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Mainz
(dpa) - Glitzernd dreht sich eine Discokugel.
Buntes Licht tanzt rhythmisch zu Liedern, die von endloser Liebe erzählen.
Zwischen plüschigen Sesseln mustern sich Jugendliche unsicher. Der Rahmen
wirkt professionell, das Verhalten der Schüler weniger. Aber deswegen sind
sie ja in den Anfängerkurs einer Tanzschule in Mainz gekommen.
In ganz
Deutschland und allen Altersklassen wird Tanzen wieder beliebt. Der Trend
hält seit zwei Jahren an", bestätigt die Inhaberin der Tanzschule, Cornelia
Willius-Senzer, die auch Präsidentin des Allgemeinen Deutschen
Tanzlehrerverbandes (ADTV) ist. Bundesweit besuchten 2005 immerhin zwei
Millionen Menschen eine Tanzschule.
In Mainz steht
heute die Rumba auf dem Programm. Doch statt gefühlvoller Annäherung halten
viele Pärchen Abstand. Ihr müsst Euren Partner anschmachten", fordert
Kursleiterin Tina Willius- Senzer. Für sie hängt die jüngste
Tanzbegeisterung mit einer Besinnung auf alte Werte zusammen: In
wirtschaftlich turbulenten Zeiten rücken die Menschen enger zusammen und
Tanzen bringt nun mal Geborgenheit."
Der Trend lässt
sich an den Kursgrößen ablesen. Anfängerkurse mit 180 Teilnehmern sind keine
Seltenheit. Zu den Abschlussbällen kommen ganze Familien. Vor ein paar
Jahren war es noch nicht üblich, dass von der kleinen Schwester bis zur Oma
alle dabei sind", erzählt Willius-Senzer. Die Familie lebt, das spürt man."
Währenddessen
versuchen sich ihre Schüler unter leisem Mitzählen der Schritte an der
Rumba. Ihr müsst der Dame den Impuls geben", feuert sie die Jungs an. Auch
so etwas gehört zum Tanzkurs. Es geht darum, Berührungsängste abzubauen. Das
gelingt ganz gut", sagt die Tanzlehrerin. Manche Jungs kommen als
schüchterne Buben und gehen als junge Männer."
Auch soziale
Kompetenz soll vermittelt werden. So werden Kurse um Anti-Blamier-Programme
ergänzt. Das sind Benimmkurse, in denen gesellschaftliche Umgangsformen wie
Tischsitten und Begrüß-ungsrituale trainiert werden. Der ehemalige
ADTV-Präsident Heiko Feltens erklärt: Damit machen wir Jugendliche nicht nur
fit fürs Parkett, sondern erleichtern ihnen auch den Start ins Berufsleben."
Entscheidend ist für Cornelia Willius-Senzer, dass Umgangsformen nicht
auswendig gelernt, sondern vorgelebt werden: Die Jungs merken, dass Charme
bei Mädchen ankommt."
Das sehen die
Jugendlichen in der Mainzer Tanzschule ähnlich. Es ist wichtig für das
spätere Leben und gehört zur Allgemeinbildung", sagt der 15-jährige Julian
Winterlik. Es ist besser, wenn man sich auf der eigenen Hochzeit nicht beim
Walzer blamiert", ergänzt seine Tanzpartnerin Stefanie Ralf. Die zehnköpfige
Clique nickt zustimmend. Außerdem macht es Spaß und man wird selbstsicher",
meint Philipp Scholz.
Spaß bereitet
vielen auch das 1997 vom ADTV initiierte Projekt Dance4Fans". Dabei lernen
die Zöglinge moderne Tanzrichtungen wie HipHop, Breakdance oder Rap und
tanzen beim Videoclip-Dancing Originalchoreografien der aktuellen Musikszene.
Mittlerweile nehmen 150000 Jugendliche in 420 Tanzschulen an dem Projekt
teil, sogar Europameisterschaften gibt es schon.
Cornelia
Willius-Senzer zeigt sich überzeugt, dass die Tanz- Begeisterung Bestand
hat. So steigerten Tanzshows im Fernsehen die Popularität noch. Ein Beispiel
sei die RTL-Show Dancing with the Stars" mit Hape Kerkeling, die im April
und Mai über die Bildschirme flimmern solle. Dabei würden Prominente mit
Profis einen Kurs besuchen und gegeneinander antreten. Der Präsident des
Berufsverbands deutscher Tanzlehrer, Thomas Latus, berichtet: In Österreich
gab es solche Shows schon und die führten zu Zuwachsraten von 200 Prozent." |