26 July, 2010

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Pferdesport-WM:  6-1-4: Das Geheimnis des deutschen Erfolges - Überglücklich

Die deutschen Springreiter Ludger Beerbaum, Marcus Ehning, Meredith Michaels-Beerbaum und Christian Ahlmann (v.l.) zeigen ihres Bronzemedaillen im Mannschaftswettbewerb.

Aachen/Warendorf (dpa) - 6-1-4: Diese Zahlenkombination machte Breido Graf zu Rantzau überglücklich". Als am frühen Montagmorgen die geladenen Weltmeister das Champions Dinner im Aachener Rathaus verließen, hatte der Chef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) viele Hände zu schütteln. Die meisten der Sieger kennt er seit Jahren persönlich, denn sie stammen aus der eigenen Nachwuchsarbeit. Es ist wirklich kaum zu fassen, wie erfolgreich wir waren", sagte der FN- Chef zur deutschen Bilanz bei den Weltreiterspielen mit sechs goldenen Medaillen, einer silbernen und vier bronzenen.

Mit weitem Abstand zur USA (2-4-3) dominierten die Deutschen die Pferdesport-Weltmeister-schaften in Aachen und durften sich über ihr erfolgreiches System freuen. Zucht und Ausbildung sind sicher unsere wichtigsten Säulen", sagte Rantzau. Der FN-Boss war aber ehrlich genug zuzugeben: Ein ordentliches Quäntchen Glück gehört auch immer dazu." Dass die Erfolge nicht selbstverständlich sind und andere Nationen wie die Niederlande aufholen, zeigte sich bei der WM vor allem beim Springen: Die populärsten Reiter, hohe Favoriten beim Heimspiel, mussten sich mit jeweils Bronze in der Mannschaftswertung und im Einzel durch Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) begnügen.

Die FN ist eine Besonderheit unter den Sportverbänden, denn sie ist auch der Bundesverband für Pferdezucht. Ohne gute Pferde geht gar nichts", sagte FN-Generalsekretär Hanfried Haring. Mehr als eine Million Pferde und Ponys gibt es hier zu Lande, Zucht und vor allem Handel sind ein höchst lukratives Geschäft. Auch wenn viele Weltklasse-Pferde teuer ins Ausland verkauft werden, bleiben immer noch genug im Lande.

Wir haben eine breite Basis", sagte Haring. Mit rund 760000 Mitgliedern in 7100 Reit- und Fahrvereinen ist die FN der weltweit größte Nationalverband und im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die Nummer sieben. Kern der FN-Tätigkeit ist der Turniersport, um die Spitze kümmert sich das angeschlossene Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) mit dem Bundesleistungszentrum (BLZ) in der Zentrale in Warendorf. Bei rund 3200 Turnieren entwickelt sich eine fast unerschöpfliche Zahl von Talenten. In manchen Disziplinen wie der Dressur könnte die FN zwei oder drei Nationalteams mit Medaillenchancen ins Rennen schicken.

Wie schnelllebig der Sport aber sein kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Vor vier Jahren in Jerez de la Frontera mit vier Goldmedaillen fast gleichauf, enttäuschten die Franzosen in Aachen mit einer schwachen Bilanz (1-1-1). Während die deutschen Teams in den drei olympischen Disziplinen die vorzeitige Olympia-Qualifikation schafften, scheiterten die Franzosen drei Mal. Im Verband herrscht Chaos, es gibt derzeit keinen Präsidenten.

Dass Erfolg auch etwas mit System und Planung zu tun hat, zeigt die deutsche Vielseitigkeit. Lange der Problemfall der FN, wurde die Disziplin mit der Gründung einer Perspektiv-Gruppe und Beteiligungen an Toppferden durch das DOKR aufgepäppelt. In Aachen gewann das deutsche Team erstmals in der WM-Geschichte Gold.

 

 

Last modified on:07/07/2008

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