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Von
Esther Vaupel
London (dpa) - Im Londoner Hyde
Park sorgt ein futuristisch anmutendes Schiff aus Glas und Edelstahl für
staunende Gesichter.
Kinder winken Steuermann Peter Scott begeistert zu, als das Solarboot den
See Serpentine durchquert.
Scott unternimmt eine letzte Testfahrt, bevor er von jetzt an Touristen
transportiert. Idee und Konstruktion für das neue Schiff stammen aus
Deutschland: Entworfen hat es der Designer Christoph Behling (36),
hergestellt wurde es von einer Firma aus Sulz am Neckar. Kinder sind die
liebsten Fahrgäste von Christoph Behling und Bootsverleih-Inhaber Peter
Scott. Als schwimmendes Klassenzimmer soll das fast 15 Meter lange Boot
Mädchen und Jungen veranschaulichen, wie Solarenergie funktioniert. Sie
können dem Steuermann beim Manövrieren zusehen, den Weg der Stromkabel vom
Dach in die Batterien verfolgen und auf Monitoren sehen, wie viel Energie
das Schiff pro Minute produziert. Selbst bei englischem Herbstwetter reicht
die Sonnenstärke, um das Boot anzutreiben", erklärt Christoph Behling. Und
überschüssige Energie speisen wir ins Stromnetz ein."
Fünf Jahre lang haben Behling und Scott für die Umsetzung ihres Projektes im
Hyde Park gekämpft. Ähnliche Boote kreuzen schon seit einiger Zeit auf der
Hamburger Binnenalster, dem Bodensee und auf dem Maschsee in Hannover. Aber
in London eine Genehmigung zu bekommen, war sehr viel schwieriger", erzählt
Christoph Behling. Schließlich gehört der Park der Queen, und auch die
restliche gut betuchte Nachbarschaft ist sehr vorsichtig mit dem, was sie in
ihrem Garten akzeptiert." Der Designer ist hochzufrieden. Gut gelaunt sitzt
Behling, der sich vor kurzem mit der Firma Solarlab" auf weltweite
Solarprojekte spezialisiert hat, an Deck. Das ist mein Traumprojekt",
schwärmt der 36-Jährige. Das Boot passt einfach wunderbar hierher. Es macht
die Welt im Kleinen ein bisschen besser, weil es die Umwelt schont, und es
vereint Zukunftsvisionen und Natur, genau wie London selbst." Bluebird
Boats" hat für das Schiff umgerechnet 347000 Euro hingeblättert. Besitzer
Peter Scott ist sicher, dass es sich lohnt: Schon jetzt häufen sich die
Anfragen, wann das Boot endlich in See sticht." Und richtig: Kaum legt das
Solarboot am Steg an, ist es umringt von einem kleinen Grüppchen. Peter
Trowill, der in seiner Heimat Chichester selbst als Bootsbauer arbeitet,
bittet um einen Rundgang an Deck und staunt über die Technologie: Das Schiff
ist wirklich beeindruckend." Auch Hazel Marchbank und ihr Sohn Michael (14)
sind fasziniert. Schade, dass wir schon abreisen, bevor das Boot zum ersten
Mal fährt", bedauert Marchbank. Das Solar-boot wird ab jetzt jede halbe
Stunde vom im Norden gelegenen Bootshaus des Sees zum Diana-Brunnen am
anderen Ufer und wieder zurück fahren. Erwachsene zahlen umgerechnet 4,40
Euro, Kinder die Hälfte und Familien 11,70 Euro.
Christoph Behling freut sich auf die Eröffnung, hat aber auch schon neue
Pläne. Neben Anfragen aus Südafrika und Japan freut er sich besonders auf
ein weiteres Projekt in London: Ab 2008 soll ein Solarschiff für 300
Personen über die Themse fahren." |