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DFB und DFL
vereinbaren Krisensitzung
Berlin/Augsburg (dpa) - Dreieinhalb Monate nach
Ende der Fußball- WM hat die Serie der durch Rowdys provozierten Krawalle in
deutschen Fußball-Stadien am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht.
Sowohl beim Spiel der 2. Bundesliga zwischen dem FC Augsburg und 1860
München (3:0) als auch bei der Regionalliga-Partie Hertha BSC II gegen
Dynamo Dresden (1:1) gab es schwere Ausschreitungen. Auch die Begegnung der
Fußball-Oberliga Baden-Württemberg zwischen dem 1. FC Pforzheim und dem SV
Waldhof Mannheim (2:0) war von Randale überschattet. Insgesamt gab es in den
drei Städten über 80 Verletzte. Mehr als 40 Personen wurden festgenommen.
Der Deutsche
Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) (nach WP-redaktionschluß)
vereinbarten für Dienstag ein aktuelles Krisengespräch in Frankfurt am Main.
DFB-Präsident Theo
Zwanziger sagte: Wir werden darüber diskutieren, wie wir der Sache von
unserer Seite Einhalt gebieten können." DFB-Mediendirekt Harald Stenger
unterstrich: Wir wollen alle Hebel in Bewegung setzen, damit diese Leute das
positive Bild von der Weltmeisterschaft nicht kaputt machen." Auch Politiker
forderten ein schnelles Handeln gegen eskalierende Gewalt in deutschen
Fußballstadien.
In Berlin wurden
bei den Krawallen von Dresdner Fans 38 Menschen verletzt, darunter 23
Polizisten. Vier Beamte wurden mit Rippenprellungen, wegen Verdachts auf
Knochensplitterungen und Gelenkverletzungen ins Krankenhaus gebracht, teilte
die Polizei mit, die 500 Beamte eingesetzt hatte. 22 Personen wurden
festgenommen. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem Landfriedensbruch,
gefährliche Körperverletzung, Widerstand und Beleidigung. Auch gegen zwei
Polizisten wird wegen Körperverletzung im Amt ermittelt.
In Augsburg nahm
die Polizei 21Münchner Anhänger vorläufig fest. 56 Personen erlitten durch
den Pfefferspray-Einsatz der Polizei Augenreizungen und mussten ambulant
behandelt werden. In Pforzheim berichtete die Polizei von tumultartigen
Szenen". Insgesamt seien etwa 100 Beamte im Einsatz gewesen, um die
Ausschreitungen in Griff zu bekommen. Verletzt wurden ein Polizist, ein
gewalttätiger Waldhof- Anhänger und ein unbeteiligter Zuschauer.
CDU-Innenexperte
Wolfgang Bosbach ermahnte die Vereine zu härterem Durchgreifen. Wo früher
Schimpfworte flogen, fliegen heute Fäuste", sagte Bosbach der Welt am
Sonntag". CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte in dem Blatt dazu auf,
sich mit Hochdruck" der wachsenden Gewalt in Stadien zu widmen.
Nach Informationen
des Nachrichtenmagazins Focus" wollen Polizei, Fußball-Bund und Fußball Liga
die Sicherheitsvorkehrungen gegen Hooligans auch in den meist kleineren
Stadien der Oberliga-Staffeln verschärfen. Wie das Blatt berichtet, soll es
nach etlichen Ausschreitungen besonders auf ostdeutschen Plätzen der vierten
Amateurliga bald mobile Schutzzäune zur Trennung der gegnerischen Fan-Gruppen,
besser ausgebildete Ordner und auch Stadienverbote gegen Krawallmacher geben.
Dynamo Dresden
erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen die Berliner Polizei. Zwar
distanziere sich der Verein von den Randalierern, das Vorgehen der Beamten
sei allerdings überzogen gewesen. Bereits während der zweiten Halbzeit
hatten Dresdner Fans einen so genannten Nebeltopf gezündet, mehrere Sitze
aus ihren Verankerungen gerissen und sie in Richtung der im Stadion tätigen
Ordner geworfen.
Der Berliner
Polizei-Präsident Dieter Glietsch wies diese Darstellung als haltlos und
abwegig" zurück und erklärte: Es ist ein Beitrag zur Förderung des
Hooliganismus, wenn Vereins- Verantwortliche nach gewalttätigen
Ausschreitungen der Problemfans im Umfeld ihres Clubs die Hooligans zu
Opfern und die von ihnen angegriffenen Polizeibeamten zu Tätern erklären."
Als Rowdys nach
dem Abpfiff weitere Sitze herausrissen, Imbissbuden zerstörten und die Fans
von den Polizisten bedrängt wurden, geriet die Situation in Berlin außer
Kontrolle. Alles hätte ruhiger ablaufen können, wenn die Polizei eine klare
Strategie gehabt hätte", schimpfte Torsten Rudolph, Leiter des Dresdner
Fanprojektes. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld. Die Beamten haben wild
drauf los geprügelt und keine Unterschiede gemacht zwischen den Randalierern
und jenen Fans, die einfach nur nach Hause wollten", berichtete er.
Nach
Polizeiangaben aus Augsburg randalierten Fans der Löwen" schon auf der Fahrt
ins Stadion in einem Reisebus, wobei sie mehrere Scheiben des Fahrzeuges
zertrümmerten. Davor hatte die Gruppe in Augsburg Passanten angepöbelt und
mit Flaschen geworfen. Während des Spiels randalierten etwa 150 Anhänger im
Münchner Fan-Block.
Schon in den
zurückliegenden Wochen hatten gewaltbereitete Anhänger häufiger für
Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Beim Länderspiel in Bratislava hatte die
slowakische Polizei am 11. Oktober massiv gegen deutsche Randalierer
durchgegriffen. Am Mittwoch war die Pokalpartie zwischen den Stuttgarter
Kickers und Hertha BSC abgebrochen worden, da der Schiedsrichter-Assistent
von einem Bierbecher am Kopf getroffen worden war. Die zunehmende Gewalt
führte sogar zur Absage eines gesamten Spieltags im Kreis Siegen-
Wittgenstein am Sonntag. Schiedsrichter hatten sich geweigert, weiterhin
Spiele bestimmter Mannschaften zu leiten. |