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Budapest/Hamburg (dpa) - Der Major" ist tot.
Ungarns Fußball- Legende Ferenc Puskas ist am Freitag im Alter von 79 Jahren
in einer Budapester Klinik gestorben. Er war der Kopf der Wunder-Elf der
frühen 50er Jahre, der Spieler mit den zwei Karrieren, der geniale Regisseur
und blendende Dribbler, der Einbein-Fußballer von geradezu märchenhafter
Perfektion", wie eine Zeitung einmal treffend schrieb. Im denkwürdigen
WM-Finale vom 4. Juli 1954 brachte Puskas den Favoriten in Führung - das
Wunder von Bern" der mit 3:2 siegreichen Deutschen konnte aber auch der
Kapitän nicht verhindern.
In den letzten
Tagen hatte sich sein Zustand auf der Intensivstation bei hohem Fieber und
einer Lungenentzündung dramatisch verschlechtert. Fast sechs Jahre hatte
Puskas gegen die Alzheimer Krankheit gekämpft.
Ganz Ungarn
trauert. Das Parlament unterbrach seine Sitzung für eine Schweigeminute. Das
Fernsehen änderte sein Programm. Der Stürmer der Nation ist von uns gegangen",
sagte Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany. Auch wenn uns der Mensch Ferenc
Puskas verlassen hat, die Legende Puskas wird für immer bei uns bleiben."
Ottmar Walter, vor
52 Jahren Mittelstürmer im WM-Finale, hat einen guten Freund verloren. Das
stimmt mich sehr traurig. Wir hatten ein unwahrscheinlich gutes Verhältnis
zueinander", sagte er. Tief betrübt war auch Horst Eckel: Der Tod von Puskas
hat mich traurig gestimmt und nachdenklich gemacht. Jetzt sind nur noch fünf
Spieler vom 54er Finale am Leben: Ottmar Walter, Hans Schäfer und ich sowie
Kosicz und Buzansky. Man hat ein seltsames Gefühl, wenn einer nach dem
anderen weggeht." Auch der Deutsche Fußball-Bund trauert um Puskas. Der
beste Linksfuß der Welt ist tot, aber er wird uns immer in großartiger
Erinnerung bleiben", sagte Präsident Theo Zwanziger.
Puskas spielte,
als ob sein linkes Bein in einem Glacéhandschuh gesteckt hätte", hatte der
ebenfalls zur Legende gewordene Alfredo di Stefano einmal über seinen
Mannschaftskameraden bei Real Madrid gesagt. Als Spieler hatte er praktisch
zwei Leben: Das eine machte den von Freunden Ocsi" (Kleiner") gerufenen
technisch perfekten Torjäger in 84 Länderspielen mit 83 Toren für Ungarn zu
einem der populärsten Sportler seines Landes. Das andere ließ den Major der
ungarischen Armee nach dem Volksaufstand 1956 und der Flucht über Österreich
nach Spanien zu einem Geächteten im eigenen Land werden.
Seit 1958 auch
spanischer Staatsbürger, führte Puskas die Königlichen" von Real Madrid 1960
mit vier Toren beim 7:3über Eintracht Frankfurt zum fünften Europapokal-Sieg
der Landesmeister nacheinander. Mit Madrid wurde der Linksfuß fünf Mal
Meister.
Fußballspielen,
das ist eine Kunst. Aber du wirst sie nie lernen, weil du zu faul bist und
dir einbildest, alles mit dem linken Fuß machen zu können. Kein großer
Fußballer kommt mit einem einzigen Fuß aus", soll Ferenc Puskas Senior
seinem Sohn zu Beginn der Karriere gesagt haben. Puskas Junior wurde nicht
nur ein Weltstar, er wurde zum Inbegriff des einbeinigen Fußballers".
Puskas war der
Größte jener grandiosen Elf von Gustav Sebes, die zwischen 1950 und 1954 in
32 Spielen ungeschlagen blieb, 1952 in Helsinki Olympiasieger wurde und am
25. November 1953 England mit 6:3 die erste Heimniederlage der 90-jährigen
Länderspielgeschichte zufügte. 222 Tage später erlebte Puskas die größte
sportliche Enttäuschung seines Lebens. Sepp Herbergers Taktik, Fritz Walters
Regie und Helmut Rahns Tore zerstörten mit dem 3:2 im Berner WM- Finale den
Mythos von der Unschlagbarkeit der Magyaren.
Der Major", wie er
auch als Fußballer wegen seiner Regie- Qualitäten und unbestrittenen
Führungsrolle genannt wurde, erwies sich in seiner Verbitterung als
schlechter Verlierer. Puskas begründete die Niederlage mit der Behauptung,
die Deutschen seien gedopt gewesen. Erst 1964 versöhnte sich Herberger bei
einem Treffen auf dem Frankfurter Flughafen mit dem temperamentvollen Ungarn
und machte als Vorbild und Chef" von Fritz Walter auch den Weg zur späteren
Freundschaft der beiden großen Spieler frei.
Seine Heimat
durfte Puskas erst 1981 wieder besuchen - das Land, in dem er mit zwölf
Jahren bei Kispest Budapest mit dem Fußball anfing, wo er mit 17 sein Debüt
in der Nationalmannschaft feierte, sechs Mal ungarischer Meister und vier
Mal Torschützenkönig wurde. Seine Spielerkarriere beendete er bei einem
ungarischen Club in Vancouver. Als Trainer arbeitete er unter anderem in
Australien und Griechenland und sogar kurz als ungarischer Nationalcoach.
Zum 70. Geburtstag
am 2. April 1997 hielt Fritz Walter die Laudatio. Aus der distanzierten
Bekanntschaft nach der WM ist im Laufe der Jahre eine tiefe Freundschaft
gewachsen", sagte Walter. Die schweren letzten Jahre seines von der
Krankheit gezeichneten Freundes hat er nicht mehr erlebt - Fritz Walter, der
große Gegenspieler beim Wunder von Bern", starb am 17. Juni 2002. |