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Von Hanns-Jochen
Kaffsack, dpa
Rouen (dpa) - Es
gibt in der Normandie ein Magisches Dreieck", das die Städte Rouen, Le Havre
und Dieppe bilden.
Im Norden glänzt
die Alabasterküste" mit Etretat und seinen Kreideklippen. Dieser Triangel
nennt sich das Pays de Caux. Im Süden mäandert die Seine ihrer Mündung
entgegen, eingebettet in eine abwechslungsreiche Landschaft und flankiert
von normannischen Abteien. Dazwischen liegt eine sanft-hügelige Idylle mit
Weiden, Pappeln und Obstgärten. Die Region bietet Stille und Natur, kann auf
Mondänes weitgehend verzichten und konzentriert Reize und Kontraste in einer
überschaubaren Region.
Kaum liegt Rouen
zurück, da beginnt auch schon das Wechselspiel der Seine mit den Hügeln,
Wäldern und Sümpfen entlang ihrer Ufer. Nach einigen Kilometern taucht Saint
Georges de Boscherville auf. Die Abtei gilt als eine der attraktivsten
Sehenswürdigkeiten der Normandie und zieht viele Freunde romanischer
Kirchenkunst und großzügig angelegter Gärten an. Bald darauf erblickt der
Tourist dann das, was die Franzosen gern die schönste Ruine unseres Landes"
nennen: Zwei 46 Meter hohe Türme kündigen in Jumièges die Überreste eines
mächtigsten Klosters an. Der Ort strahlt Spiritualität und ein romantisches
Flair aus - hätten die Revolutionäre von 1789 doch nur darauf verzichtet,
aus diesem Kleinod einen Steinbruch zu machen!
An der nächsten
Seine-Schleife wartet als Dritte im Bunde die Abtei Saint Wandrille. In
diesem Kloster leben, beten und arbeiten noch heute Dutzende
Benediktiner-Mönche. Der interessierte Besucher darf also nicht überall hin,
kann aber den Park, die gotische Kirchenruine und zu bestimmten Zeiten auch
den Kreuzgang bewundern.
Das Pays de Cuax
ist nur zweieinhalb Autostunden von Paris entfernt und somit von
Zweitresidenzlern aus der Hauptstadt längst erobert". In fruchtbarer
Landschaft weiden schottische Rasserinder, hier werden Rüben angebaut oder
Äpfel geerntet. Und wenn nach der Fahrt über die Anhöhen auch prunkvolle
Herrenhäuser die Straße säumen, dann kommt die Magie von Etretat ins Spiel:
Seit mehr als 100 Jahren ziehen die berühmten Felsen nicht nur die
verwöhnten Reisenden aus der französischen Metropole an - hier trifft sich
die Welt.
Wer hat sie nicht
gemalt, die Perle der Alabasterküste"? In den Museen fallen die weißen,
schroffen Felsen sofort ins Auge, ob sie nun von Courbet, Boudin, Matisse,
Corot oder Delacroix auf die Leinwand gebracht wurden. Claude Lelouch und
Claude Chabrol haben vor dieser Kulisse gedreht. Wild und gelassen ragen die
Kreideriesen empor, ungezählte Male abgelichtet und bestiegen. Der steile
Weg hinauf führt in jodhaltiger Brise an wilden Orchideen vorbei - so
beschaulich wie auf einem Ölbild von Boudin geht es kaum mehr zu.
Von Etretat an
ostwärts verläuft die Côte d'Albâtre, Frankreichs längste Felsenküste, etwa
130 Kilometer lang, nur hin und wieder von Ortschaften, kleinen Buchten und
schmalen Tälern unterbrochen. Das Naturschauspiel war es wert, an der
Alabasterküste" einen Großen Wanderweg einzurichten, der es möglich macht,
die grandiose Steinmetzarbeit von Wasser, Wind und Wetter per pedes zu
verfolgen. In Fécamp, im Mittelalter Umschlagplatz für Räucherhering, wird
so manchem schwindelig vor einer 126 Meter hoch aufragenden Felswand - und
es ist frustrierend, wenn man den Fotoapparat vergessen hat.
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