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Berlin (dpa/gms) - Die Generation
Golf droht zu einer Generation der Pantoffelhelden zu werden. Nach
Bausparvertrag und Einbauküche samt modernster Elektrogeräte erhalten nun
die einst verpönten Hausschuhe Einzug in die Altbauwohnungen und Eigenheime
der 30-Plusser".
Wenn die Kinder erst über den Boden krabbeln, das Parkett verlegt ist und
überhaupt Gemütlichkeit zum erklärten Lebensgefühl avanciert ist, sind in
den eigenen vier Wänden dreckige, klobige Straßenschuhe einfach nicht mehr
angesagt. Das Zukunftsinstitut im hessischen Kelkheim prognostizierte schon
vor einigen Jahren den klaren Trend zum Homing" beziehungsweise zur neuen
Heimelig-keit. Um das Wohnen und um unser Zuhause ist ein neuer Markt
entstanden, der sich in den nächsten Jahren zu einem Zukunftsmarkt
entwickeln wird", sagt Trendforscher Eike Wenzel. Und da passen eben nicht
nur Werbeslogans wie Wohnst Du noch oder lebst du schon?", sondern alle
Artikel mit Wohlfühlfaktor.
Das Sinnbild der Heimeligkeit - der Hausschuh - darf dabei nicht fehlen. So
entwicklet sich um die Pantoffel gerade ein Kult. Immer mehr junge Firmen
haben inzwischen eine eigene Hausschuh-Kollektion", sagt Ilona Sauerbier vom
Branchenblatt Schuhmarkt News" in Wiesbaden. Als Beispiel nennt sie
Modemarken wie Marc O'Polo, S.Oliver, Esprit und Tom Taylor. Deren Puschen
besitzen laut Ilona Sauerbier peppige Designs, sind funktional und haben
dieses Altbackene Spießige nicht mehr."
Schließlich sind Birkenstock-Sandalen und ähnliche Modelle nicht jedermanns
Sache. Das hat auch die Industriedesignerin Meike Böhme aus Berlin vor
einigen Jahren erkannt. Für eine Studienarbeit entwarf sie Puschen und ließ
sie bei der Berliner Traditionsmanufaktur Pantoffeleck Jünemann fertigen.
Die machen ursprünglich diese typischen Karo-Pantoffeln, die in den neuen
Bundesländern früher wohl alle getragen haben", erklärt die Designerin. Ihre
eigenen Modelle heißen cocoon, plie, bloom oder fleur, sind mit Blumen
bestickt oder haben rosafarbene Seidenbänder, die sich wie bei
Ballettschuhen um den Knöchel binden lassen. Ihr Label hat Meike Böhme
puschn" genannt. Doch trotz aller Modernität setzt die Berlinerin auf altes
Handwerk: Wir arbeiten mit drei ostdeutschen Manufakturen zusammen." Alle
Modelle werden also in Deutschland und komplett von Hand gefertigt. Zwischen
40 und 50 Euro kostet ein Paar. Dafür lässt Böhme ausschließlich reinen und
hochwertigen Wollfilz verarbeiten, nur die Sohle ist mit Latex beschichtet.
Doch nicht jeder greift gleich zum Urtyp des Pantoffel: Gerade jüngere Leute
wählen so eine Art Hüttenschuhe, dicke Socken oder benoppte Strümpfe", hat
der Frankfurter Modeberater Andreas Rose beobachtet. Dabei gebe es edelste
Modelle aus Samt oder Kaschmir. Zum einen ist es das perfekte Styling zu
Hause, aber auch der Reinlichkeitswahn und schicke Wohnungen mit hellen
Teppichböden, die den Pantoffeln zu dem neuen Ruhm verhelfen", erklärt Rose.
Gleichzeitig demonstrieren sie mitunter einen noch ganz anderen Lifestyle:
Viele nehmen aus den Hotels die Puschen mit und bieten die dann ihren
Übernachtungsgästen etwa zusammen mit den Handtüchern an", hat Rose
beobachtet. Da sei es witzig und trendy, beispielsweise Pantoffeln mit
Adlon"-Stickerei zu überreichen.
Grundsätzlich ist aber auch der Modeexperte überzeugt, dass Pantoffeln ganz
einfach etwas Heimeliges haben. Wenn man sich zu Hause fühlt, will man auch
Bequemes an den Füßen haben." Es stehe doch jeder vor dem Problem Was
anziehen, wenn man Zuhause nicht mehr mit den Straßenschuhen herumlaufen
will?", sagt Ilona Sauerbier. Kein Wunder also, dass auch das schwedische
Möbelhaus bereits Puschen im Sortiment hat - frei nach dem Motto Wohnst Du
noch, oder lebst Du schon?"
Meike Böhme: www.puschn.de Jünemanns Pantoffeleck: www.pantoffeleck.de |