26 July, 2010

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Sauerkraut am Mekong

Mr. Ulli", Ulrich Zdrzalek (l, 62) sitzt in seinem Restaurant ,Edelweiss' in Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, seine Lebensgefährtin Chantha (45) serviert einem Stammgast Schnitzel mit Bratkartoffeln

Phnom Penh (dpa) - Wie in vielen Metropolen Asiens gibt es auch in Phnom Penh ein deutsches Lokal, das Sülze, Sauerkraut und Blutwurst auftischt und ein Treffpunkt für Deutsche mit Heimweh ist.

Früher trank Ulrich Zdrzalek seinen Apfelwein und sein Bierchen gern mit Blick auf den Main. Heute heißen die beiden Lieblingsflüsse des 62-Jährigen Tonle Sap und Mekong. Die fließen ­ etwa 13 Flugstunden von Frankfurt entfernt ­ in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh zusammen. Auch hier hat Mister Ulli", wie er genannt wird, täglich einen faszinierenden Ausblick.

Vor seinem Restaurant mit Tischdecken im weiß-blauen Bayern-Dekor sieht er auf dem Uferboulevard Fahrradrikschas und die knatternden Tuk-Tuk-Dreiräder. Am späten Nachmittag trottet zwischen Touristen, Mönchen in safrangelben Kutten und Mango-Verkäuferinnen auch Elefant Sambo" mit seinem Führer gemächlich Richtung Schlafplatz, vorbei an bettelnden Kindern und Krüppeln. Auf dem braunen Wasser gleiten Boote und Lastkähne vorüber.

Ulrich Zdrzalek ist ein Mann der vielen Orte und Berufe: Bäcker in Offenbach, Paketzusteller am Frankfurter Flughafen, wo er auch ein Jahr in der Cateringküche arbeitete, Feuerwehrmann in Frankfurt- Sachsenhausen, Taxifahrer an Main und Rhein zwischen Hanau, Mainz und Wiesbaden, dann Gastronom in Thailand. Seit über zehn Jahren lebt Zdrzalek, der als Kind von Bösingfeld in Ostwestfalen-Lippe nach Hessen zog, in Kambodscha. Das Fernweh hatte ihn vor 25 Jahren auf dem Frankfurter Flughafen gepackt. Ich sah jeden Tag, die Menschen in die weite Welt fliegen, da wollte ich auch weg", erzählt der kleine Mann mit dem vollen, grauen Haar.

Das Edelweiss" liegt einen Steinwurf von Königspalast, Museen und Buddha-Tempeln entfernt. Einige der Tische stehen im Freien. Der Hesse arbeitet mit Lebenspartnerin Chantha (45) und Stieftochter Map (16). Die zwei kochen heute auch gut deutsch", stellt Zdrzalek zufrieden fest. Schnitzel mit Bratkartoffeln, Hausmacherwurst und Gulasch sind im Edelweiss" gefragter als kambodschanische Reisspezialitäten.

Aus deutscher Sicht sind die Preise für Essen und Trinken in Kambodscha günstig, auch bei Mister Ulli". Das Bier gibt es ab 80 Cent, Nackensteak mit Bohnen und Salat ab 3,50 Euro. Trotzdem können es sich nur wenige Khmer leisten. Land- und Fabrikarbeiter verdienen oft kaum 2 Euro am Tag. Tourismus und Wirtschaft erholen sich langsam in dem armen Land.

Die Folgen des grausamen Pol Pot Regimes mit über einer Million Toten lasten noch lange auf Kambodscha. Wohlhabende Khmer und Touristen aus aller Welt zählen ebenso zu den Gästen bei Mister Ulli" wie Fußballcoach Joachim Fickert aus Dessau in Sachsen- Anhalt, der auch schon Kambodschas Nationalelf trainiert hat. Der sagt: Hier kann ich ausspannen und treffe Freunde." Und Rolf Lanzinger aus Singen in Baden-Würtemberg, der seit 14 Jahren am Mekong lebt und Hotels und Restaurants mit Bratwurst und Räucherschinken aus eigener Herstellung beliefert, betont: Mir schmeckt es hier, auch das Weizenbier."

Mister Ulli" sagt nicht ohne Stolz: Sülze, Sauerkraut, Blutwurst und anderes fertige ich selber." Auf Wunsch kann er auch Grüne Soße zubereiten. Reichtümer hat der gelernte Bäcker nicht erworben. Die Konkurrenz ist groß. An der Kneipenmeile am Fluss gibt es gut 50 Cafés, Restaurants und Bars. Doch in einigen Monaten läuft monatliche Hilfe aus Deutschland an, für die ich viele Jahre hart gearbeitet habe", freut sich Zdrzalek. Er meint seine Rente. Mister Ulli" kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Die Mutter starb früh, der Vater arbeitete bei der Post. Zdrzacek junior: Schon als Kind packte ich als jüngster von drei Brüdern kräftig an." Später kochte er für Freunde und Verwandte.

Wie so viele Deutsche, die ausgewandert sind, hat Zrzalek keine Krankenversicherung. Vor einigen Monaten wurde er schwer krank, musste in die Herzklinik in Phnom Penh. Die 8000 Euro für Aufenthalt und Operation ­ in Deutschland hätte die Rechnung ein Vielfaches betragen ­ hatte er nicht parat, dafür gute Freunde. Die deutsche Kolonie" hat für mich Spenden gesammelt." Die kamen auch von Botschaftsmitarbeitern und anderen Freunden und Bekannten. Da bin ich sehr dankbar", sagt Zdrzalek.

Wer als Tourist ins Edelweiss" kommt oder vorher eine E-Mail schickt, der erhält auch Tipps für preiswerte Hotels und Ausflüge. Das gehört zu meinem Service", sagt der Mann am Mekong. Und wenn er mal Deutschland besucht? Dann freue ich mich auf Verwandte und Freunde und meinen Apfelwein in einer Gartenwirtschaft am Main."

 

 

Last modified on:07/07/2008

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