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Port Sanilac Wir waren 13,
eigentlich ein gutes Omen, sollte man denken, doch es kam anders. Jeder der
teilnehmenden Frauen der Schwaben Ladies wußte, es wird ein Mord passieren.
Aber wer wird sterben, warum oder schlimmer noch, wer vollbringt diese böse
Tat?
Es
begann vor ein paar Monaten, die Schwaben Ladies wollten - wie in
vergangenen Jahren - ein Wochenende miteinander verbringen. Dies geht
natürlich nicht ohne Diskussionen. Wo fahren wir hin - es darf nicht zu weit
sein; wer arrangiert es - es ist viel Arbeit; wann soll es sein - alle sind
immer sehr beschäftigt. Katja opferte sich und übernahm die Planung. Schnell
wurde dann entschieden, dass man ja auch mal 'was Interessantes machen
könnte. Ich weiß gar nicht mehr, wer die Idee eines ,Mörder-Wochenendes'
hatte, aber es war auf jeden Fall die beste Idee, die wir je hatten.
Drei Wochen vorher erhielten wir eine kurze Zusammenfassung des Stücks und
eine kurze Beschreibung aller Personen, und das Wichtigste: den Namen der
Person, die von den jeweiligen Teilnehmern gespielt werden sollte. Strikte
Instruktion, nicht mit den anderen darüber zu sprechen, war inbegriffen.
Plus jeder sollte für jeden Schokolade mitbringen. Der Titel des Stücks:
Mord auf der Bachelorette Party in Lady Godiva's Day Spa". Süß!
Da
fing der Stress an. Keiner von uns hatte je sowas mitgemacht. Wir sind doch
keine Schauspieler! Der Teufel muß uns geritten haben, das gut zu finden.
Vielleicht sag ich doch besser ab. Ich bin keine Schauspielerin, was
passiert, wenn ich mich vor den anderen blamiere? Diese und weitere Gedanken
gingen durch unsere Köpfe. Je näher die Zeit des Wochenendes rückte, je
nervöser wurden wir.
Dann kam die Beschreibung unserer Rolle in den Briefkasten geflattert. Alles
lesen und nicht darüber mit den anderen sprechen, versteht sich. Oh Gott,
worauf haben wir uns bloß eingelassen? Wer hatte denn diese Idee? Ich kann
das nicht, aber vielleicht ist es ja nicht zu schwer.
Nun wirklich, Ladies, diese Wochenenden sind der letzte Schrei - und was
andere können, können wir doch wohl auch, oder?
Treffpunkt 9:30 morgens am Samstag bei Jeannie. Alle kommen, gut. Wir gucken
uns an, nervös? Nein, gar nicht! (Lügner). Wir wußten es besser. Karen
Hausherr gestand hinter vorgehaltener Hand, dass sie so nervös war, dass sie
schon mal eine Nacht vorher mit Freundin Joyce ein wenig (ha) geübt hatte.
Strahlender Sonnenschein begleitet uns, doch kurz vor Port Sanalac kam der
Nebel auf. Ist das ein schlechtes Zeichen - auf was haben wir uns bloß
eingelassen, aber da müssen wir jetzt durch.
Es
ist Mittagszeit, und erst müssen wir Leib und Seele stärken. Schnell ist ein
Restaurant am Wasser entdeckt, eine gute Auswahl an Gerichten wurde auf der
Speisekarte gefunden, die Kellnerin war sehr zuvorkommend und nett. Und
jeder bekommt sogar eine Einzelrechnung. Und jetzt ein Begrüßungstrunk.
Wesentlich lockerer begeben wir uns ins Bed and Breakfast". Der Abend ist
noch weit weg, und wie schwer kann das schauspielern eigentlich sein.
Quatsch, sagt Karen H. und Katja erbarmt sich unser und erklärt uns, was am
Abend passiert oder besser gesagt, was passieren kann. Wesentlich beruhigter
sehen wir nun den Vorkommnissen entgegen. Was stellen wir aber bis zum Abend
an? Einige ruhen sich aus, andere gehen etwas am See entlang und wieder
andere gehen einkaufen (die hatten allerdings den meisten Spass). Man kann
aber auch wirklich die besten Sachen in diesen kleinen Städtchen finden.
Noch schnell eine Zigarette und dann aber los - umziehen, oh nein, ich hab
nicht die richtigen Klamotten mitgebracht. Das Wort ,Spa' hab ich wohl
gelesen, aber Party nur registriert. Was mach ich bloß, vielleicht ging es
den anderen ja auch so. Es ist sowieso zu spät, etwas anderes zu finden und
übrigens könnte ich dann meinen Hut nicht tragen. Würde bestimmt komisch
aussehen: ein Handtuch und ein Hut. Aber der war ein Muß - wo hat man sonst
die Gelegenheit, einen Hut zu tragen.
Die meisten von uns dachten auch ,Party' und die Kleidung passte. Nach
einigen Minuten verschwand das Lampenfieber, und wir waren in unsere Rollen
vertieft. Jeannie war so gut, das Rosel und fast alle anderen glaubten, sie
hatte einen wirklichen Herzinfarkt! Sie spielte die Tote perfekt, dass
selbst Karen B. (als Detektiv) erschrak. Die meisten von uns waren konfus.
Warum gerade die Person, andere wären doch bestimmt eher dran gewesen. The
plot thickens". Hinweise, Mordkarten usw. waren im Raum versteckt, damit wir
wußten, was zu tun war. Ich weiß immer noch nicht genau, wie alles passiert
ist. Zum Glück war ich nicht die Einzige.
Katja hatte noch eine Überraschung - alle Beteiligten mussten für beste
Schauspielerin, Kostüm, Detektiv und reichste Person wählen. Karin Hausherr
gewann reichste Dame und teilte die Ehre des Superdetektiv mit Joyce Steudle,
ich hatte mal wieder Glück und wurde als beste Schauspielerin und für bestes
Kostüm geehrt.
Leider hat uns kein Gespenst in der Nacht besucht, das hätte das Wochenende
vollendet.
Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Hause. Wer
will im Kasino anhalten? Oder wer hat eine andere Idee? Shopping gewann. Auf
nach Lexington - boy hat sich die Stadt verändert - man muß ja noch
irgendwas Schönes finden, das uns an dieses Wochenende erinnert.
Einige waren erfolgreich, Karen B. Kreditkarte wurde am meisten benutzt.
Doch Helga bewies mal wieder wie einfallsreich und spendabel sie sein kann
und fand ein Geschäft, das Jägermeister verkaufte. Schnell in den Laden,
denn man muss ja schliesslich dieses gelungene Wochenende gebührend feiern.
Was machen unsere Männer denn immer, sie singen! Nicht schön aber selten
stimmten wir dann auch inmitten der Stadt ein Lied an. ,Prost, Prost meine
Herrn' wurde in ,Prost, Prost meine Damen' kurzerhand umgewandelt. Wir
hörten uns so gut an, dass die Geschäftsleute und Spaziergänger uns mit
rauschendem Beifall belohnten. Wir waren selbst überrascht! Nun zurück -
schade!
Das Wochenende mit Freunden war viel zu schnell vorbei. Wir haben gelacht,
nein, nicht geweint, wir haben Erinnerungen aufgefrischt und neue gesammelt,
wir haben gelebt. Wir bedanken uns noch einmal bei Katja, denn so ein
Ausflug ist mit viel Arbeit verbunden. Jeder Klub könnte so ein Mitglied
gebrauchen. Aber sie gehört zu uns.
Ingrid Grotloh |