30 June, 2008

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Auch in Zukunft ohne Frauen" - Die Schweizergarde wird 500 Jahre alt

Neue Rekruten der Schweizergarde legen im San Damaso-Hof im Vatikan ihren Eid ab . 2006 feiert die Garde ihr 500-jähriges Bestehen - am 22. Januar 1506 waren die ersten Schweizer Söldner in Rom eingezogen

Rom (dpa) - Wenn sich Touristen in Rom dem Petersdom nähern und zum ersten Mal die jungen Männer in den bunten Uniformen sehen, ihre aufgerichteten Hellebarden und ihren entschlossenen Blick, dann beschleicht die Besucher mitunter eine Frage: Warum heißen die Männer, die den Vatikan bewachen, eigentlich Schweizergarde? Die Antwort ist verblüffend einfach: Weil sie alle aus der Schweiz kommen. Aber warum ausgerechnet aus der Schweiz?

Es war vor genau 500 Jahren, bewegte Zeiten damals in Rom, Papst Julius II. lag politisch mit Venedig, den Franzosen und Spaniern im Clinch. Militärischer Schutz musste her, und da er angesichts der Ränkespiele im heimischen Rom eigenen Landsleuten nicht viel Vertrauen schenkte, schaute sich der Papst im Ausland um. Schweizer Männer wiederum hatten sich seinerzeit in Europa als verlässliche Söldner einen Namen gemacht.

200 Fußknechte" von den geliebten Söhnen Oberalemanniens" forderte der Papst an, angeheuert wurden sie in Luzern und Zürich. Die Männer zogen zu Fuß über den Gotthardpass und marschierten am 22. Januar 1506 in Rom ein. Dort wurden sie neu eingekleidet, bekamen rasch den päpstlichen Segen und zogen noch am Abend in ihre Kaserne ein - kurz und prosaisch war der Amtsantritt. Am kommenden Sonntag feiert der Vatikan das Jubiläum mit einer Messe in der Sixtinischen Kapelle.

Kleinste Armee der Welt" wird die Garde oft genannt. Stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit. 110 Gardisten auf 500 Staatsbürger des Vatikans, ein Soldat auf fünf Einwohner - nirgendwo sonst gibt es auch nur annähernd eine solch hohe Rate. In den USA kommen 1,4 Soldaten auf 288 Millionen Einwohner. Der Vatikan ein hochgerüsteter Staat? Auch nicht ganz richtig: Außer Pfefferspray, Karateausbildung und Handfeuerwaffen kann die Garde nur ihren Verteidigungswillen ins Feld führen.

Zeitweise wurde die Schweizergarde sogar von Deutschen ersetzt. Ein dunkles Kapitel, es begann mit der Plünderung Roms am 6. Mai 1527. Deutsche und spanische Landsknechte fielen in die Stadt ein, Papst Clemens VII. flüchtete in den Petersdom. Vor seinen Augen wurden die Garden niedergemetzelt. Ein Zeitzeuge: Da er das gesehen, ist er bald von der mess geflohen und eilends durch ain haimliche thur und beschlossenen gang gestigen, und so schnell gelaufen dass ihm der schwaiss ausgegangen." Danach wurde eine deutsche Leibwache eingesetzt, die aber nicht sehr lange bestand. 1542 übernahmen wieder Schweizer den Job. Das traumatische Datum 6. Mai wird aber noch heute alljährlich begangen.

Heute schieben die Gardisten an den Eingängen zum Kirchenstaat Wache, wohl kaum besonders spannend. Immer häufiger aber patrouillieren ganz normale Carabinieri auf dem Petersplatz - in Zeiten des Terrorismus ist der Schutz des Vatikans ohne weltliche" Sicherheitskräfte gar nicht zu schaffen.

Doch die Garde als reine Staffage, als Operettenarmee, das wäre dem Kommandanten Elmar Theodor Mäder ein Dorn im Auge. Unter der Hand hieß es unlängst, der ehrgeizige Kommandant fordere mehr Kompetenzen für seine Mannen. Wenn der neue deutsche Papst in Rom unter die Leute gehe oder in den Ferien in den Alpen flaniere, übernehme immer öfter die staatliche Polizei die Führung in Sicherheitsfragen, klagte er.

Unvergessen ist die Nacht zum 4. Mai 1998: Ein blutjunger Gardist stieg die Stufen zur Wohnung seines Kommandanten Alois Estermann empor, zückte seine Dienstpistole und schoss den verhassten Chef nieder. Dann zielte er auf dessen Frau und brachte am Ende sich selbst mit einem Schuss in den Mund um. Doppelmord im Vatikan - niemand hätte gedacht, dass es nach den Giftmorden im Mittelalter jemals wieder solche blutigen Abgründe" im Kirchenstaat geben würde. Liebe war nicht im Spiel, auch keine Eifersucht", versuchte der Vatikansprecher eiligst sprießende Spekulationen einzudämmen - natürlich erfolglos. Die offizielle Version heißt: Der junge Gardist sei einer Attacke des Wahnsinns" verfallen.

Doch seitdem gab es Reformen: Bei Rekruten wird auf die Psyche geachtet, hitzige Typen und Draufgänger will man nicht. Die Gardisten müssen überdies Schweizer Staatsbürger sein, katholisch und mindestens 1,74 Meter groß. Amtssprache ist Deutsch. Inzwischen gibt es aber sogar den ersten dunkelhäutigen Gardisten, einen bildschönen jungen Mann, der aus Indien stammt - adoptiert von einem Schweizer Ehepaar. Nur bei einem kennt Kommandeur Mäder kein Pardon: Frauen in seiner Truppe will er nicht. Die Männer sind jung, sie wohnen in der Kaserne, da ist es ziemlich eng. Da will ich keine Probleme haben."

 

 

Last modified on:01/14/2008

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