26 July, 2010

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Baltische Riviera: Holzhausidylle und lange Strände

Jurmala hat einen langen Strand. (Bild: Baltikum Tourismus Zentrale/dpa/gms)

Jurmala (dpa) - Typisch baltische Riviera: Ein langer weißer Sandstrand, dahinter ein hoher Föhrenwald und darin verstreut Hunderte reich verzierter Holzhäuser aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Früher hieß die Halbinsel zwischen Ostsee und dem Fluss Lielupe Riga-Strand. Jurmala vor den Toren der lettischen Hauptstadt ist heute das exklusivste Ostseebad im ganzen Baltikum. Das haben unter anderem auch die russischen Neureichen entdeckt, die dort massiv investieren.

Das hat die Quadratmeterpreise für Wohnraum hier auf bis zu 6000 Euro hochschnellen lassen. Villen von einem in Westeuropa kaum anzutreffendem Luxus sind entstanden. Auf den Straßen kreuzen die größten Geländewagen und protzige Limousinen, bevorzugt in Schwarz mit getönten Scheiben. Nicht immer ist klar, woher dieser Geldsegen stammt.

Die Nummernschilder sind lettisch. Auch wenn es kaum zu übersehen ist, will man ja nicht gleich als Russe auffallen. Zu den russischen Investoren will sich die Stadtverwaltung nicht äußern. Wir haben darüber keine Informationen", sagt einer der Mitarbeiter.

Ursprünglich gehörte die rund 40 Kilometer lange Halbinsel einmal einem deutschbaltischen Baron von Fircks. Er hatte hier einen Majoratshof, ein Gut nach dem Ältestenrecht. Noch heute heißt das Zentrum von Jurmala danach Majori. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Eisenbahn von dem 25 Kilometer entfernten Riga gebaut und brachte die ersten Feriengäste. Wenige Jahre später begann von Fircks, das Land in Parzellen aufzuteilen und zu verkaufen. Die romantischen bunten Holzdatschen entstanden, mit verzierten Dachgiebeln und Türmchen im Knusperhaus-Stil sowie mit Veranden mit farbigen Glasscheiben. Noch in der Zarenzeit zog Riga-Strand viele Russen aus Moskau und St. Petersburg an. Die deutschbaltische Künstler- und Intelligentia-Clique residierte bevorzugt in dem Ortsteils Edinburga, benannt nach einer Zarentochter, die einen Herzog von Edinburgh geheiratet hatte.

In Jurmala gilt strenger Natur- und Denkmalschutz. Kein Baum darf gefällt werden, keines der historischen Häuser darf verschwinden. Da aber Jahrzehnte der Vernachlässigung unter dem kommunistischen Regime an der Holzsubstanz genagt haben, werden die meisten der Häuser doch abgerissen und dann nach den alten Plänen originalgetreu ohne Scheu vor Kosten wieder aufgebaut. Ein einmaliges Ensemble von 4000 historischen Holzhäusern ist registriert.

Nur wenige Relikte sowjetischer Betonarchitektur trüben das Bild. Wenn etwas abgerissen wird, entstehen gediegene moderne Villen oder Hotels in bestem Stil. Nichts darf höher aus die Baumwipfel sein. Dass es unter dem Einfluss neureicher Russen zu keinen kitschigen Geschmacksverirrun-gen wie in dem ehemaligen deutschen Seebad Rauschen (Swetlo-gorsk) in der Region Kaliningrad kommt, dafür sorgen die energische Bürgermeisterin Inese Aizs-trauta, die selbst Architektin ist, und eine Baukommission. Gegenwärtig entsteht ein Wellness-zentrum der Architektengruppe Silis, Zabers, Klava, die auch die neue Konzerthalle von Riga baut. Alt und Neu bilden einen gelungenen Mix.

Die Wasserqualität am Strand ist gut. Seit 2001 hat Jurmala die Blaue Flagge der EU. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 100 000 Übernachtungen. Deutsche sind hier noch eine Seltenheit. Nur vier Prozent der Feriengäste kamen aus der Bundesrepublik. Von der deutschbaltischen Vergangenheit dieser Sommerfrische gibt es nur noch wenige Zeugnisse.

Das säulengeschmückte Her-renhaus des Barons von Fircks wartet noch auf seine Restaurierung. Noch aus sowjetischen Zeiten ist hier ein Kinderheim untergebracht. Im nahe gelegenen Riga boomt die Wirtschaft, vor allem im Immobiliensektor wird das schnelle Geld gemacht. Aber auch viel Schwarzgeld zirkuliert. Das neue EU-Land hat die Korruptionsbekämpfung noch nicht unter Kontrolle: In der Skala der Organisation Transparency International rangiert Lettland hinter Costa Rica und El Salvador an 51. Stelle. Viel von dem Geld landet auf Jurmala, das eine Insel des Reichtums ist in einem sonst noch armen Land. Den großen Unterschied erfährt man bei einer Fahrt durch Kurland und dem Besuch der ehemaligen Hauptstadt dieser früheren zaristischen Ostseeprovinz.

Kuldiga, das ehemaligen Goldingen, besteht zum größten Teil aus alten baufälligen Holzhäusern. So gut wie keines ist restauriert - von schicken Villen keine Spur und von den Neureichen auch nicht.

www.jurmala.lv

 

 

Last modified on:07/07/2008

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