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München
(dpa) Manchmal ereilen einen Einladungen, da weiß man als treu sorgender
Familienvater nicht, ob man ihnen guten Gewissens Folge leisten darf. Da
zieren das Schreiben leicht bis gar nicht geschürzte Damen, von denen es im
Text heißt, man könne die Models live erleben". Na holla! Linderung für
etwaige Gewissensbisse bringt erst der Zusatz, dass dies am helllichten Tage
bei einem Weißwurstfrühstück im staatlichen Hofbräuhaus zu München geschehen
werde rein dienstlich, versteht sich. Absender: die bayerische
Jungbauernschaft.
Ludwig Raßhofer,
Landesvorsitzender der Jungbauern, ist inzwischen fit in Marketingdingen.
Von seinen österreichischen Kollegen hat er sich erklären lassen, was Sex
sells" bedeutet. Dass man nämlich eine Message" recht leicht mit einem
ordentlichen Schuss Erotik rüberbringt. Also hat Raßhofer, durchaus
misstrauisch von so manchem Oberen im Bayerischen Bauernverband beäugt, zum
zweiten Mal einen Jungbauernkalender auflegen lassen, in dem allerdings nur
Jungbäuerinnen in nicht immer agrartypischen Posen und nur bedingt
ländlicher Kleidung abgebildet sind.
Das Ganze nennt
sich neuerdings German Girls Edition 2007", obwohl das Hochglanzdruckwerk
neben sechs bayerischen auch sechs österreichische Girls zieren. Man habe
sich aber, erläutert Raßhofer, für diesen Titel entschieden, weil sich im
vergangenen Jahr gezeigt habe, dass im Zuge der Globalisierung auch
außerhalb Bayerns eine rege Nachfrage nach dem Kalender herrsche. Die kann
bei zuletzt 4000 und nun 6000 Exemplaren zwar bei weitem nicht befriedigt
werden, doch, so Raßhofer, man wolle die Auflage streng begrenzt halten". Es
sollen immer ein paar bleiben, die keinen kriegen." So schafft man Kult.
Nach den Gründen
für die Ausgabe des Kalenders gefragt, gibt sich Raßhofer zunächst wie
soll man sagen verwirrend. Man wolle damit die Landwirtschaft von einer
anderen Seite darstellen". Den Kampf gegen das Gummistiefel-Image der jungen
Bauernschaft" trete man damit an, man biete einen ästhetischen Einblick" in
deren Leben. Der Kuhstall als Strip-Bude? Unterm Dirndl wird gejodelt, oder
was? Erst später und auf Nachfrage rückt Raßhofer mit entwaffnender
Ehrlichkeit die wahren Gründe heraus. Wir wollen unsere politischen
Standpunkte über den Kalender verkaufen", sagt er. Mit der über die Aktfotos
erzeugten Aufmerksamkeit sei dies auch gelungen. Und ganz nebenbei fließt
der Erlös des 25 Euro teuren Kalenders in die Jugendarbeit der
Jungbauernschaft.
Dann endlich, noch
vor den Weißwürsten, treten sieben der zwölf Kalender-Models auf, die unter
1000 Bewerberinnen ausgewählt worden waren. Fesche Madeln allesamt, mit
einem Dirndl sauber ausstaffiert. Alles züchtig und jugendfrei. Ganz nach
der Vorgabe Raßhofers: Wir wollen schl-ießlich keine obszönen Sachen machen."
Um die Erotik in der Landwirtschaft" gehe es. Wer nackte Frauen sehen will,
der soll sich den Pirelli-Kalender kaufen."
Ach ja, für die
politischen Standpunkte der bayerischen Jungbauern interessiert sich an
diesem Vormittag übrigens niemand. |