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Von
Esteban Engel
Berlin (dpa)- Vor 400 Jahren wurde
er in Leiden am Rhein geboren, jetzt widmet Berlin dem wohl berühmtesten
Maler der Niederlande zum Jubiläum eine große Ausstellung: Mit einer
prächtigen Schau von fast 300 Werken von Rembrandt Harmensz van Rijn
(1606-1669) und seinen Schülern feiern die Staatlichen Museen den Künstler
als Genie auf der Suche".
Die international wohl umfassendste Schau zum Rembrandt-Jahr bietet in der
Gemäldegalerie von diesem Freitag an bis zum 5. November einen Blick in das
Laboratorium" des Niederländers und auf sein Schaffen - von den Porträts,
den Mythen- und Sakralbildern bis hin zu dem vor kurzem noch dem Meister
zugeschriebenen Mann mit dem Goldhelm".
Neben den rund 80 Gemälden, darunter Leihgaben aus Los Angeles, London,
Dresden und St. Petersburg, öffnet die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem
Amsterdamer Rembrandthuis auch die Sicht auf die Zeichnungen und die
Druckgrafik des Künstlers. Das liebevoll mit Silberstift gezeichnete Bildnis
seiner früh verstorbenen Ehefrau Saskia und Radierungen wie das berühmte
Hundertguldenblatt" zeigen Rembrandt in seinem freien, skizzenhaften Stil
als einen der größten Zeichner aller Zeiten, wie Kurator Holm Bevers betonte.
Als Porträtist der Amsterdamer Elite, die sich in der berühmten Nachtwache"
selbst feierte, in den Charakterstudien der Gelehrten und Bürger, auf den
Bildern mit Bibelmotiven und den Selbstdar-stellungen - Rembrandts Werk ist
das Ergebnis einer rastlosen künstlerischen Suche", wie der Direktor der
Gemäldegalerie Bernd Lindemann sagte. In der bis heute intensiv geführten
Fachdebatte über die Echtheit der Rembrandt-Bilder wird auch die Wirkung des
Künstlers auf seine Schüler deutlich.
Die Ausstellung, die den Stand des internationalen Rembrandt Research
Project" vorstellt, präsentiert Originale des Meisters und Schülerkopien und
bietet Einsicht in die Werkstatt des Malers, in die Zusammenarbeit mit
seinen Lehrlingen und die Entstehungsgeschichte der Werke. Wir haben den
Rembrandt-Code geknackt", freute sich der Generaldirektor der Staatlichen
Museen, Peter-Klaus Schuster. Bis weit in das 20. Jahrhundert sei Rembrandt
noch als einsames Genie" gefeiert worden, fast jedes Bild mit viel Licht,
Dunkel und Köpfen wurde Rembrandt zugeschrieben", fasste der Experte Ernst
van de Wetering den Rembrandt-Kult zusammen. Es gebe aber viele Bilder, die
Rembrandt sehr nahe kommen, aber keine Rembrandts sind". Die Schüler hätten
die Qualität des Lehrers einfach nicht erreicht". Das gilt auch für die
Zeichnungen: Von den 126 Zeichnungen, die früher Rembrandt zugeschrieben
wurden, gelten heute nur noch 55 als eigenständige Werke des Meisters. Mit
18 Jahren hatte sich Rembrandt in seiner Geburtsstadt Leiden als
selbstständiger Maler niedergelassen. In dieser Zeit entstehen die
historischen Darstellungen, mit denen er erstmals die Wirkung von
Ausleuchtung und Farbstruktur ausprobiert. 1639 kauft er in Amsterdam ein
Haus. Die Werkstatt wird 20 Jahre lang zum Mittelpunkt seines Schaffens, die
Schulden aus dem Hauskauf werden ihn später in den Bankrott treiben. Mit dem
großformatigen Auftragswerk Nachtwache" malt Rembrandt 1642 sein
berühmtestes Bild - und betritt damit künstlerisches Neuland: Zu den 18
Schützen der Amsterdamer Bürgerwache fügt der Maler 16 Staffagefiguren hinzu,
um den Eindruck der Menschenmenge glaubhaft zu machen. Das Original, das in
Amsterdam hängt, wurde jedoch später an den Rändern beschnitten, so dass
darauf weniger Figuren zu sehen sind. In Berlin ist hingegen eine 1650
entstandene Kopie des Malers Gerrit Lundens ausgestellt - in der Proportion,
in der Rembrandt das Bild ursprünglich malte. Doch das Jahr der Nachtwache"
markiert nach dem frühen Tod seiner Frau die wohl tiefste Zäsur im Leben des
Künstlers.
Rembrandt beginnt die Suche nach neuen Bildformen, das Licht erscheint bald
weicher und diffuser, die Farben sind dicker aufgetragen und plastischer.
Spätwerke wie Joseph und die Frau des Potiphar" regen die
Ausstellungsbesucher an, eine eigene, nicht vom Rembrandt-Mythos verstellte
Sicht zu entwickeln.
www.smb.museum/rembrandt |