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Als das
Christentum zu den germanischen und kel-tischen Völkern kam, fanden die
Missionare dort viele tief verwurzelte Bräuche vor, die nicht auszurotten
waren.
Daher versuchte
man, die alten Sitten mit neuem Glaubensgut zu erfüllen und umzuwandeln. Mit
dem christlichen Osterfest gelang dies sehr gut.
Es gab nämlich bei
den Germanen und den Kelten ein wunderbares Frühlingsfest. Es wurde jedes
Jahr genau in den Tagen der ersten Vollmondnacht gefeiert, die auf den Tag
folgte, an dem Tag und Nacht genau gleich lang sind. Dies ist der 21. März,
den man deswegen auch Tag- und Nachtgleiche" oder Frühlingsanfang" nennt.
Genau ab dem 22. März werden die Tage also wieder länger.
Für die alten
Heidenvölker hatte alles, was in der Natur geschah und von den Menschen
nicht verändert werden konnte, eine göttliche Bedeutung. Deshalb glaubten
sie, dass die Sonne mit ihrem warmen Licht das Zeichen der guten Götter und
der Himmel ihr Wohnsitz sei. Die Dunkelheit und das bleiche Licht des Mondes
hingegen hielten sie für das Zeichen der Trauer und Böses bringenden Götter,
die ihren Wohnsitz tief unten im schwarzen, feurigen Innern der Erde hatten.
Wo es am dunkelsten war, glaubten sie den Wohnsitz des Todes.
Wenn die Heiden
das Schauspiel der allmählich länger werdenden Tage und der langsam immer
heller über den Horizont aufsteigenden Sonne beobachteten, waren sie fest
davon überzeugt, dass die guten Götter des Lichtes mit den schwarzen Göttern
des Todes um die Herrschaft im Himmel und auf der Erde kämpften. Angstvoll
schauten sie zu, wenn der Himmel am Morgen und am Abend rot wurde und
stellten sich vor, wie jetzt die wilden Reiter zum Krieg gegeneinander
anrannten und der Feuerschein ihrer brennenden Paläste über alle Welt zu
sehen wäre.
In der Nacht, in
welcher endlich der Vollmond über dem dunklen Himmel auftauchte, glaubten
sie, dass das Licht endgültig gesiegt habe. Denn jetzt musste sogar der Mond
das helle Licht des Tages tragen und die finstere Welt beleuchten, bis die
besiegten Mächte der Finsternis ihr weißes Totentuch von der Erde ziehen
mussten und das junge Grün des Lebens aus dem ewigen Schlaf aufs Neue
erwachte. Im siegreichen Licht der Sonne erwachte die Frühlingsgöttin Ostara,
die unter dem weißen Bett des Todes geschlafen hatte, zu neuem Leben. Wenn
der Wind die mit zarten Blättchen geschmückten Zweige der Birken tanzen ließ
und den Duft der ersten Blumen über das Land trieb, malten sich die Menschen
aus, die schöne junge Göttin tanzen zu sehen.
Und wenn die
Göttin tanzte, wollten die Menschen es auch. Mit großen, lodernden Feuern
brachten sie das Licht auch auf ihre Felder und in ihre Häuser. Mit schweren
Baumscheiben, die sie von den Bergen ins Tal rollten, stellten sie die Sonne
auf ihrem siegreichen Weg über den Himmel hinunter in die Finsternis dar.
Die jungen Männer verkleideten sich mit Stroh und Fellen in den Winter, der
unter Lachen und Scherzen als zottiger Bär vertrieben werden musste. Und die
jungen Frauen schmückten sich mit Blumen, duftenden Ölen und weißen
Gewändern wie die schöne Göttin Ostara.
Als die
christlichen Missionare in die Welt der Heiden zogen und von Jesus, aks dem
Sohn Gottes sprach und verlangten, dass nur ein Gott angebetet werden solle,
wollten die Heiden ihren eigenen Glauben nicht aufgeben. Vor allem aber ihre
schönen Feste nicht. Wenn die Missionare Erfolg haben wollten, mussten sie
sich also etwas einfallen lassen.
Endlich kamen sie
auf die rettende Idee. Da die Kirchengelehrten die Leidenszeit und den Tod
des Gottessohnes für den Frühling berechnet hatten, aber niemand das genaue
Datum kannte, legten der Papst und seine Missionare das Fest, mit dem die
Kirche den Tod und die Auferstehung des Lebens feiert, ganz einfach genau
auf die Tage, an dem das größte Frühlingsfest der Heiden zu Ehren des neuen
Lebens in der Natur gefeiert wurde.
Sogar Ostara, den
Namen des alten Heidenfestes wandelten die Christen um, indem sie das neue
Fest Ostern" nannten. Von nun an feierten die alten Heiden und die Christen
gemeinsam das Osterfest als das Fest, an dem die Göttin Ostara über den
Winter bzw. Jesus über den Tod gesiegt hat.
Bis heute feiern
die Menschen den Tod und die Auferstehung des Gottessohnes mit Blumen und
Musik. Und gleichzeitig brennen bis heute an diesen Tagen auch die Feuer der
Ostara" auf den Wiesen, während die jungen Leute den Winterbär vertreiben
und brennende Holzscheiben als Sonnenräder zu Tal treiben.
Dies ist so seit
genau 1675 Jahren, als auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 nach Christi
Geburt das Osterfest jeweils am ersten Sonntag nach der ersten Vollmondnacht
seit Frühlingsbeginn gefeiert wurde.
Da Ostern ein vom
Mondwechsel abhängiges Fest ist, findet es jedes Jahr an einem anderen Tag
zwischen dem 22.März und dem 25.April statt. Es gibt allerdings immer mehr
Leute, die sich Ostern an einem bestimmten Tag wünschen und die Kirche
drängen, das Datum endlich genau festzulegen |