30 June, 2008

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Auf dem Weg des Tees: Deutsche lehren die japanische Teezeremonie

Während einer Teezeremonie sitzen Jana Roloff (l) und Setsuko Poetzsch (v.l.) in einem Teehaus im Stadtpark von Hannover zusammen.

Von Karen Metzger, dpa

Hannover (dpa) Die Schuhe der Besucher sind vor dem Teehaus ordentlich aufgereiht. Drinnen sitzen sie in Socken auf hellen Bambusmatten. Setsuko Poetzsch kommt in einem weißen Kimono mit rosa Blumen herein und legt behutsam ihr Geschirr für die japanische Teezeremonie, die chaji", bereit. Die Japanerin, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, lehrt nicht etwa die Zeremonie, sie nimmt Unterricht bei den Deutschen Jana (31) und Dietrich Roloff aus Hannover.

Vor elf Jahren habe ich eine Teezeremonie besucht, war schwer beeindruckt und wollte es unbedingt selbst erlernen", erzählt der 71-Jährige Dietrich Roloff. Seit 1998 gibt er Unterricht und hat die Schule Cha zen ichimi" gegründet. Rund 25 Schüler kommen in unregelmäßigen Abständen zu ihm, um die etwa 600 Jahre alten Rituale zu lernen. Ich finde es so schön meditativ. Außerdem macht es mir Spaß, und ich genieße den besonderen Teegeschmack", meint Poetzsch, die ihr Alter nicht verraten will. In ihrer Heimat ist die Teezeremonie eine feierliche Angelegenheit, bei der die Gedanken zur Ruhe kommen sollen, damit sich innerlicher Frieden ausbreiten kann.

Die Tee-Schülerin greift mit fließenden, exakt einstudierten Handbewegungen zu der kleinen Teedose, in der sich das Teepulver befindet. Mit einem schmalen flachen Löffel, dem chashaku", gibt sie ein wenig davon in die Keramikschale (chawan"). In der Mitte des Raums steigt bereits Dampf aus einem in den Boden eingelassenen Kessel auf. Poetzsch schöpft etwas heißes Wasser und gießt es behutsam in die Schale. Dann schlägt sie mit einer Art kleinem Schneebesen aus Bambus einen blassgrünen, schaumigen Tee auf.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere japanische Teehäuser, und einige bieten auch Unterricht an, erläutert Dietrich Roloff. Das Teehaus im Stadtpark Hannover war eine Schenkung der Partnerstadt Hiroschima im Jahr 1988. Ein Jahr später gründete sich die Deutsch-Japanische Gesellschaft Hannover, Chado Kai". Der Verein hat derzeit rund 200 Mitglieder und verstehe sich als kulturelles Bindeglied zwischen den beiden Ländern, sagt die Präsidentin Renate Schaadt.

Hannover hat außer dem Teehaus den bundesweit einzigen japanischen Teegarten", betont Schaadt. In der Saison von Mai bis Oktober wird einmal pro Woche eine Zeremonie für Gruppen von etwa vier Gästen gezeigt. Jeden zweiten Samstag im Monat gibt es eine öffentliche Vorführung. Jedes Jahr kämen mehr Besucher, sagt Schaadt: Das Interesse an japanischen Traditionen hat in den vergangenen fünf Jahren enorm zugenommen."

Bevor Poetzsch ihren Gästen den Tee reicht, bietet sie kleine Plätzchen an. Da der Tee sehr bitter ist, isst man die Süßigkeit direkt, bevor er getrunken wird", erklärt Jana Roloff. Die Gäste werden nacheinander bedient, zwei Runden Tee gibt es für jeden - alles andere sei unhöflich. Als höflich gelte es dagegen, sich bei der Gastgeberin nach der Sorte und Herkunft des Tees zu erkundigen. Dann kann man zum Abschluss nur noch sagen: Chodai itaschi masu" Danke für den Tee!"

Internet: Deutsch-Japanische Gesellschaft Hanover: www.djg- hannover.de; Schule für japanische Teezeremonie: www.teezeremonie- zen.de

 

 

Last modified on:01/14/2008

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