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München/Stuttgart (dpa) - Es geht
bergauf. Vor allem mit den Skiern. Statt gemütlich im Lift nach oben zu
fahren, bezwingen immer mehr Menschen den Berg mit eigener Leibeskraft: Sie
gehen auf Skitour.
Was früher etwas für Bergfexe und Alm-Öhis war, hat sich zum angesagten
Breitensport entwickelt. Hersteller von Tourenski und Zubehör reiben sich
die Hände und basteln an einem neuen Image. Naturschützern ist der Boom
allerdings ein Dorn im Auge. Und auch die Bergwacht muss öfter ausrücken.
Der Tourenbereich hat in den letzten Jahren enorm zugelegt", sagt Stefan
Winter vom Deutschen Alpenverein. Die Strecken im Gelände seien zum Teil
bereits so eingefahren wie präparierte Pisten. Und auch auf den gewalzten
Pisten liefen die Menschen in Scharen mit Fellen unter den Skiern nach oben.
Das geht vom Banker, der es cool findet, bis zum Senioren." Schwerpunkt sind
dabei die Alpen in Bayern, Österreich und der Schweiz. Sogar eine
Weltmeisterschaft im Skibergsteigen gibt es mittlerweile.
Auch in der Branche geht es aufwärts. Fischer Ski verzeichnet nach eigenen
Angaben ein jährliches Marktwachstum im Touren-segment um rund fünf Prozent.
Die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Wir stecken da jetzt viel
Entwicklungsarbeit rein", sagt eine Firmensprecherin.
Der Komplettanbieter für Tourengeher, Dynafit, sponsert unter dem Motto
Speed Up" junge Sportler, die in Rekordgeschwindigkeit Berge mit Skiern nach
oben laufen. In den vergangenen drei Jahren hat sich unser Umsatz verdoppelt",
erzählt Marken-Manager Reiner Gerstner. Und während es vor vier Jahren fünf
Skimodelle im Sortiment gab, seien es heute 14. Der Münchner Hersteller von
Lawinensuchgeräten, Ortovox, spricht von einem Marktwachstum von 20 Prozent.
Der Trend ist selbst für einen Blinden ersichtlich", sagt Ortovox-Sprecher
Christian Schneidermeier.
Gründe für den Boom gibt es viele: Das Material wird immer besser", sagt
Winter. Mit den neuen Skiern könnten auch Einsteiger besser im Tiefschnee
fahren. Zudem sind Vielen die Pisten zu voll und der Skipass zu teuer. Die
Menschen zieht es zurück in die Natur.
Doch die neue Naturliebe bringt neue Probleme: Die Tourengeher stöbern jetzt
auch den letzten Winkel auf, wo Wildtiere ihre Ruhe haben", klagt Christine
Margraf, Alpenreferentin beim Natur-schutzbund BUND. Vor allem in einem
harten Winter wie diesem ende das Aufschrecken für viele Tiere im Tod: Es
gibt extrem wenig Nahrung - jeder Energieverbrauch kann dann tödlich sein."
Deshalb markiert der Alpenverein seit etwa vier Jahren vom Allgäu bis nach
Berchtesgaden Schutzgebiete im Wald mit Schildern. Die Massen müssen gelenkt
werden:"Mittlerweile gibt es Parkplatz- und Toilettenmangel in den beliebten
Tourengebieten", erzählt Winter.
Die Bergwacht zählt unterdessen mehr Unfälle. Die Unfallzahl steigt
logischerweise mit der Menge der Sportler", sagt Thomas Griesbeck von der
Bayerischen Bergwacht. Grund dafür sei aber nicht zunehmender Leichtsinn der
Tourengeher. Die Einsätze seien vielmehr von Faktoren wie Wetter oder
Schneelage abhängig.
Dennoch: Im Jahr 2004 hatten die Retter in Bayern noch 41 Einsätze bei
Tourengehern und 2 Lawinenbergungen - ein Jahr später waren es schon 60
Einsätze und 10 Bergungen. Bei der Touren-Weltmeisterschaft im italienischen
Cuneo waren 30 junge Sportler am 3. März von Schneebrettern verschüttet
worden, schwer verletzt wurde aber niemand.
Die Pistenbetreiber ärgern sich derweil über die Tourengeher auf ihren
Abfahrten - die sogar nachts unterwegs sind - und bangen um den Zustand der
Pisten. Erste Folge: Im österreichischen Gerlitzen müssen Tourengeher seit
Kurzem fünf Euro für das Pistenbetreten zahlen. |