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München
(dpa) - Nur noch 35 Sticker fehlen ihr zum Glück. Dann hat Brigitta Globke
ihr Panini-Album zur Fußballweltmeisterschaft 2006 voll. Knapp zwei Monate
lang sammelt die 23-jährige Medizinstudentin die Fußballsticker schon, klebt
sie in ihr Album und tauscht die Doppelten. Über 100 Stickerpäckchen hat sie
dafür gekauft.
Am meisten freue
ich mich immer darauf, die Tütchen aufzureißen, in meinem Album zu blättern
und zu hoffen, dass ich den Aufkleber noch nicht habe", sagt sie. Und wenn
ich jetzt in meinem fast vollen Album blättere und die Seiten schon ganz
schwer sind vor lauter Bildern, das ist ein herrliches Gefühl." Mit dem Heft
in der Hand, fertig gefüllt mit allen 597 Stickern, will die Studentin dann
die WM-Spiele anschauen. Wenn beispielsweise Ghana gegen Italien spielt,
kann ich die entsprechenden Seiten aufblättern, gucken wie die aussehen, die
da so spielen und noch schnell alles Wichtige nachlesen."
Dass Sticker zu
sammeln und zu tauschen längst nicht mehr nur etwas für Kinder ist, zeigt
sich etwa am Kiosk von Heinrich Lentner in München. Der 70-Jährige wundert
sich zwar über seine Kundschaft: Mindestens 70 Prozent der Leute, die bei
mir Sticker kaufen, sind Erwachsene." Mit den neuen Kunden macht Lentner
aber auch ein gutes Geschäft. Einen Euro kostet das Album, ein Päckchen mit
fünf Stickern bekommt man für 50 Cent. Im Durchschnitt kaufen die
Erwachsenen natürlich viel mehr Päckchen als die Kinder, meistens so um die
fünf."
Viele meiner
Freunde, die so alt wie ich oder älter sind, sammeln und tauschen auch",
bestätigt Globke. Wir haben auch schon gesammelt als wir klein waren, aber
wir haben uns das mitgenommen und es macht heute immer noch genauso viel
Spaß." Das merkt auch Hersteller Panini. Die italienische Firma, deren
deutsche Niederlassung im nordrhein-westfälischen Nettetal sitzt, ist von
dem Erfolg überwältigt.
Fast 100 Millionen
Sticker sind in Deutschland im Handel, dazu 4,5 Millionen Alben. Wir haben
uns natürlich einiges erhofft, aber dass das Sammelfieber in Deutschland
dermaßen grassieren würde, das hatten wir nicht gedacht", sagt
Marketingmanagerin Birgit Barner. Die 39- Jährige glaubt, der Gastgeber-Status
sei Grund. Maßgeblich ist wohl, dass die WM im eigenen Land stattfindet."
Besonders gefreut
hat sich Brigitta Globke über das Bild mit der Nummer 467, denn der
französische Mannschaftskapitän Zinédine Zidane ist ihr Lieblingsspieler.
Aber sie freute sich auch über die Schweden: Weil es so lange gedauert hat,
bis ich die vollständig hatte." Barner räumt dazu mit einem Gerücht auf. Es
gibt wirklich jeden Sticker gleich oft und auch gleich oft an jedem Ort",
versichert die Panini-Sprecherin. Egal ob man in Brasilien oder in
Deutschland Sticker kauft, man wird sich dieselben ins Album kleben." Globke
zweifelt dennoch: Mir kommt es schon so vor, also ob es die
Panini-Briefmarke mit der Nummer 0 hier ganz selten gibt und die Holländer
dafür extrem oft." Die niederländische Mannschaft hatte sie als erstes voll.
Wer gar zu viele
Niederländer hat, dem hilft Stefan Kuhn. Der 32- Jährige bekam trotz
Tauschens sein Album einfach nicht voll. Weil ich studierter Ökonom bin,
habe ich dann drüber nachgedacht, wie ich das Tauschen effizienter machen
könnte und spontan mit Freunden den Stickermanager programmiert." Das ist
eine Internetseite, in die man die Nummern seiner fehlenden Sticker eingibt.
Die Seite ermittelt den passenden Tauschpartner. Fast 4000 Benutzer haben
sich schon angemeldet, aus der ganzen Welt, aber hauptsächlich aus
Deutschland. Viele von den Benutzern schreiben mir, dass sie so endlich die
fehlenden Bilder bekommen haben", erzählt Kuhn. Ein Firmenchef habe ihm
sogar überschwänglich gedankt, weil seine Mitarbeiter dank meiner Seite
jetzt endlich wieder arbeiten". |