30 June, 2008

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Segeln - den Wind um die Nase

Das Manövrieren großer Boote kann anstrengend sein. (Bild: Luv und Lee/dpa/gms)

Bonn (dpa) - Ein freundlicher Wind, Sonnenschein und der Blick auf das freie Meer: Beim Segeln sind Alltagssorgen schnell vergessen.

Wenn das Boot angetrieben von der natürlichen Kraft des Windes über das Wasser rauscht, ist Zeit durchzuatmen und zu entspannen. Kein Wunder, dass Segeln zu den beliebtesten Wassersportarten gehört - auch bei Senioren. So schön die Fahrt aufs Meer auch ist, spätestens an Land wird besonders älteren Segelsportlern allerdings deutlich, wie anstrengend ein Törn sein kann.

Auf den ersten Blick erscheint der Segelsport sehr moderat: Doch die motorischen Anforderungen sind teilweise sehr hoch", sagt Prof. Burkhard Weisser, Sportmediziner an der Universität Kiel. Dies bestätigt auch die Studie Seniorensegeln" des Instituts für Boots-Tourismus in Bonn. Bei einer Langzeitmessung der Herz-Kreislaufwerte von Fahrtenseglern im Seniorenalter wurden Spitzenwerte von bis zu 135 Schlägen pro Minute gemessen.

Zu den Spitzenbelastungen gehören das Manövrieren großer Boote unter Motor im Hafen oder in der Schleuse sowie die Arbeit mit Segel, Leinen und Schoten", erklärt Diplom-Ingenieur Wolf-Dieter Mell, Leiter der Studie. Wegen dieser Anstrengungen verabschiedeten sich viele ältere Segler ab 70 Jahren von ihrem Sport. Dabei könnten gesunde Senioren mit durchschnittlicher Fitness bis ins hohe Alter sicher segeln." So seien die Belastungswerte zwar ein Indiz für körperliche Anstrengungen, doch ähnlich hohe Werte wurden auch bei Tätigkeiten wie Staubsaugen, Rad fahren und Walking gemessen.

Die Grundlage für das Segeln liegt nicht im Alter, sondern in der körperlichen Fitness", sagt Sportmediziner Weisser. Besonders für Segler sei eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining ratsam. Rumpf, Rücken, Schulter- und Brustbereich sollten gezielt trainiert werden." Regelmäßiger Sport in Form von Fahrrad fahren, schwimmen oder spazieren gehen, erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit und senkt dauerhaft das Herzfrequenzniveau. Allein die Muskelleistung kann durch systematisches Training um 20 bis 40 Prozent verbessert und damit auf das Niveau 20 bis 30 Jahre jüngerer, untrainierter Personen gebracht werden", so Mell.

Doch nicht nur die Vorbereitungen, sondern auch das Segeln selbst stärkt den Körper und fördert die Kondition. Die frische Luft und die Sonne wirken positiv auf das Immunsystem, der Körper wird abgehärtet, die gesamte Muskulatur ist in Bewegung. Segeln stärkt zudem den Gleichgewichtssinns und verbessert die Koordination des Bewegungsapparates. Ein Gewinn, der sich auch im Alltag spüren lässt", so der Sportmediziner.

Dass Segeln auch im Alter nicht an Reiz verliert, erlebt Wolfgang Valentin, Leiter der Hanseatischen Yachtschule in Glücksburg: Unsere Segelkurse für Senioren werden sehr gut besucht." In der Gruppe und unter fachlicher Anleitung lernen Senioren Schritt für Schritt die Kunst des Segelns. Nautische Vorsicht ist dabei selbstverständlich: Dank moderner Wetterdienste lassen sich sichere Voraussagen für viele Stunden treffen", sagt Valentin.

Wenn man die entsprechende Routine hat, dann ist Fahrtensegeln wie Auto fahren", sagt Diplom-Ingenieur Mell und verweist auf die hohe Anzahl 80-Jähriger, die sich noch problemlos mit ihrem Fahrzeug in den Straßenverkehr begeben.

Doch bevor der nächste Segeltörn geplant und angetreten wird, sollten Senioren auf Nummer sicher gehen und sich sportmedizinisch untersuchen lassen, rät Prof. Weisser: Mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen ist von Bluthochdruck und Herzproblemen betroffen - oft ohne es selbst zu bemerken." Auch chronische Leiden am Bewegungsapparat dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Wer körperlich eingeschränkt ist, sollte die Führung eines Segelbootes lieber anderen überlassen."

Die häufigste Todesursache beim Segeln ist das Ertrinken", warnt Weisser. Deshalb sollte an Bord immer eine Rettungsweste getragen werden. Senioren sollten zudem darauf achten, einseitige körperliche Haltungen zu vermeiden. So können Verspannungen und Zerrungen im Bewegungsapparat vorgebeugt werden. Entlastung könnten hier auch technische Erweiterungen für Fahrtenboote bringen, sagt Mell. Nachgedacht werde derzeit über Elektrowinschen mit Hol- und Fierfunktion und einem einhändig bedienbaren Steuerknüppel, mit dem sich Bug- und Heckstrahlruder sowie die Hauptmaschine gleichzeitig bedienen lassen.

Bettina Levecke

 

 

Last modified on:01/14/2008

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