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Von Christoph Sator
London (dpa) - Es mag vielleicht
nicht das bedeutendste Ereignis in der langen Geschichte des Londoner Ritz"
gewesen sein.
Aber kaum jemals waren so viele Kameras auf den Haupteingang des Nobelhotels
gerichtet wie an jenem Januarabend 1999, an dem Prinz Charles und Camilla
Parker-Bowles ihr Coming Out" hatten.
Beim ersten gemeinsamen Termin von Thronfolger und Geliebter ging
minutenlang ein Blitzlichtgewitter auf die beiden nieder. Und das war nur
einer von vielen königlichen" Momenten im Leben des Ritz". Jetzt wird die
Londoner Institution 100 Jahre alt.
Dass sich Charles und Camilla vor dem Ritz" fotografieren ließen, hatte eine
gewisse Logik. Kein anderes Hotel wird von den Windsors so oft genutzt wie
das luxuriöse 133-Betten-Haus mit der Adresse Piccadilly 150. Schon bei der
Eröffnung am 24. Mai 1906 war der damalige Prince of Wales dabei, der
spätere König Edward VIII. Der Entwurf von Charles Mewès und Arthur Davis
war seinerzeit der erste Stahlskelettbau in der Hauptstadt des britischen
Imperiums.
Bauherr und Namensgeber war der Schweizer Hotelier César Ritz (1850-1918),
der acht Jahre zuvor schon das Ritz" in Paris eröffnet hatte.
Schnell wurde das Haus zum Treffpunkt der Londoner Society, allen voran die
Windsors. Im Lauf der Jahrzehnte feierten sie hier die verschiedensten
Geburtstage, und hier gab Queen Elizabeth II. auch den großen Empfang zum
50. Thronjubiläum. Lange Zeit wurde auch das königliche Personal einmal pro
Jahr ins Ritz" geladen, zur Weihnachtsfeier. Seit einer Weile ist es mit der
Tradition vorbei. Auch Königs müssen sparen.
Für Normalsterbliche gibt es nun zum Centenary" ein Jubiläums- Angebot: Zwei
Übernachtungen zum Preis von 1500 Pfund (rund 2200 Euro) - Theaterbesuch,
Flughafen-Transfer mit dem hauseigenen Rolls Royce, Behandlung im
Schönheitssalon und Abendessen inklusive. Wer es billiger haben will, kann
zur Teestunde kommen. Der Preis für den Tea for Two" mit 17 verschiedenen
Mischungen sowie Keks und Kuchen auf dem Silbertablett: 80 Pfund (106 Euro).
Allerdings sollten Besucher vorgewarnt sein: Auch wenn es statt einer
Teestunde inzwischen fünf Termine von 11.30 Uhr bis 19.30 Uhr gibt, muss
wochenlang im Voraus gebucht werden. Und wer sich an die Kleiderordnung
nicht hält (Sakko, Krawatte, keine Jeans, keine Turnschuhe), wird gnadenlos
abgewiesen. Dabei sind die Chancen, einen Blick auf die Londoner Society
werfen zu können, eher schlecht. Allzu oft sind die Touristen beim
Verspeisen des Cream Cake unter sich.
Überhaupt hat das Ritz", das heute dem Brüderpaar David und Frederick
Barclay gehört, ein wenig an Glanz verloren. Nicht nur wegen der Berichte
von ehemaligen Angestellten, dass angebrochene Weinflaschen umgefüllt und
weiterverkauft werden. Auch die Prominenz weicht des öfteren auf andere
Luxusherbergen aus. Der Hotelführer Nota Bene meint dazu: Das Ritz" mag
immer noch eine Institution sein. Aber wer verbringt seine Zeit schon gern
in Institutionen?"
Antwort: Reiche Touristen, vermögende Geschäftsleute - und Institutionen.
Für die Königsfamilie gehört das Ritz" weiterhin zu den beliebtesten
Adressen. Wiewohl die Windsors Glück haben, dass beim Verkauf des Hotels
nicht der Milliardär Mohammed Al-Fayed zum Zuge kam, dem schon das Pariser
Ritz" gehört.
Seit dem Unfalltod seines Sohnes Dodi mit Prinzessin Diana 1997 überzieht
Al-Fayed die Königsfamilie mit Schuldvorwürfen. Und eines ist sicher: Wenn
er heute auch in London der Eigentümer wäre, wäre das Ritz" für die Windsors
eine Tabuzone. |