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Von Jürgen Gesper,
Paris (dpa) - Eine Moraldiskussion
um angemessene Badekleidung an den Ufern der Seine schlägt in Paris hohe
Wellen. Seitdem die Zeitung Le Parisien" kürzlich eine Geschichte über die
geltende Kleiderordnung bei der noch bis Ende August gehenden Strandparty
Paris-Plages" veröffentlichte, wird in der französischen Hauptstadt äußerst
kontrovers, aber nicht ohne Augenzwinkern über das korrekte Outfit vor allem
für Damen gestritten. Le Parisien" hatte nicht wenige mit der Ankündigung
schockiert, es seien am improvisierten Stadtstrand weder Strings erlaubt
noch würde oben ohne geduldet. Der sozialistische Bürgermeister Bertrand
Delanoë wolle so gegen Versuchungen und gefährliches Verhalten" kämpfen. Die
Stadtverwaltung gebe der Verordnung nicht genug Publizität, wetterte das
Blatt. Stunden später sah sich die Stadtverwaltung immerhin veranlasst,
diesen Bericht ins rechte Sonnenlicht zu rücken und konterte kühl: Alles
olle Kamellen. Nichts Neues unter der Sonne", ließ Delanoë in einer
Pressemitteilung verkünden.
Seit dem ersten Strandfest im Sommer 2002 sind blanke Brüste, String-Tangas
oder gar FKKstreng verboten. Dies ist Teil einer sieben Punkte umfassenden
Strandordnung für die Ufer der Seine, an denen sich Stressgeplagte und
Sonnenhungrige mitten in der Millionenstadt erholen können. Verboten sind
überdies aggressives Verhalten" und lärmende Geräte und Instrumente". Nicht
alle der geschätzten jährlich vier Millionen Besucher wollen die
Beschränkungen gelten lassen. Der Abgeordnete der Grünen, Denis Baupin,
empörte sich: Am Strand wollen die Leute die Sonne ausnutzen und dann auch
einen String-Tanga oder einen Monokini tragen." Eine Frau mit Namen Caroline
wunderte sich über den Bürgermeister, der eigentlich als besonders modern
und tolerant gilt: Das erstaunt mich von Bertrand Delanoë."Für Gerald stammt
das alles aus einer längst vergangenen Zeit. Die Werbeplakate in der Metro
sind wesentlich unanständiger", sagte er. Die Strandordnung erntet aber auch
Zustimmung: Man sollte sich vor kleinen Kindern nicht unzüchtig zeigen",
meinte eine Bikini-Schönheit im Fernsehen.Glaubt man der Stadtverwaltung,
wird viel Lärm um nichts gemacht. Die 35 Sicherheitsleute, die am Tage am
Seine-Strand patrouillieren, und ihre 50 Kollegen, die zwischen 22.30 Uhr
und 1.00 Uhr morgens Streife laufen, haben bisher noch niemandem einen
Strafzettel über 38 Euro an die Badehose heften müssen. |