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Von Gisela Mackensen
Salenstein/Schweiz (dpa) -
Anneliese Rothenberger gehört zu den erfolgreichsten deutschen Sängerinnen
der Nachkriegszeit. Berühmt geworden ist die in Mannheim geborene
Sopranistin vor allem als Mozart- und Richard-Strauss-Interpretin. Ihr
besonderes Timbre und ihre Darstellungskunst machten sie zu einem begehrten
Gast an den namhaften Opernhäusern der Welt. Einem Millionen-Publikum wurde
die Sopranistin mit ihren Musiksendungen im Fernsehen bekannt. Am 19. Juni
wurde die Künstlerin 80 Jahre alt.
In
Salenstein am schweizerischen Ufer des Bodensees ist die Kammersängerin seit
langem zu Hause - und bei guter Gesundheit. Ihren runden Geburtstag hat sie
jedoch nicht groß gefeiert. Ich habe sogar eine Gala im ZDF abgesagt, ich
möchte den Rummel nicht", sagte sie der dpa. Dass sie noch gefragt sei,
genieße sie zwar schon. Das größte Geburtstagsgeschenk" sei jedoch, ihren
Wunsch nach Zurückgezogenheit zu respektieren.
Ihre Verehrer unter den Kritikern bezeichneten die zartgliedrige, blonde
Sängerin einst als Lady von damenhafter Schönheit, gewitzt, intelligent,
geschäftstüchtig und begabt". Doch als Lulu" in Alban Bergs gleichnamiger
Oper konnte sie auch zum Luder mit Engelsgesicht" werden, wie der Kritiker
der New York Times" einst schrieb, als die Sängerin mit dieser Titelpartie
Triumphe an der Met" (Metropolitan Opera) in New York feierte.
Ihre Begabung zeigte sich schon früh, so dass sie in Mannheim an der
Musikakademie Gesangsunterricht bekam. Nach ihrem Debüt am Stadttheater
Koblenz wurde sie 1948 Ensemblemitglied der Hamburger Staatsoper, bis sie
1956 nach Düsseldorf wechselte und ein Jahr später nach Wien. 1952 war
Rothenberger erstmals bei den Edinburgh- Festspielen zu Gast und legte damit
den Grundstein für ihre internationale Karriere. Bald darauf folgte eine
Einladung zu den Salzburger Festspielen, denen sie bis 1973 die Treue hielt.
Dafür wurde sie später mit der Max-Reinhardt-Plakette" geehrt.
1960 gab sie ihr umjubeltes Debüt in New York als Zdenka" in der Strauss-Oper
Arabella", 1961 ein Gastspiel an der Mailänder Scala. Lange Tourneen führen
sie nach Südamerika (1952/53), in die USA und in die Sowjetunion (beide
1970). Ihr Repertoire umfasste aber auch Operettenpartien. Populär wurde sie
ferner durch ihre Rollen in Musikfilmen. Bereits 1955 spielte sie in der
englischen Verfilmung der Fledermaus" von Johann Strauß mit.
Von 1970 an gelang ihr eine zweite Karriere im Fernsehen. Bei der älteren
Generation ist sie mit Sendungen wie Anneliese Rothenberger gibt sich die
Ehre" oder Traumland Operette" unvergessen. Einige Kritiker rügten ihren
Wechsel zur TV-Unterhaltung. Ach, das waren ein paar Blaustrümpfe, die mir
das übel nahmen, aber das war kleinkariert gedacht", entgegnete sie ihnen
2003 in einem Interview des Magazins Stern". 1983 beendete sie ihre
Opern-Karriere, 1989 gab sie ihren letzten Liederabend. Zu einem Comeback
ließ sie sich nicht überreden. Lieber höre sie den Satz Schade, man hört Sie
gar nicht mehr" als Die Alte singt immer noch", befand sie einmal.
Rothenberger ist mit vielen Preisen vom Bundesverdienstkreuz über Bambis"
bis zum Echo Klassik" ausgezeichnet worden. Seit Jahren pflegt sie ihr
Hobby, die Malerei. Öffentliche Auftritte beschränken sich auf Ausstellungen
ihrer Blumenbilder in der näheren Umgebung, beispielsweise auf der
Bodensee-Insel Mainau. In der Künstlerszene schon fast Selten-heitswert
hatte ihre 44 Jahre dauernde Ehe mit dem Journalisten Gerd W. Dieberitz, der
auch ihr Manager war. Ihr Mann starb 1999 an Krebs. |