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Aachen/Warendorf
(dpa) - 6-1-4: Diese Zahlenkombination machte Breido Graf zu Rantzau
überglücklich". Als am frühen Montagmorgen die geladenen Weltmeister das
Champions Dinner im Aachener Rathaus verließen, hatte der Chef der Deutschen
Reiterlichen Vereinigung (FN) viele Hände zu schütteln. Die meisten der
Sieger kennt er seit Jahren persönlich, denn sie stammen aus der eigenen
Nachwuchsarbeit. Es ist wirklich kaum zu fassen, wie erfolgreich wir waren",
sagte der FN- Chef zur deutschen Bilanz bei den Weltreiterspielen mit sechs
goldenen Medaillen, einer silbernen und vier bronzenen.
Mit weitem Abstand
zur USA (2-4-3) dominierten die Deutschen die
Pferdesport-Weltmeister-schaften in Aachen und durften sich über ihr
erfolgreiches System freuen. Zucht und Ausbildung sind sicher unsere
wichtigsten Säulen", sagte Rantzau. Der FN-Boss war aber ehrlich genug
zuzugeben: Ein ordentliches Quäntchen Glück gehört auch immer dazu." Dass
die Erfolge nicht selbstverständlich sind und andere Nationen wie die
Niederlande aufholen, zeigte sich bei der WM vor allem beim Springen: Die
populärsten Reiter, hohe Favoriten beim Heimspiel, mussten sich mit jeweils
Bronze in der Mannschaftswertung und im Einzel durch Meredith Michaels-Beerbaum
(Thedinghausen) begnügen.
Die FN ist eine
Besonderheit unter den Sportverbänden, denn sie ist auch der Bundesverband
für Pferdezucht. Ohne gute Pferde geht gar nichts", sagte FN-Generalsekretär
Hanfried Haring. Mehr als eine Million Pferde und Ponys gibt es hier zu
Lande, Zucht und vor allem Handel sind ein höchst lukratives Geschäft. Auch
wenn viele Weltklasse-Pferde teuer ins Ausland verkauft werden, bleiben
immer noch genug im Lande.
Wir haben eine
breite Basis", sagte Haring. Mit rund 760000 Mitgliedern in 7100 Reit- und
Fahrvereinen ist die FN der weltweit größte Nationalverband und im Deutschen
Olympischen Sportbund (DOSB) die Nummer sieben. Kern der FN-Tätigkeit ist
der Turniersport, um die Spitze kümmert sich das angeschlossene Deutsche
Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) mit dem Bundesleistungszentrum (BLZ)
in der Zentrale in Warendorf. Bei rund 3200 Turnieren entwickelt sich eine
fast unerschöpfliche Zahl von Talenten. In manchen Disziplinen wie der
Dressur könnte die FN zwei oder drei Nationalteams mit Medaillenchancen ins
Rennen schicken.
Wie schnelllebig
der Sport aber sein kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Vor vier Jahren in
Jerez de la Frontera mit vier Goldmedaillen fast gleichauf, enttäuschten die
Franzosen in Aachen mit einer schwachen Bilanz (1-1-1). Während die
deutschen Teams in den drei olympischen Disziplinen die vorzeitige Olympia-Qualifikation
schafften, scheiterten die Franzosen drei Mal. Im Verband herrscht Chaos, es
gibt derzeit keinen Präsidenten.
Dass Erfolg auch
etwas mit System und Planung zu tun hat, zeigt die deutsche Vielseitigkeit.
Lange der Problemfall der FN, wurde die Disziplin mit der Gründung einer
Perspektiv-Gruppe und Beteiligungen an Toppferden durch das DOKR
aufgepäppelt. In Aachen gewann das deutsche Team erstmals in der
WM-Geschichte Gold. |