30 June, 2008

143rd YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

Stand vom Montag

1 US $ = 0,6347  Euro

1 Euro = 1,5755 US $

Contact Us

Home/Start

Store

Newsstands

 

Sections

Ads/Anzeigen

Archives/Archiv

National Ad Rates

 

Deutsche

Churches/Kirchen

Clubs/Vereine

Radiostationen

 

Fußball

WM 2006

Links

 

Services

Internship/Praktikum

Subscribe

Purchase 150th Anniversary Issue

Address Change

 

 

Erotik mit Stallgeruch

Die Jungbäuerinnen Stefanie aus Schwaben (l) und Eva-Veronika aus Niederbayern zeigen bei einer Pressekonferenz in München ihr Bild im Kalender. Die Kalenderedition ,Jungbauernkalen-der 2007' ist eine Hommage an alle jungen Bäuerinnen, die sich selbstbewusst und mit Spass für die Landwirtschaft einsetzen.

München (dpa) ­ Manchmal ereilen einen Einladungen, da weiß man als treu sorgender Familienvater nicht, ob man ihnen guten Gewissens Folge leisten darf. Da zieren das Schreiben leicht bis gar nicht geschürzte Damen, von denen es im Text heißt, man könne die Models live erleben". Na holla! Linderung für etwaige Gewissensbisse bringt erst der Zusatz, dass dies am helllichten Tage bei einem Weißwurstfrühstück im staatlichen Hofbräuhaus zu München geschehen werde ­ rein dienstlich, versteht sich. Absender: die bayerische Jungbauernschaft.

Ludwig Raßhofer, Landesvorsitzender der Jungbauern, ist inzwischen fit in Marketingdingen. Von seinen österreichischen Kollegen hat er sich erklären lassen, was Sex sells" bedeutet. Dass man nämlich eine Message" recht leicht mit einem ordentlichen Schuss Erotik rüberbringt. Also hat Raßhofer, durchaus misstrauisch von so manchem Oberen im Bayerischen Bauernverband beäugt, zum zweiten Mal einen Jungbauernkalender auflegen lassen, in dem allerdings nur Jungbäuerinnen in nicht immer agrartypischen Posen und nur bedingt ländlicher Kleidung abgebildet sind.

Das Ganze nennt sich neuerdings German Girls Edition 2007", obwohl das Hochglanzdruckwerk neben sechs bayerischen auch sechs österreichische Girls zieren. Man habe sich aber, erläutert Raßhofer, für diesen Titel entschieden, weil sich im vergangenen Jahr gezeigt habe, dass im Zuge der Globalisierung auch außerhalb Bayerns eine rege Nachfrage nach dem Kalender herrsche. Die kann bei zuletzt 4000 und nun 6000 Exemplaren zwar bei weitem nicht befriedigt werden, doch, so Raßhofer, man wolle die Auflage streng begrenzt halten". Es sollen immer ein paar bleiben, die keinen kriegen." So schafft man Kult.

Nach den Gründen für die Ausgabe des Kalenders gefragt, gibt sich Raßhofer zunächst ­ wie soll man sagen ­ verwirrend. Man wolle damit die Landwirtschaft von einer anderen Seite darstellen". Den Kampf gegen das Gummistiefel-Image der jungen Bauernschaft" trete man damit an, man biete einen ästhetischen Einblick" in deren Leben. Der Kuhstall als Strip-Bude? Unterm Dirndl wird gejodelt, oder was? Erst später und auf Nachfrage rückt Raßhofer mit entwaffnender Ehrlichkeit die wahren Gründe heraus. Wir wollen unsere politischen Standpunkte über den Kalender verkaufen", sagt er. Mit der über die Aktfotos erzeugten Aufmerksamkeit sei dies auch gelungen. Und ganz nebenbei fließt der Erlös des 25 Euro teuren Kalenders in die Jugendarbeit der Jungbauernschaft.

Dann endlich, noch vor den Weißwürsten, treten sieben der zwölf Kalender-Models auf, die unter 1000 Bewerberinnen ausgewählt worden waren. Fesche Madeln allesamt, mit einem Dirndl sauber ausstaffiert. Alles züchtig und jugendfrei. Ganz nach der Vorgabe Raßhofers: Wir wollen schl-ießlich keine obszönen Sachen machen." Um die Erotik in der Landwirtschaft" gehe es. Wer nackte Frauen sehen will, der soll sich den Pirelli-Kalender kaufen."

Ach ja, für die politischen Standpunkte der bayerischen Jungbauern interessiert sich an diesem Vormittag übrigens niemand.

Stefanie aus dem Allgäu (l) und Heidi aus Mittelfranken zeigen ihr Bild im Kalender.

 

 

Last modified on:01/14/2008

GACCMI

           
About us Affiliations   Webmaster  

`

© 1996-2008 Nordamerikanische Wochen-Post. All rights reserved.