit seiner Heimatstadt verband ihn eine lebenslange Hassliebe. Deutschland -? Schweigen und Vorübergehn", beschrieb er einmal seine Gedanken in den letzten Jahren. Seine Warnungen vor dem Nationalsozialismus wurden in seiner Heimat in den Wind geschlagen. Gegen einen Ozean pfeift man nicht", stellte er resigniert fest.

Schon 1929 bejahte er in dem gemeinsam mit dem Grafiker John Heartfield veröffentlichten kritischen Band Deutschland, Deutschland über alles" seine Heimat: ...und nun wollen wir auch einmal Ja sagen, Ja - zu der Landschaft und dem Land Deutschland. Dem Land, in dem wir geboren sind und dessen Sprache wir sprechen.( ...) Wir sind auch noch da.(...) Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir."

Vielleicht einen der schönsten Nachrufe auf Tucholsky verfasste Arnold Zweig im Januar 1936 mit einem Hinweis auf Tucholskys großes Vorbild Heinrich Heine: Wer uns so lachen und zürnen machte, und just über das Lächerliche und Empörende, wer so herrlich zu spaßen und weise zu sein vermochte wie Sie, und alles so auf Deutsch, der mag gern ausruhen wie H. Heine. Er ist ein Lebender wie er."

 

 

Last modified on:01/14/2008

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