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Annaberg-Buchholz (dpa) - Jeder
Fußtritt auf dem frisch verschneiten Weg knirscht.
Wie im Märchen sind die Tannen verzuckert", und die Kälte lässt die
Flussläufe zufrieren. Im Winter entfaltet das Erzgebirge seinen ganzen
Charme.
Besonders Familien mit Kindern schätzen die Idylle zwischen Annaberg-Buchholz,
Freiberg und Zwickau sowie die Aufgeschlossenheit und Gemütlichkeit seiner
Bewohner. Immer mehr Urlauber nutzen auch die Nähe zu Tschechien und testen
die 240 Kilometer lange Skimagistrale mit wechselndem Streckenverlauf auf
sächsischer und böhmischer Seite zum Skiwandern.
Die Bettenzahl im Erzgebirge verdoppelte sich seit 1990 auf mehr als 30 000.
Ob Abfahrt oder Langlauf, Anfänger oder Pistenprofi - die etwa 70 Skipisten,
1000 Kilometer gespurte Loipen und die Rodel- und Eisbahnen bieten viele
Möglichkeiten, sagt die Marketingleiterin des Tourismusverbandes Erzgebirge,
Jana Vierig. Immer mehr Zulauf haben Skitouren ohne Gepäck inmitten eines
der waldreichsten Naturparks Deutschlands. Auf den 600 bis 1200 Meter über
dem Meer liegenden Höhen des Erzgebirgskammes und seiner Ausläufer zwischen
Schöneck und Altenberg durchqueren die Urlauber in neun Etappen die Region.
Abends relaxen sie in den Thermen und Saunalandschaften der Urlaubsorte. Wer
Glück hat, trifft unterwegs vielleicht den aus Oberwiesenthal stammenden
Skispring-Olympiasieger und -Weltmeister Jens Weißflog oder die
Volksmusik-Gruppe De Randfichten" (Der Holzmichl").
Von der Kreativität der Einheimischen können sich die Gäste zum Beispiel bei
der Weltmeisterschaft im Arschleder-Wettruscheln" in Neudorf am 12. Februar
überzeugen. Das Lederteil hatten sich die Bergleute einst um die Hüfte
gebunden, wenn sie ins Bergwerk einfuhren, erklärt ein Mitglied des
veranstaltenden Skiverein Sehmatal. Heute dient es als Gaudi-Sportgerät zum
Wettrodeln: Es gewinnt, wer am schnellsten damit über einen verschneiten
Hang saust.
Abends laden Hotels und Pensionen zum Butzenabend". Einheimische führen ins
Klöppeln ein, geben einen Kurs in der lokalen Mundart und tischen
Spezialitäten der Region auf. Dazu zählt auch das so genannte Neunerlei (Neinerlaa"):
Das einstige Weihnachtsfestessen wird heute den ganzen Winter hindurch
angeboten, wobei sich die Zusammensetzung von Ort zu Ort unterscheidet.
Beliebt ist die Kombination aus Gänsebraten, Bratwurst, Linsen, Sellerie,
Rote Beete, Heringssalat, Brot und Salz sowie kalter Semmelmilch. Das
Erzgebirge war früher eine arme Gegend. Semmeln und Milch waren wie ein
Festschmaus, daran wird heute noch erinnert", erzählt Vierig. Und zum
Abschluss gehört einer der selbst gebrannten Liköre mit Kräutern aus dem
Wald.
Die rund 700 000 Menschen in dem etwa 300 Millionen Jahre alten
Mittelgebirge in der Grenzregion zwischen Sachsen und Böhmen sind stolz auf
ihre vom Bergbau geprägte Geschichte. Rund 20 Schaubergwerke sind in Betrieb
und bieten sich als Alternative zu einem Ausflug auf den Brettern an. Sie
erlauben entlang der touristischen Silberstraße die Einfahrt unter Tage und
lassen die Geschichte von Silber-, Steinkohle- und Uranbergbau hautnah
erleben.
Kulturinteressierte kommen in rund 100 Museen vom Adam-Riese-Museum in
Annaberg-Buchholz, dem einzigen deutschen Strumpfmuseum in Gelenau bis zum
Ersten Nussknacker-Museum Europas in Neuhausen und dem Frohnauer Hammer auf
ihre Kosten. Der 1904 stillgelegte Eisenhammer, der zuvor als Silber- und
Kupferhammer verwendet wurde, wurde 1436 erstmals erwähnt und demonstriert
Besuchern heute die alte Technik.
Und auch wenn in anderen Teilen Deutschlands die Weihnachtsdekoration längst
wieder auf dem Dachboden oder im Keller verstaut ist, schmückt sie in den
Kunsthandwerkszentren von Seiffen und Schneeberg mit seiner achteckigen
Bergkirche die Fenster. Das ganze Jahr arbeiten die Bewohner an
Räuchermännchen und Schwibb-bögen - und lassen sich von Touristen gerne über
die Schulter schauen.
Informationen: Tourismusverband Erzgebirge, Adam-Riese-Straße 6, 09456
Annaberg-Buchholz Internet: www.tourismus-erzgebirge.de |