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Zwickau (dpa) - Rund zwölf Jahre
musste Otto Normalverbraucher in der DDR auf seinen Trabant" warten. War
dann der heiß ersehnte Moment da, wurde der ostdeutsche Volkswagen wie ein
Familienmitglied aufgenommen. Wie im Kultfilm Go Trabi Go" über die
abenteuerliche Italien-Reise der Bitterfelder Familie Struutz mit Schorschl"
bekam er nicht selten einen Namen. Rund 3,7 Millionen Trabis wurden von 1957
bis 1991 in Zwickau produziert. Als am 30. April vor 15 Jahren um 14.51 Uhr
das letzte Exemplar im Sachsenringwerk vom Band rollte, konnten gestandene
Männer ihre Tränen nicht verbergen.
Der Produktionsstart war symbolträchtig für den 7. November 1957, dem 40.
Jahrestag der russischen Oktoberrevolution, angesetzt. Der Kleinwagen mit
Zweitaktmotor, der von technischen Modifikationen abgesehen 34 Jahre lang in
fast unver-ändertem Aussehen das Werk verließ, war aber alles andere als
revolutionär. Immerhin wuchsen die unter der Motorhaube installierten
Pferdestärken von anfangs 23 PS später auf 26 PS.
Der Auftrag der DDR-Führung an die Zwickauer Ingenieure für das Auto lautete:
hoher Gebrauchswert, einfach zu bedienen und zu warten und geringer
Spritver-brauch. Der Trabi stand auch wie kaum ein anderes Produkt für die
zentralgelenkte DDR-Mangelwirtschaft: Weil Tiefziehblech zu teuer war,
entwickelten die Konstrukteure ein Auto mit serienmäßiger
Kunststoff-Karosserie. Sie bestand aus Duroplast - zusammengepressten Lagen
aus Baumwolle, Lumpen und verschiedenen Kunstharzen.
Obwohl er nicht gerade stromlinienförmig aussah, eher bescheiden
beschleunigte, die Lenkradschaltung oft hakte, das Benzin-Öl-Gemisch eine
stinkende Abgasfahne hinterließ und bei Tempo 100 ein Gespräch im Inneren
nicht mehr möglich war, wurde der Trabi geliebt und gehegt. Es blieb einem
ja gar nichts anderes übrig", sagt Jürgen Pönisch, heute Mitarbeiter des
August Horch Museums in Zwickau und früher Ingenieur für Sondermaschinenbau
im Sachsenringwerk.
Der 57-Jährige beschreibt seine Erfahrungen mit dem Trabi so: Er war sehr
zuverlässig, wenn auch sehr klein und für lange Strecken nicht sehr bequem."
Der Kleinwagen war relativ leicht zu reparieren. Bei gerissenem Keilriemen
half die Beifahrerin mit einem Nylonstrumpf aus. Im DDR-Volksmund hieß es
denn auch liebevoll-spöttisch: Hast du Hammer, Zange, Draht, kommst du bis
nach Leningrad." Von Berlin ins heutige St. Petersburg sind es immerhin rund
1750 Kilometer.
Erstaunliches kann Pönisch über den Wiederverkaufswert des Trabi zu
DDR-Zeiten berichten. Sein 1972 für 8500 Ostmark erworbener Neuwagen wurde
ihm 15 Jahre später für 7000 Mark Ost und 100 Mark West abgekauft. Mit dem
Fall der Mauer hatte sich das Kapitel Trabant praktisch erledigt. Da half
auch nicht, dass die DDR-Regierung Ende Dezember 1989 das Zwickauer Werk
anwies, einen 1,1-Liter-VW-Motor in den Trabant einzubauen.
Der allerletzte pinkfarbene Trabi (Miss-Piggy-Pink") mit der
Produktionsnummer 3069099 landete im August Horch Museum. Dort steht er aus
Platzmangel derzeit im Depot. Sichtbar auf deutschen Straßen sind mehr
Trabis als der Laie vermutet: Zum 1. Januar 2006 waren laut
Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg noch 58073 Fahrzeuge angemeldet - rund
8900 weniger als im Vorjahr. Im Osten sind die meisten in Sachsen
anzutreffen (20932). Spitzenreiter im Westen ist Nordrhein- Westfalen mit
2224 Exemplaren. Trabi-clubs gibt es aber nicht nur in Deutschland, auch in
Frankreich, Belgien, den Niederlanden und in Osteuropa. Beim Problem der
knappen Ersatzteile helfen sich die Clubmitglieder untereinander - damit die
Legende auf Rädern" ewig weiterlebt.
(Internet: www.horch-museum.de;
www.supertrabi.de; www.trabantforum.de)
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