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Paris (dpa) - Paris hängt alle ab.
Nach einer großartigen Schauenwoche der Prêt-à-Porter-Kollektionen der Damen
für den Herbst/Winter 2006/2007 ist die französische Hauptstadt nun wieder
die unangefochtene Residenz der Kreativen.
Kommt die Rede auf die langjährige Konkurrentin Mailand, winken Insider
gähnend ab: Zu langweilig". New York? Zu kommerziell". London scheint im
Kommen zu sein, muss aber nach schwachen Jahren seine schöpferischen Kräfte
bündeln. In Paris jedoch tobt das modische Leben. Bei den fast 90
offiziellen und zahlreichen inoffiziellen Präsentationen zeichnete sich eine
Vielfalt modischer Trends ab: Die sachlich und daher modern wirkende
Interpretation der 80er Jahre, neue Bedecktheit und Eleganz statt offener
Sexyness, Gothic"-Grusel als Trend sowie eine Richtung mit Rockstar-Allüre.
Neben den Supermännern" Karl Lagerfeld, John Galliano, Marc Jacobs und Jean
Paul Gaultier haben sich stille Stars fest etabliert. Namen wie Olivier
Theyskens (Rochas), Alber Elbaz (Lanvin) oder Nicolas Ghesquière (Balenciaga)
und Jean Charles De Castelbajac gelten längst als Zugpferde im großen Rennen
der Modestädte.
Einer der jüngeren Stars ist leider nicht mehr dabei. Die Britin Phoebe
Philo, die das Label Chloé zur führenden Trendmarke junger Frauen gemacht
hat, hat sich zurückgezogen, um sich intensiver um ihr Baby zu kümmern. Mit
großer Spannung wurde die nun von Philos Team kreierte Kollektion erwartet.
Und nach der Schau herrschte Erleichterung. Tunika-Oberteile zu Shorts,
kurze Röcke mit blickdichten Strümpfen und jungenhaft wirkende Overalls
ergaben einen anziehenden Schick, der an New Yorker Künstler-Ateliers
erinnerte. Hinzu kamen kunstvolle Kleider in Weiß, aus kreisrunden Blüten
zusammengeheftet. Zart die Farbpalette: Vanillegelb, helles Grau und Beige
sowie pudriges Rosé mit schwarz-weißer Salz-und-Pfeffer-Optik als Kontrast.
Jean Paul Gaultier, der seine eigene Kollektion als düsteres Feenmärchen
inszeniert hatte, hielt sich bei seinen Entwürfen für das Luxushaus Hermès
an tadellose Eleganz als Motto. Schräg geknöpfte Jacken in Schwarz zu
Reiterhosen und hochschaftigen Stiefeln, Pelzcapes mit Fellkragen zu
fließenden Marlene-Hosen und superweiche Strickpullover mit hohem Fellkragen
ergaben den Look einer selbstbewussten schönen Lady. Hinzu kamen
folkloristische Anklänge mit Norwegerjacken und chinesisch anmutendem Seiden-satin.
Der sardische Designer Antonio Marras, der für Kenzo entwirft, erhob die
Geschichte der chinesischen Prinzessin Turandot zum Leitbild. In seiner
Version bevorzugt die Tochter des Kaisers einen Stilmix aus Ost und West,
glänzenden Kimonos und britischem Schulmädchenstil. Ein Cape kombinierte
Marras zum lodengrünen Schottenrock mit chinesischen Blütenmotiven in
leuchtendem Rot, ein grauer Jeans-Parka glänzte mit Goldstickereien. Am Ende
ließ er weiße Blüten auf den Laufsteg regnen, während sich die Models um
einen großen Kirschblütenbaum versammelten. Ein zauberhaftes Finale für
diese an Inspirationen reichen Modewoche in Paris. |