30 June, 2008

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Brasilien privatisiert Teile des Amazonas-Regenwaldes

Dichter Regenwald auf der Ilha do Cardoso im Bundesstaat Sao Paulo. Der Amazonas-Regenwald wird in Brasilien privatisiert. Staatspräsident da Silva hat jetzt in Brasilia ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, mit dem in erster Linie die Holzgewinnung in der so genannten grössten grünen Lunge der Welt geregelt und die nachhaltige Entwicklung der Urwaldregionen gefördert werden sollen. Foto: Ralf Hirschberger

Brasilia/Wien - Aufsteigende Rauchsäulen; abgeholzte, mondähnliche Landschaften, deren Böden nur kurz ein wenig Ertrag bringen: Brasilien will solchen Szenarien durch die Privatisierung verbleibender Regenwälder im Amazonas-Gebiet Einhalt gebieten.

Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete jetzt ein entsprechendes Gesetz, das den Verkauf von großen Urwald-Gebieten an Holzfirmen vorsieht. Das Privatisierungsgesetz dient laut Regierung der besseren Kontrolle von Abholzungen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für die grüne Lunge Südamerikas.

So fördern wir nachhaltige Entwicklung und bereiten der unkontrollierten Abholzung ein Ende", sagt Tasso Azevedo, Untersekretär des Umweltministeriums. Die Regierung versichert, dadurch die illegale Landaneignung und Holzgewinnung eindämmen zu können. Die Opposition sieht im neuen Gesetz allerdings nur ein leeres Versprechen im Wahljahr.

Insgesamt sollen rund 13 Millionen Hektar öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben werden - das sind immerhin drei Prozent des Amazonas-Regenwaldes. Nationalparks und Land, das Indigenen oder Kleinbauer gehört, ist davon ausgenommen.

Die Vorlagen, um eine Ausbeu-tungslizenz zu erhalten, klingen tatsächlich einigermaßen streng: Nur brasilianische Firmen können an der Ausschreibung teilnehmen. Sie müssen einen nachhaltigen Plan für ihr" Gebiet in der Tasche haben und sich zur umweltfreund-lichen Verwaltung verpflichten. Nur bis zu sechs Urwald-Riesen dürfen sie dann alle zehn Jahre schlägern - auf einer Fläche etwa so groß wie ein Fußballfeld. Zur Überprüfung soll der Brasilianische Wald-Dienst" gegründet werden - ein Kontrollorgan, das alle fünf Jahre die Einhaltung der Auflagen inspiziert. Die Einnahmen aus den Privatisierungsverkäufen fließen in Schutzmaßnahmen.

Umweltschutzorganisationen teilen jedoch das Lob für das neue Gesetz nicht uneingeschränkt: Global 2000" etwa befürchtet, dass der Staat aus dem Verkauf nur Profit schlagen und sich aus der Verantwortung stehlen will.

So legalisiert der Staat den Raubbau. Eine Kontrolle ist äußerst schwierig", so ein Sprecher zur Presse".

Zeitgleich beschlossen Brasilien, Argentinien und Venezuela auch ein weiteres milliardenschweres Projekt: Der Bau einer Pipeline soll halb Südamerika mit Gas versorgen - und führt quer durch den Amazonas-Regenwald.

Irene Zoch

 

 

Last modified on:01/14/2008

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