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Suzuka
(dpa) - Michael Schumachers Traum vom achten WM-Titel
und dem krönenden Abschluss seiner einzigartigen Karriere hat sich in Rauch
aufgelöst. Nach dem vorzeitigen K.o. beim Großen Preis von Japan wegen eines
geplatzten Motors nach 37 Runden warf der Rekordweltmeister das Handtuch im
nunmehr 17 Runden währenden Kampf mit Titelverteidiger Fernando Alonso. Der
Funke Hoffnung, der noch bleibt, auf den baue ich nicht. Es sollte einfach
nicht sein", sagte der Formel-1-Rekordchampion nach seinem vorletzten Rennen.
Während Schumacher
noch Kraft fand, seine völlig niedergeschlagenen Ferrari-Crew zu trösten,
schickte Renault-Rivale Alonso nach seinem überraschenden Sieg am Sonntag
ein Dankeschön in den blauen Himmel von Suzuka: Diese zehn Punkte sind ein
kleines Geschenk, das Gott uns gegeben hat."
Nur noch ein
Formel-1-Wunder hilft dem Kerpener, um in Brasilien am 22. Oktober doch noch
ein Happyend zu erleben. Sein letztes Karriererennen muss er gewinnen und
Alonso müsste ohne Punkt bleiben - nur dann stößt Schumacher den Spanier
noch vom WM-Thron. Das ist nicht meine Rechenweise", sagte Schumacher
realistisch. Im Großen und Ganzen" könne Alonso auf dem Kurs in Interlagos,
wo der Spanier auch im Vorjahr seinen ersten Titelgewinn perfekt gemacht
hatte, spazieren fahren", meinte der Deutsche. Es ist ein Gefühl großer
Enttäuschung", sagte Teamchef Jean Todt nach dem bitteren Aus seines
Freundes und Star-Fahrers. Renningenieur Chris Dyer, dem Schumacher vor
einer Woche nach dem Sieg in Schanghai noch überglücklich in die Arme
gefallen war, meinte: Jeder von uns ist am Boden zerstört."
Alles hatte in
Suzuka auf einen souveränen Schumacher-Sieg vor Alonso und damit auf den
großen Showdown beim 250. und letzten Grand Prix des Rennrentners in spe
hingedeutet. Ich wusste zu Beginn des Rennens, dass wir nicht so gut drauf
waren", sagte Alonso. Zwischenzeitlich sei er mit dem dritten Platz, den er
nach seinen Überholmanövern gegen die beiden Toyota-Piloten Jarno Trulli und
Ralf Schumacher erobert hatte, schon zufrieden gewesen.
Doch dann gab es
Rauchzeichen bei Schumachers Ferrari: Ich konnte es nicht glauben, als ich
es sah. Als ich realisiert habe, dass es Michael war, habe ich die Faust
gemacht. Ich wusste: Das ist meine Chance", erklärte Alonso, der nach seinem
siebten Saisonerfolg und dem ersten Sieg seit drei Monaten mit insgesamt 126
Punkten nun zehn Zähler Vorsprung auf Schumacher hat. Zudem winkt dem Team,
das unter der Woche noch heftige Verbalattacken von Alonso zu verkraften
hatte, erneut der Konstrukteurs-Titel. Nach 17 von 18 Rennen führen die
Franzosen (195) mit neun Punkten vor der Scuderia (186). Da gibt es noch
Möglichkeiten, sich zu verbessern", meinte Schumacher in der Hoffnung,
Ferrari wenigstens noch einen Titel zum Abschied schenken zu können.
Alonso bremste die
Euphorie. Dasselbe kann uns in Brasilien passieren. Wir müssen uns maximal
konzentrieren", forderte der 25- Jährige vor seinem letzten Rennen für
Renault, ehe er in der kommenden Saison im McLaren-Mercedes sitzen wird. Wir
haben heute Glück gehabt, das Schicksal war uns wohl gesonnen. Nach dem, was
in den letzten Wochen alles passiert ist, können wir uns des WM-Titels aber
noch nicht sicher sein", betonte auch Technik-Direktor Pat Symonds. Es gibt
irgendwo noch einen Gott", freute sich Teamchef Flavio Briatore, der in
dieser Saison immer wieder von Verschwörungstheorien gegen Renault sprach.
Schumacher wollte
dagegen weder mit dem Schicksal noch mit seinem Team hadern. Mit Sicherheit
sei es nicht einer der bittersten Momente seiner Karriere. Wir haben eine
Meisterschaft zum Leben gebracht, die schon entschieden schien. Wir dürfen
stolz sein", sagte er und erinnerte daran, dass er bis zum Rennen in Japan
einen 25-Punkte- Rückstand auf Alonso aufgeholt hatte. In den vergangenen
Jahren hatte er zur richtigen Zeit dann doch ein Quäntchen Glück gehabt.
Vielleicht gelingt es ihm ja noch. Das wäre natürlich schön", machte Ralf
Schumacher, der im Toyota als Siebter bester deutscher Starter direkt vor
Nick Heidfeld im BMW war, seinem Bruder noch Mut, ehe der am frühen Abend in
den Privatflieger Richtung Schweiz stieg.
Dort will er sich
bis Dienstagabend erholen und Kraft bei der Familie tanken, ehe er zu
zweitägigen Testfahrten nach Jerez reist. Verarbeiten muss Schumacher den
K.o. in der 17. von 18 WM- Runden nach eigener Aussage aber nicht mehr: Ich
habe das schon verdaut. Ich weiß, dass es danach keine Möglichkeit mehr für
mich gibt. Die Welt geht nicht unter."
Dafür dürfte der
Stern seines Nachfolgers Alonso weiter aufgehen. In einem lange
ereignislosen Rennen raste der jüngste Weltmeister nach 307,573 Kilometern
als Erster über die Ziellinie. Nach 1:23:53,413 Stunden hatte der Spanier
16,151 Sekunden Vorsprung auf Schumachers Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien).
Dritter wurde der Italiener Giancarlo Fisichella im zweiten Renault. |