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Von Karen Metzger, dpa
Hannover (dpa) Die Schuhe der
Besucher sind vor dem Teehaus ordentlich aufgereiht. Drinnen sitzen sie in
Socken auf hellen Bambusmatten. Setsuko Poetzsch kommt in einem weißen
Kimono mit rosa Blumen herein und legt behutsam ihr Geschirr für die
japanische Teezeremonie, die chaji", bereit. Die Japanerin, die seit 30
Jahren in Deutschland lebt, lehrt nicht etwa die Zeremonie, sie nimmt
Unterricht bei den Deutschen Jana (31) und Dietrich Roloff aus Hannover.
Vor elf Jahren habe ich eine Teezeremonie besucht, war schwer beeindruckt
und wollte es unbedingt selbst erlernen", erzählt der 71-Jährige Dietrich
Roloff. Seit 1998 gibt er Unterricht und hat die Schule Cha zen ichimi"
gegründet. Rund 25 Schüler kommen in unregelmäßigen Abständen zu ihm, um die
etwa 600 Jahre alten Rituale zu lernen. Ich finde es so schön meditativ.
Außerdem macht es mir Spaß, und ich genieße den besonderen Teegeschmack",
meint Poetzsch, die ihr Alter nicht verraten will. In ihrer Heimat ist die
Teezeremonie eine feierliche Angelegenheit, bei der die Gedanken zur Ruhe
kommen sollen, damit sich innerlicher Frieden ausbreiten kann.
Die Tee-Schülerin greift mit fließenden, exakt einstudierten Handbewegungen
zu der kleinen Teedose, in der sich das Teepulver befindet. Mit einem
schmalen flachen Löffel, dem chashaku", gibt sie ein wenig davon in die
Keramikschale (chawan"). In der Mitte des Raums steigt bereits Dampf aus
einem in den Boden eingelassenen Kessel auf. Poetzsch schöpft etwas heißes
Wasser und gießt es behutsam in die Schale. Dann schlägt sie mit einer Art
kleinem Schneebesen aus Bambus einen blassgrünen, schaumigen Tee auf.
In
Deutschland gibt es mittlerweile mehrere japanische Teehäuser, und einige
bieten auch Unterricht an, erläutert Dietrich Roloff. Das Teehaus im
Stadtpark Hannover war eine Schenkung der Partnerstadt Hiroschima im Jahr
1988. Ein Jahr später gründete sich die Deutsch-Japanische Gesellschaft
Hannover, Chado Kai". Der Verein hat derzeit rund 200 Mitglieder und
verstehe sich als kulturelles Bindeglied zwischen den beiden Ländern, sagt
die Präsidentin Renate Schaadt.
Hannover hat außer dem Teehaus den bundesweit einzigen japanischen Teegarten",
betont Schaadt. In der Saison von Mai bis Oktober wird einmal pro Woche eine
Zeremonie für Gruppen von etwa vier Gästen gezeigt. Jeden zweiten Samstag im
Monat gibt es eine öffentliche Vorführung. Jedes Jahr kämen mehr Besucher,
sagt Schaadt: Das Interesse an japanischen Traditionen hat in den
vergangenen fünf Jahren enorm zugenommen."
Bevor Poetzsch ihren Gästen den Tee reicht, bietet sie kleine Plätzchen an.
Da der Tee sehr bitter ist, isst man die Süßigkeit direkt, bevor er
getrunken wird", erklärt Jana Roloff. Die Gäste werden nacheinander bedient,
zwei Runden Tee gibt es für jeden - alles andere sei unhöflich. Als höflich
gelte es dagegen, sich bei der Gastgeberin nach der Sorte und Herkunft des
Tees zu erkundigen. Dann kann man zum Abschluss nur noch sagen: Chodai
itaschi masu" Danke für den Tee!"
Internet: Deutsch-Japanische
Gesellschaft Hanover: www.djg- hannover.de; Schule für japanische
Teezeremonie: www.teezeremonie- zen.de |