30 June, 2008

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Schweizer Präzision bei der Sprengung des Todesfelsens am Gotthard

Arbeiter füllen Sprengstoff in die Bohrlöcher.

Genf (dpa) - Die mehrwöchige Arbeit der Schweizer Sprengspezialisten hat sich gelohnt. Der Todesfelsen über der Gott-hardautobahn ist verschwunden. 1,5 Tonnen Sprengstoff lösten am Freitag bei strahlenden Sonnenschein einen ohrenbetäubenden Knall aus - dann donnerten über 5000 Kubikmeter Gesteinsmassen zu Tal. Zuvor hatten Hubschrauber mit Böllerschüssen das letzte Wild verjagt, rund 30 Einwohner des Dorfes Gurtnellen wurden in Sicherheit gebracht.

Die alte Tankstelle von Hans Stern wurde mit Betonplatten geschützt. Aber nichts passierte. Die Sprengung in etwa 1400 Meter Höhe war so präzise vorbereitet worden, dass es kaum riesige Gesteinsbrocken gab. Baudirektor Markus Züst konnte seine Genugtuung kaum verbergen: Die Sprengung ist hervorragend verlaufen - besser als erwartet." Das ganze sei eine Superleistung" gewesen.

Die auf 700 Meter Höhe verlaufende Autobahn und auch die Kantonstraße wurden nicht weiter beschädigt. Eine riesige Staubwolke nach sich ziehend, waren die Gesteinsmassen kurz vor der Fahrbahn vom Schutzwald aufgefangen worden und liegen geblieben. Allerdings hatten sie auf ihrem rasenden Weg nach unten zum Teil Bäume wie Streichhölzer umgeknickt. Einige hundert Schaulustige beobachteten das ganze Spektakel aus sicherer Entfernung

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hatte das Spreng-Team geschuftet, um die 88 Löcher vorzubereiten, in die schließlich in den letzten Stunden die Sprengmasse eingeführt wurde. Sie konnten nur angeschnallt arbeiten. Auf dem brüchigen Felskopf selbst rangierte zeitweise ein Bagger, dessen Fahrer nicht gesichert werden konnte. In der Nacht vor der Sprengung mussten sechs Arbeiter in luftiger Höhe ausharren, weil der Hubschrauber, der sonst auf ihren Bau-Containern landete, wegen Nebels nicht fliegen konnte.

Die Behörden hatten sich zur Sprengung des überhängenden Felsens entschlossen, nachdem auf der Gotthard-Autobahn Ende Mai das Auto eines deutschen Ehepaares von einem Felsbrocken getroffen worden war. Beide starben. Danach hatte es weitere Abbrüche gegeben, und die Strecke wurde gesperrt. Jetzt ist es mit der Ruhe wieder vorbei", meinte eine Anwohnerin aus Gurtnellen am Freitag. Während der vergangenen Wochen war die Autobahn weitgehend gesperrt gewesen, nur Anlieger durften passieren. Man habe wieder die Vögel singen hören.

Wann die bis zu 50000 Autos, die in der Ferienzeit täglich den Gotthardtunnel nutzen, wieder fahren dürfen, ist noch nicht ganz klar. Aber sie werden kommen, und dann wird auch die Luft wieder schlecht", weiß die Anwohnerin. Erwartet werden auch wieder die Lastwagen. Von den 1,3 Millionen, die jährlich durch die Schweiz rollen, nutzt eine Million die Gotthardstrecke.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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