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Brasilia/Wien - Aufsteigende
Rauchsäulen; abgeholzte, mondähnliche Landschaften, deren Böden nur kurz ein
wenig Ertrag bringen: Brasilien will solchen Szenarien durch die
Privatisierung verbleibender Regenwälder im Amazonas-Gebiet Einhalt gebieten.
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete jetzt ein entsprechendes
Gesetz, das den Verkauf von großen Urwald-Gebieten an Holzfirmen vorsieht.
Das Privatisierungsgesetz dient laut Regierung der besseren Kontrolle von
Abholzungen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für die grüne Lunge
Südamerikas.
So
fördern wir nachhaltige Entwicklung und bereiten der unkontrollierten
Abholzung ein Ende", sagt Tasso Azevedo, Untersekretär des
Umweltministeriums. Die Regierung versichert, dadurch die illegale
Landaneignung und Holzgewinnung eindämmen zu können. Die Opposition sieht im
neuen Gesetz allerdings nur ein leeres Versprechen im Wahljahr.
Insgesamt sollen rund 13 Millionen Hektar öffentlich zum Verkauf
ausgeschrieben werden - das sind immerhin drei Prozent des
Amazonas-Regenwaldes. Nationalparks und Land, das Indigenen oder Kleinbauer
gehört, ist davon ausgenommen.
Die Vorlagen, um eine Ausbeu-tungslizenz zu erhalten, klingen tatsächlich
einigermaßen streng: Nur brasilianische Firmen können an der Ausschreibung
teilnehmen. Sie müssen einen nachhaltigen Plan für ihr" Gebiet in der Tasche
haben und sich zur umweltfreund-lichen Verwaltung verpflichten. Nur bis zu
sechs Urwald-Riesen dürfen sie dann alle zehn Jahre schlägern - auf einer
Fläche etwa so groß wie ein Fußballfeld. Zur Überprüfung soll der
Brasilianische Wald-Dienst" gegründet werden - ein Kontrollorgan, das alle
fünf Jahre die Einhaltung der Auflagen inspiziert. Die Einnahmen aus den
Privatisierungsverkäufen fließen in Schutzmaßnahmen.
Umweltschutzorganisationen teilen jedoch das Lob für das neue Gesetz nicht
uneingeschränkt: Global 2000" etwa befürchtet, dass der Staat aus dem
Verkauf nur Profit schlagen und sich aus der Verantwortung stehlen will.
So
legalisiert der Staat den Raubbau. Eine Kontrolle ist äußerst schwierig", so
ein Sprecher zur Presse".
Zeitgleich beschlossen Brasilien, Argentinien und Venezuela auch ein
weiteres milliardenschweres Projekt: Der Bau einer Pipeline soll halb
Südamerika mit Gas versorgen - und führt quer durch den Amazonas-Regenwald.
Irene Zoch |