30 June, 2008

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Mit den Skiern durch den Wald:  Skitouren werden immer beliebter

Vom Alm-Öhi zum Massentourismus

München/Stuttgart (dpa) - Es geht bergauf. Vor allem mit den Skiern. Statt gemütlich im Lift nach oben zu fahren, bezwingen immer mehr Menschen den Berg mit eigener Leibeskraft: Sie gehen auf Skitour.

Was früher etwas für Bergfexe und Alm-Öhis war, hat sich zum angesagten Breitensport entwickelt. Hersteller von Tourenski und Zubehör reiben sich die Hände und basteln an einem neuen Image. Naturschützern ist der Boom allerdings ein Dorn im Auge. Und auch die Bergwacht muss öfter ausrücken.

Der Tourenbereich hat in den letzten Jahren enorm zugelegt", sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Die Strecken im Gelände seien zum Teil bereits so eingefahren wie präparierte Pisten. Und auch auf den gewalzten Pisten liefen die Menschen in Scharen mit Fellen unter den Skiern nach oben. Das geht vom Banker, der es cool findet, bis zum Senioren." Schwerpunkt sind dabei die Alpen in Bayern, Österreich und der Schweiz. Sogar eine Weltmeisterschaft im Skibergsteigen gibt es mittlerweile.

Auch in der Branche geht es aufwärts. Fischer Ski verzeichnet nach eigenen Angaben ein jährliches Marktwachstum im Touren-segment um rund fünf Prozent. Die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Wir stecken da jetzt viel Entwicklungsarbeit rein", sagt eine Firmensprecherin.

Der Komplettanbieter für Tourengeher, Dynafit, sponsert unter dem Motto Speed Up" junge Sportler, die in Rekordgeschwindigkeit Berge mit Skiern nach oben laufen. In den vergangenen drei Jahren hat sich unser Umsatz verdoppelt", erzählt Marken-Manager Reiner Gerstner. Und während es vor vier Jahren fünf Skimodelle im Sortiment gab, seien es heute 14. Der Münchner Hersteller von Lawinensuchgeräten, Ortovox, spricht von einem Marktwachstum von 20 Prozent. Der Trend ist selbst für einen Blinden ersichtlich", sagt Ortovox-Sprecher Christian Schneidermeier.

Gründe für den Boom gibt es viele: Das Material wird immer besser", sagt Winter. Mit den neuen Skiern könnten auch Einsteiger besser im Tiefschnee fahren. Zudem sind Vielen die Pisten zu voll und der Skipass zu teuer. Die Menschen zieht es zurück in die Natur.

Doch die neue Naturliebe bringt neue Probleme: Die Tourengeher stöbern jetzt auch den letzten Winkel auf, wo Wildtiere ihre Ruhe haben", klagt Christine Margraf, Alpenreferentin beim Natur-schutzbund BUND. Vor allem in einem harten Winter wie diesem ende das Aufschrecken für viele Tiere im Tod: Es gibt extrem wenig Nahrung - jeder Energieverbrauch kann dann tödlich sein."

Deshalb markiert der Alpenverein seit etwa vier Jahren vom Allgäu bis nach Berchtesgaden Schutzgebiete im Wald mit Schildern. Die Massen müssen gelenkt werden:"Mittlerweile gibt es Parkplatz- und Toilettenmangel in den beliebten Tourengebieten", erzählt Winter.

Die Bergwacht zählt unterdessen mehr Unfälle. Die Unfallzahl steigt logischerweise mit der Menge der Sportler", sagt Thomas Griesbeck von der Bayerischen Bergwacht. Grund dafür sei aber nicht zunehmender Leichtsinn der Tourengeher. Die Einsätze seien vielmehr von Faktoren wie Wetter oder Schneelage abhängig.

Dennoch: Im Jahr 2004 hatten die Retter in Bayern noch 41 Einsätze bei Tourengehern und 2 Lawinenbergungen - ein Jahr später waren es schon 60 Einsätze und 10 Bergungen. Bei der Touren-Weltmeisterschaft im italienischen Cuneo waren 30 junge Sportler am 3. März von Schneebrettern verschüttet worden, schwer verletzt wurde aber niemand.

Die Pistenbetreiber ärgern sich derweil über die Tourengeher auf ihren Abfahrten - die sogar nachts unterwegs sind - und bangen um den Zustand der Pisten. Erste Folge: Im österreichischen Gerlitzen müssen Tourengeher seit Kurzem fünf Euro für das Pistenbetreten zahlen.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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