30 June, 2008

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Ein Königreich für einen Ballack - Deutschland tauscht Sammelbildchen

Ein Junge bietet Panini-Sammlerbildchen in München zum Tausch an Mit dem Näherkommen der Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft werden die bunten Bilder immer beliebter. Jeweils fünf der kleinen Bildchen, die Stadien, Mannschaften und Porträts der WM-Teilnehmer zeigen, sind bunt gemischt in einem Tütchen, das für 0,50 Euro verkauft wird. Die Panini-Bildchen können in ein Sammelalbum eingeklebt und untereinander getauscht werden.

München (dpa) - Nur noch 35 Sticker fehlen ihr zum Glück. Dann hat Brigitta Globke ihr Panini-Album zur Fußballweltmeisterschaft 2006 voll. Knapp zwei Monate lang sammelt die 23-jährige Medizinstudentin die Fußballsticker schon, klebt sie in ihr Album und tauscht die Doppelten. Über 100 Stickerpäckchen hat sie dafür gekauft.

Am meisten freue ich mich immer darauf, die Tütchen aufzureißen, in meinem Album zu blättern und zu hoffen, dass ich den Aufkleber noch nicht habe", sagt sie. Und wenn ich jetzt in meinem fast vollen Album blättere und die Seiten schon ganz schwer sind vor lauter Bildern, das ist ein herrliches Gefühl." Mit dem Heft in der Hand, fertig gefüllt mit allen 597 Stickern, will die Studentin dann die WM-Spiele anschauen. Wenn beispielsweise Ghana gegen Italien spielt, kann ich die entsprechenden Seiten aufblättern, gucken wie die aussehen, die da so spielen und noch schnell alles Wichtige nachlesen."

Dass Sticker zu sammeln und zu tauschen längst nicht mehr nur etwas für Kinder ist, zeigt sich etwa am Kiosk von Heinrich Lentner in München. Der 70-Jährige wundert sich zwar über seine Kundschaft: Mindestens 70 Prozent der Leute, die bei mir Sticker kaufen, sind Erwachsene." Mit den neuen Kunden macht Lentner aber auch ein gutes Geschäft. Einen Euro kostet das Album, ein Päckchen mit fünf Stickern bekommt man für 50 Cent. Im Durchschnitt kaufen die Erwachsenen natürlich viel mehr Päckchen als die Kinder, meistens so um die fünf."

Viele meiner Freunde, die so alt wie ich oder älter sind, sammeln und tauschen auch", bestätigt Globke. Wir haben auch schon gesammelt als wir klein waren, aber wir haben uns das mitgenommen und es macht heute immer noch genauso viel Spaß." Das merkt auch Hersteller Panini. Die italienische Firma, deren deutsche Niederlassung im nordrhein-westfälischen Nettetal sitzt, ist von dem Erfolg überwältigt.

Fast 100 Millionen Sticker sind in Deutschland im Handel, dazu 4,5 Millionen Alben. Wir haben uns natürlich einiges erhofft, aber dass das Sammelfieber in Deutschland dermaßen grassieren würde, das hatten wir nicht gedacht", sagt Marketingmanagerin Birgit Barner. Die 39- Jährige glaubt, der Gastgeber-Status sei Grund. Maßgeblich ist wohl, dass die WM im eigenen Land stattfindet."

Besonders gefreut hat sich Brigitta Globke über das Bild mit der Nummer 467, denn der französische Mannschaftskapitän Zinédine Zidane ist ihr Lieblingsspieler. Aber sie freute sich auch über die Schweden: Weil es so lange gedauert hat, bis ich die vollständig hatte." Barner räumt dazu mit einem Gerücht auf. Es gibt wirklich jeden Sticker gleich oft und auch gleich oft an jedem Ort", versichert die Panini-Sprecherin. Egal ob man in Brasilien oder in Deutschland Sticker kauft, man wird sich dieselben ins Album kleben." Globke zweifelt dennoch: Mir kommt es schon so vor, also ob es die Panini-Briefmarke mit der Nummer 0 hier ganz selten gibt und die Holländer dafür extrem oft." Die niederländische Mannschaft hatte sie als erstes voll.

Wer gar zu viele Niederländer hat, dem hilft Stefan Kuhn. Der 32- Jährige bekam trotz Tauschens sein Album einfach nicht voll. Weil ich studierter Ökonom bin, habe ich dann drüber nachgedacht, wie ich das Tauschen effizienter machen könnte und spontan mit Freunden den Stickermanager programmiert." Das ist eine Internetseite, in die man die Nummern seiner fehlenden Sticker eingibt. Die Seite ermittelt den passenden Tauschpartner. Fast 4000 Benutzer haben sich schon angemeldet, aus der ganzen Welt, aber hauptsächlich aus Deutschland. Viele von den Benutzern schreiben mir, dass sie so endlich die fehlenden Bilder bekommen haben", erzählt Kuhn. Ein Firmenchef habe ihm sogar überschwänglich gedankt, weil seine Mitarbeiter dank meiner Seite jetzt endlich wieder arbeiten".

 

 

Last modified on:01/14/2008

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