15 July, 2008

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Berlin feiert Rembrandt mit großer Werkschau

Rembrandts Junge Frau an geöffneter Obertür" aus dem Jahre 1656 im Kulturforum in Berlin.

Von Esteban Engel

Berlin (dpa)- Vor 400 Jahren wurde er in Leiden am Rhein geboren, jetzt widmet Berlin dem wohl berühmtesten Maler der Niederlande zum Jubiläum eine große Ausstellung: Mit einer prächtigen Schau von fast 300 Werken von Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) und seinen Schülern feiern die Staatlichen Museen den Künstler als Genie auf der Suche".

Die international wohl umfassendste Schau zum Rembrandt-Jahr bietet in der Gemäldegalerie von diesem Freitag an bis zum 5. November einen Blick in das Laboratorium" des Niederländers und auf sein Schaffen - von den Porträts, den Mythen- und Sakralbildern bis hin zu dem vor kurzem noch dem Meister zugeschriebenen Mann mit dem Goldhelm".

Neben den rund 80 Gemälden, darunter Leihgaben aus Los Angeles, London, Dresden und St. Petersburg, öffnet die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Rembrandthuis auch die Sicht auf die Zeichnungen und die Druckgrafik des Künstlers. Das liebevoll mit Silberstift gezeichnete Bildnis seiner früh verstorbenen Ehefrau Saskia und Radierungen wie das berühmte Hundertguldenblatt" zeigen Rembrandt in seinem freien, skizzenhaften Stil als einen der größten Zeichner aller Zeiten, wie Kurator Holm Bevers betonte.

Als Porträtist der Amsterdamer Elite, die sich in der berühmten Nachtwache" selbst feierte, in den Charakterstudien der Gelehrten und Bürger, auf den Bildern mit Bibelmotiven und den Selbstdar-stellungen - Rembrandts Werk ist das Ergebnis einer rastlosen künstlerischen Suche", wie der Direktor der Gemäldegalerie Bernd Lindemann sagte. In der bis heute intensiv geführten Fachdebatte über die Echtheit der Rembrandt-Bilder wird auch die Wirkung des Künstlers auf seine Schüler deutlich.

Die Ausstellung, die den Stand des internationalen Rembrandt Research Project" vorstellt, präsentiert Originale des Meisters und Schülerkopien und bietet Einsicht in die Werkstatt des Malers, in die Zusammenarbeit mit seinen Lehrlingen und die Entstehungsgeschichte der Werke. Wir haben den Rembrandt-Code geknackt", freute sich der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster. Bis weit in das 20. Jahrhundert sei Rembrandt noch als einsames Genie" gefeiert worden, fast jedes Bild mit viel Licht, Dunkel und Köpfen wurde Rembrandt zugeschrieben", fasste der Experte Ernst van de Wetering den Rembrandt-Kult zusammen. Es gebe aber viele Bilder, die Rembrandt sehr nahe kommen, aber keine Rembrandts sind". Die Schüler hätten die Qualität des Lehrers einfach nicht erreicht". Das gilt auch für die Zeichnungen: Von den 126 Zeichnungen, die früher Rembrandt zugeschrieben wurden, gelten heute nur noch 55 als eigenständige Werke des Meisters. Mit 18 Jahren hatte sich Rembrandt in seiner Geburtsstadt Leiden als selbstständiger Maler niedergelassen. In dieser Zeit entstehen die historischen Darstellungen, mit denen er erstmals die Wirkung von Ausleuchtung und Farbstruktur ausprobiert. 1639 kauft er in Amsterdam ein Haus. Die Werkstatt wird 20 Jahre lang zum Mittelpunkt seines Schaffens, die Schulden aus dem Hauskauf werden ihn später in den Bankrott treiben. Mit dem großformatigen Auftragswerk Nachtwache" malt Rembrandt 1642 sein berühmtestes Bild - und betritt damit künstlerisches Neuland: Zu den 18 Schützen der Amsterdamer Bürgerwache fügt der Maler 16 Staffagefiguren hinzu, um den Eindruck der Menschenmenge glaubhaft zu machen. Das Original, das in Amsterdam hängt, wurde jedoch später an den Rändern beschnitten, so dass darauf weniger Figuren zu sehen sind. In Berlin ist hingegen eine 1650 entstandene Kopie des Malers Gerrit Lundens ausgestellt - in der Proportion, in der Rembrandt das Bild ursprünglich malte. Doch das Jahr der Nachtwache" markiert nach dem frühen Tod seiner Frau die wohl tiefste Zäsur im Leben des Künstlers.

Rembrandt beginnt die Suche nach neuen Bildformen, das Licht erscheint bald weicher und diffuser, die Farben sind dicker aufgetragen und plastischer. Spätwerke wie Joseph und die Frau des Potiphar" regen die Ausstellungsbesucher an, eine eigene, nicht vom Rembrandt-Mythos verstellte Sicht zu entwickeln.

www.smb.museum/rembrandt

Das Gemälde Moses zerschmettert die Gesetzestafeln" von 1659 aus der Ausstellung Rembrandt - Genie auf der Suche".

 

 

Last modified on:07/07/2008

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