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Phnom
Penh (dpa) - Wie in vielen Metropolen Asiens gibt
es auch in Phnom Penh ein deutsches Lokal, das Sülze, Sauerkraut und
Blutwurst auftischt und ein Treffpunkt für Deutsche mit Heimweh ist.
Früher trank Ulrich Zdrzalek seinen Apfelwein und sein Bierchen gern mit
Blick auf den Main. Heute heißen die beiden Lieblingsflüsse des 62-Jährigen
Tonle Sap und Mekong. Die fließen etwa 13 Flugstunden von Frankfurt
entfernt in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh zusammen. Auch hier hat
Mister Ulli", wie er genannt wird, täglich einen faszinierenden Ausblick.
Vor seinem Restaurant mit Tischdecken im weiß-blauen Bayern-Dekor sieht er
auf dem Uferboulevard Fahrradrikschas und die knatternden Tuk-Tuk-Dreiräder.
Am späten Nachmittag trottet zwischen Touristen, Mönchen in safrangelben
Kutten und Mango-Verkäuferinnen auch Elefant Sambo" mit seinem Führer
gemächlich Richtung Schlafplatz, vorbei an bettelnden Kindern und Krüppeln.
Auf dem braunen Wasser gleiten Boote und Lastkähne vorüber.
Ulrich Zdrzalek ist ein Mann der vielen Orte und Berufe: Bäcker in
Offenbach, Paketzusteller am Frankfurter Flughafen, wo er auch ein Jahr in
der Cateringküche arbeitete, Feuerwehrmann in Frankfurt- Sachsenhausen,
Taxifahrer an Main und Rhein zwischen Hanau, Mainz und Wiesbaden, dann
Gastronom in Thailand. Seit über zehn Jahren lebt Zdrzalek, der als Kind von
Bösingfeld in Ostwestfalen-Lippe nach Hessen zog, in Kambodscha. Das Fernweh
hatte ihn vor 25 Jahren auf dem Frankfurter Flughafen gepackt. Ich sah jeden
Tag, die Menschen in die weite Welt fliegen, da wollte ich auch weg",
erzählt der kleine Mann mit dem vollen, grauen Haar.
Das Edelweiss" liegt einen Steinwurf von Königspalast, Museen und Buddha-Tempeln
entfernt. Einige der Tische stehen im Freien. Der Hesse arbeitet mit
Lebenspartnerin Chantha (45) und Stieftochter Map (16). Die zwei kochen
heute auch gut deutsch", stellt Zdrzalek zufrieden fest. Schnitzel mit
Bratkartoffeln, Hausmacherwurst und Gulasch sind im Edelweiss" gefragter als
kambodschanische Reisspezialitäten.
Aus deutscher Sicht sind die Preise für Essen und Trinken in Kambodscha
günstig, auch bei Mister Ulli". Das Bier gibt es ab 80 Cent, Nackensteak mit
Bohnen und Salat ab 3,50 Euro. Trotzdem können es sich nur wenige Khmer
leisten. Land- und Fabrikarbeiter verdienen oft kaum 2 Euro am Tag.
Tourismus und Wirtschaft erholen sich langsam in dem armen Land.
Die Folgen des grausamen Pol Pot Regimes mit über einer Million Toten lasten
noch lange auf Kambodscha. Wohlhabende Khmer und Touristen aus aller Welt
zählen ebenso zu den Gästen bei Mister Ulli" wie Fußballcoach Joachim
Fickert aus Dessau in Sachsen- Anhalt, der auch schon Kambodschas
Nationalelf trainiert hat. Der sagt: Hier kann ich ausspannen und treffe
Freunde." Und Rolf Lanzinger aus Singen in Baden-Würtemberg, der seit 14
Jahren am Mekong lebt und Hotels und Restaurants mit Bratwurst und
Räucherschinken aus eigener Herstellung beliefert, betont: Mir schmeckt es
hier, auch das Weizenbier."
Mister Ulli" sagt nicht ohne Stolz: Sülze, Sauerkraut, Blutwurst und anderes
fertige ich selber." Auf Wunsch kann er auch Grüne Soße zubereiten.
Reichtümer hat der gelernte Bäcker nicht erworben. Die Konkurrenz ist groß.
An der Kneipenmeile am Fluss gibt es gut 50 Cafés, Restaurants und Bars.
Doch in einigen Monaten läuft monatliche Hilfe aus Deutschland an, für die
ich viele Jahre hart gearbeitet habe", freut sich Zdrzalek. Er meint seine
Rente. Mister Ulli" kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Die Mutter starb
früh, der Vater arbeitete bei der Post. Zdrzacek junior: Schon als Kind
packte ich als jüngster von drei Brüdern kräftig an." Später kochte er für
Freunde und Verwandte.
Wie so viele Deutsche, die ausgewandert sind, hat Zrzalek keine
Krankenversicherung. Vor einigen Monaten wurde er schwer krank, musste in
die Herzklinik in Phnom Penh. Die 8000 Euro für Aufenthalt und Operation
in Deutschland hätte die Rechnung ein Vielfaches betragen hatte er nicht
parat, dafür gute Freunde. Die deutsche Kolonie" hat für mich Spenden
gesammelt." Die kamen auch von Botschaftsmitarbeitern und anderen Freunden
und Bekannten. Da bin ich sehr dankbar", sagt Zdrzalek.
Wer als Tourist ins Edelweiss" kommt oder vorher eine E-Mail schickt, der
erhält auch Tipps für preiswerte Hotels und Ausflüge. Das gehört zu meinem
Service", sagt der Mann am Mekong. Und wenn er mal Deutschland besucht? Dann
freue ich mich auf Verwandte und Freunde und meinen Apfelwein in einer
Gartenwirtschaft am Main." |