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Monza
(dpa) - Michael Schumacher wird seine beispiellose Formel-1- Laufbahn nach
16 Jahren beenden und hat nach seiner Triumph-Fahrt und der Nullnummer
seines Rivalen Fernando Alonso in Monza wieder allerbeste Chancen, als
achtmaliger Weltmeister abzutreten. Irgendwann kommt der Punkt, wo alles zu
Ende sein wird. Ende des Jahres werde ich meine Karriere beenden", sagte der
Ferrari-Star unmittelbar nach seinem 90. Sieg, mit dem er den Rückstand auf
den Spanier auf zwei Punkte verkürzte. Um exakt 15.37 Uhr lüftete Schumi"
sein Geheimnis. Wenig später nannte der 37-Jährige auch den Grund für den
baldigen Abschied: Ich habe nicht mehr die Energie und Kraft gesehen, um in
Zukunft vorne mitzufahren. Ich habe mich selbst in Frage gestellt. Deswegen
habe ich diese Entscheidung getroffen."
Michael wird bei
der Ferrari-Familie bleiben", sagte wenig später sein Teamchef Jean Todt.
Wir werden dies Ende des Jahres bekannt geben", erklärte sein Manager Willi
Weber. Schumacher selbst kündigte den ganz großen Abschied an: Ich hoffe,
ich werde auf dem Höhepunkt aufhören, denn der Meistertitel ist in greifbare
Nähe gerückt."
Mit dem sechsten
Saison-Erfolg vor seinem Ferrari-Nachfolger Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes
und dem Polen Robert Kubica im BMW verkürzte der 37 Jahre alte
Ausnahme-Rennfahrer den Rückstand in der Fahrerwertung auf WM-Spitzenreiter
Alonso vor den letzten drei Rennen des Jahres auf 106:108 Punkte. Wir sind
trotzdem WM-Favorit", sagte der Spanier trotzig. Alonso war beim Großen
Preis von Italien nach einer angeblichen Qualifikations-Blockade zunächst
strafversetzt worden und musste einen Tag später seinen Renault kurz vor dem
Ziel mit rauchendem Motor abstellen. Das Rennen wurde am Samstag entschieden.
Einige Leute werden sich über das Ergebnis freuen. Hoffentlich werden sie
ruhig schlafen", schimpfte Alonso.
In unnachahmlicher
Manier nutzte Schumacher im Königlichen Park" die Gunst der Stunde und raste
beim Ferrari-Heim-Grand-Prix in seinem 247. Formel-1-Rennen zu dem für ihn
enorm wichtigen Sieg. Sein Nachfolger bei der Scuderia wird der Räikkönen
werden, der in seinem McLaren-Mercedes Schumacher auf der
Hochgeschwindigkeitsstrecke die Pole-Position von der Nase weggeschnappt
hatte und bei der Scuderia einen Vertrag bis zum Jahr 2009 erhält.
Nick Heidfeld im
BMW wurde in der Boxengasse mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt und
vergab nach einer Durchfahrtsstrafe eine bessere Platzierung, rettete als
Achter aber immerhin noch einen Punkt. Sein Teamkollege Kubica machte es
besser und schaffte als Dritter als erster Pole eine Podiumsplatzierung in
der Formel 1. Ralf Schumacher im Toyota kam auf Platz 15. Einmal mehr im
Pech war der Wiesbadener Nico Rosberg, der seinen Williams nach zehn Runden
ebenfalls mit einem Defekt abstellen musste.
Bald neun Monate
benötigte Schumacher, ehe er dem Finnen den Weg freimachte, mit sich selbst
im Reinen war und seinen Abschied dann am 10. September öffentlich machte.
Es war eine schwere Entscheidung", sagte Schumacher. Nun kann er völlig
losgelöst auftrumpfen bei den letzten drei Rennen in China, Japan und
Brasilien. Jetzt sind wir wieder da", meinte er. Am 22. Oktober in Sao Paulo
könnte der Rekordweltmeister den zuletzt schwächelnden Alonso entthronen und
als Champion in den verdienten Ruhestand fahren.
Kompromisslos,
besessen, perfektionistisch nennen ihn Teamkollegen und Konkurrenten. Länger
als jeder andere Fahrer vor ihm hat der in der Schweiz lebende Familienvater
die Formel 1 geprägt und bestimmt. Seine Dominanz mit bisher sieben WM-Titeln
und beinahe allen wichtigen Rekorden hat aber auch Distanz geschaffen.
Als Schumacher
1996 nach zwei WM-Titeln für Benetton zu Ferrari wechselte, lebte Ferrari
nur noch vom Glanz der Vergangenheit. Mit dem Teamchef und väterlichen
Freund Todt sowie dem Technischen Direktor und Strategie-Genie Ross Brawn
brachte er die Marke mit dem Pferd wieder auf Trab.
Ich gehe davon aus,
dass es eine sehr endgültige Entscheidung ist", sagte BMW-Motorsport-Direktor
Mario Theissen. Sein Mercedes- Kollege Norbert Haug stellte fest: Ich bin
schon ein bisschen traurig. Was er geleistet hat, ist sicherlich einmalig.
Ab morgen fangen sicherlich die Gerüchte an, wann er sein Comeback geben
wird."
Es ist immer
schade, wenn so eine große Persönlichkeit abtritt. Nicht nur für den
deutschen Sport, sondern auch den gesamten Motorsport. Er ist der
erfolgreichste Fahrer aller Zeiten", sagte Franz Beckenbauer.
Fußball-Bundestrainer Joachim Löw stellte fest: Michael Schumacher war die
Sport-Persönlichkeit der letzten zehn Jahre. Durch seinen Rücktritt entsteht
ein großes Loch." Auch Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen
Sportbundes, bedauert den Abschied: Damit geht eine der ganz großen
Sportler-Karrieren zu Ende."
Die rund 100000
Tifosi wussten um den historischen Augenblick, feierten Schumacher im
Autodromo di Monza" überschwänglich. Bei seinem letzten Rennen in Europa
zeigte der 37-Jährige auf den 53 Runden eine Galavorstellung, während Alonso
nach einer umstrittenen Blockade in der Qualifikation gegen Schumachers
Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien) nach einem Ferrari-Protest per
Strafversetzung schon vor dem Start an Boden verloren hatte, ehe es noch
schlimmer für ihn kam.
Alonso war schon
wenige Stunden vor dem Rennen verärgert gewesen über seine Strafver-setzung
von Startplatz fünf auf Rang zehn. Ich bin Sportler. Aber ich betrachte die
Formel 1nicht mehr als Sport", sagte er. FIA-Präsident Max Mosley konterte:
Sportler reden immer Unsinn, wenn sie emotionsgeladen sind." In der
Markenwertung ist Ferrari schon an Renault vorbeigezogen, in der
Fahrerwertung könnte Schumi" seinen Titel-Rivalen nun schon im nächsten
Rennen überholen. |