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Placido Domingo feiert Bühnen-Comeback als Cyrano

Placido Domingo spielt den Titelhelden in der Oper Cyrano de Bergerac" in London.

Von ChristophSator, dpa

London (dpa) - Eine selten gespielte Oper, in der sich der Titelheld mit einer gewaltigen Nase zu plagen hat und beim Singen ständig fechten muss: Auch für einen Weltstar wie Placido Domingo gibt es einfachere Partien als den Cyrano deBergerac". Placido Domingo spielt den Titelhelden in der Oper Cyrano de Bergerac" in London.

Zumal, wenn man gerade drei Monate Zwangspause hinter sich hat. Aber Domingo hat es geschafft. Nach drei Stunden auf der Bühne des Royal Opera House in London gab es für den Star-Tenor minutenlangen Applaus.

Dabei war das Risiko nicht gerade gering. Wegen Stimmproblemen hatte Domingo imDezember schon den Parsifal" abbrechen müssen. Die Diagnose schließlich: Tracheitis, eine Entzündung der Luftröhre. Der Spanier musste ein Vierteljahr pausieren - so lange wie noch nie in 47 Jahren Karriere. Für das Comeback am Covent Garden hatte er sich nun ein Stück ausgesucht, das als schwierig gilt. Und für einen Mann von 65 Jahren ist das Mantel- und Degen-Abenteuer fast schon ein Leistungstest.

Die Geschichte des Cyrano de Bergerac, jenes noblen Franzosen mit der langenNase und der tragischen Liebe zur schönen Roxane, ist zwar ein Bühnenklassiker und wurde auch schon mehrfach verfilmt. Als Oper ist der Cyrano" aber kaum noch zu sehen. Die Musik stammt vom Italiener Franco Alfano (1875-1954), der in der Fachwelt vor allem dafür bekannt ist, dass er nach dem Tod von Giacomo Puccini das Finale zu Turandot" schreiben durfte.

Auch Domingo wurde erst spät auf das Stück aufmerksam - durch eines seiner Vorbilder, den chilenischen Tenor Ramon Vinay. Das ist ein phänomenaler Charakter für die Oper." Also bewies der Heldentenor Mut zur Hässlichkeit, ließ sich ins Gesicht eine Latex-Nase und ins Haar Locken kleben. Vergangenes Jahr sang er so in der Metropolitan Opera in New York. In London folgen jetzt noch fünf Termine.

Beim Applaus nach der Premiere waren durchaus Unterschiede festzustellen. DasStück an sich wurde reserviert aufgenommen. Für Domingo sowie für die Amerikanerin Sondra Radvanovsky (Roxane) und den deutschen Bariton Roman Trekel gab es dagegen viel Applaus. Die Times" urteilte, Domingo habe den Abend gerettet. Der Independent" schwärmte, seine Stimme habe immer noch eine wunderbare Frische".

Auch Domingo wirkte zum Ende des Abends sehr zufrieden, als er mit Schweißperlen auf der Stirn, zerflossenem Make-up im Gesicht und Latex-Nase in der Hand auf der Bühne stand. Selbst auf Fragen nach dem Karriere-Ende gab er bereitwilligAuskunft: Nach einem solchen Abend muss ich mir keine Gedanken machen. Aber es wird eher früher als später sein. Ich habe großen Respekt vor dem Publikum und großen Respekt vor mir selbst."

In diesem Jahr hat Domingo noch die Welt-Uraufführung von The FirstEmperor" (Der erste Herrscher") von Tan Dun auf dem Programm, kurz vor Weihnachten in New York. Dann will er in der Opern-Fassung des italienischen Films Il Postino" (Der Postbote") singen, an der der Mexikaner Daniel Catan gerade schreibt. Zunächst einmal kommt der Fußball-Fan aber zur WM nach Deutschland - und hofft auf den ersten Titelgewinn Spaniens: Einmal im Leben sollte man sein eigenes Team siegen sehen dürfen."

Zwar wird es dieses Mal keine Neuauflage der Drei Tenöre" mit José Carreras und Luciano Pavarotti geben. Dafür ist Domingo aber gleich bei drei Gelegenheiten zu hören - am 6. Juni im Münchner Olympiastadion, am 2. Juli am Hamburger Rothenbaum und am 7. Juli, zwei Tage vor dem Finale, auf der Berliner Waldbühne. Damit wird Domingo bei fünf Weltmeisterschaften hintereinander dabei gewesen sein - wie Lothar Matthäus und der mexikanische Torhüter Antonio Carbajal". Und es wirkt, als ob er ziemlich stolz darauf sei.

 

 

Last modified on:07/07/2008

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