|
Genf
(dpa) - Die mehrwöchige Arbeit der Schweizer
Sprengspezialisten hat sich gelohnt. Der Todesfelsen über der
Gott-hardautobahn ist verschwunden. 1,5 Tonnen Sprengstoff lösten am Freitag
bei strahlenden Sonnenschein einen ohrenbetäubenden Knall aus - dann
donnerten über 5000 Kubikmeter Gesteinsmassen zu Tal. Zuvor hatten
Hubschrauber mit Böllerschüssen das letzte Wild verjagt, rund 30 Einwohner
des Dorfes Gurtnellen wurden in Sicherheit gebracht.
Die alte
Tankstelle von Hans Stern wurde mit Betonplatten geschützt. Aber nichts
passierte. Die Sprengung in etwa 1400 Meter Höhe war so präzise vorbereitet
worden, dass es kaum riesige Gesteinsbrocken gab. Baudirektor Markus Züst
konnte seine Genugtuung kaum verbergen: Die Sprengung ist hervorragend
verlaufen - besser als erwartet." Das ganze sei eine Superleistung" gewesen.
Die auf 700 Meter
Höhe verlaufende Autobahn und auch die Kantonstraße wurden nicht weiter
beschädigt. Eine riesige Staubwolke nach sich ziehend, waren die
Gesteinsmassen kurz vor der Fahrbahn vom Schutzwald aufgefangen worden und
liegen geblieben. Allerdings hatten sie auf ihrem rasenden Weg nach unten
zum Teil Bäume wie Streichhölzer umgeknickt. Einige hundert Schaulustige
beobachteten das ganze Spektakel aus sicherer Entfernung
Von Sonnenaufgang
bis Sonnenuntergang hatte das Spreng-Team geschuftet, um die 88 Löcher
vorzubereiten, in die schließlich in den letzten Stunden die Sprengmasse
eingeführt wurde. Sie konnten nur angeschnallt arbeiten. Auf dem brüchigen
Felskopf selbst rangierte zeitweise ein Bagger, dessen Fahrer nicht
gesichert werden konnte. In der Nacht vor der Sprengung mussten sechs
Arbeiter in luftiger Höhe ausharren, weil der Hubschrauber, der sonst auf
ihren Bau-Containern landete, wegen Nebels nicht fliegen konnte.
Die Behörden
hatten sich zur Sprengung des überhängenden Felsens entschlossen, nachdem
auf der Gotthard-Autobahn Ende Mai das Auto eines deutschen Ehepaares von
einem Felsbrocken getroffen worden war. Beide starben. Danach hatte es
weitere Abbrüche gegeben, und die Strecke wurde gesperrt. Jetzt ist es mit
der Ruhe wieder vorbei", meinte eine Anwohnerin aus Gurtnellen am Freitag.
Während der vergangenen Wochen war die Autobahn weitgehend gesperrt gewesen,
nur Anlieger durften passieren. Man habe wieder die Vögel singen hören.
Wann die bis zu
50000 Autos, die in der Ferienzeit täglich den Gotthardtunnel nutzen, wieder
fahren dürfen, ist noch nicht ganz klar. Aber sie werden kommen, und dann
wird auch die Luft wieder schlecht", weiß die Anwohnerin. Erwartet werden
auch wieder die Lastwagen. Von den 1,3 Millionen, die jährlich durch die
Schweiz rollen, nutzt eine Million die Gotthardstrecke. |