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Turin
(dpa) - Mit einem furiosen Schlussspurt haben die deutschen Schneekönige bei
Olympia ihre Krone zurückerobert und fahren mit 29 Medaillen als
erfolgreichste Mannschaft der Winterspiele nach Hause. Wir sind sehr stolz
auf diese Leistung", sagte Klaus Steinbach als Präsident des Nationalen
Olympischen Komitees (NOK). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erlebte am
Wochenende in Turin die goldenen Schlusspunkte durch Biathlet Michael Greis
und André Langes Bob-Vierer mit und zollte den Sportlern ein dickes Lob. Wir
sind alle begeistert von den tollen Leistungen", sagte der CDU- Politiker.
Er warnte aber davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen: Die Erfolge von
heute sind die Herauforderung von morgen."
Mit elf Gold-,
zwölf Silber- und sechs Bronzemedaillen zeigten die deutschen Athleten am
Ende den USA (9/9/7) und den wie nie zuvor erfolgreichen Österreichern
(9/7/7) die kalte Schulter. Damit übertrafen sie die Prognose ihres obersten
Leistungshüters" Ulrich Feldhoff um fünf Podiumsplätze. Dennoch forderte
Schäuble nicht nur Steinbach auf, bei der Auswertung der Spiele darauf zu
schauen, wo wir nicht ganz so sicher sind". Vor allem im alpinen Bereich, im
Eiskunstlaufen, Eishockey und Skispringen müssen die Funktionäre den Hebel
ansetzen.
Eine glatte Eins
konnte Steinbach hingegen an die Skijäger vergeben. Die Biathleten stehen an
allererster Stelle für unser hervorragendes Ergebnis", sagte der NOK-Chef
nach elf Medaillen in zehn Wettbewerben. Michael Greis, der zuvor einen
einzigen Weltcup gewonnen hatte, kürte sich mit drei Mal Gold zum
erfolgreichsten deutschen Olympioniken in Turin.
Während Greis mit
29 im besten Sportleralter ist, steht der Wintersport in anderen Bereichen
vor einem Generationswechsel. Routiniers wie Georg Hackl, Uschi Disl, Sven
Fischer und Ricco Groß verabschiedeten sich von der olympischen Bühne.
Hingegen will Eisflitzerin Claudia Pechstein noch nichts von einem
Karriereende wissen. Die 34 Jahre alte Berlinerin feierte im Oval Lingotto
ihren fünften Olympiasieg mit dem Team und holte auch noch Silber über 5000
Meter. Für Vancouver 2010 kann das NOK allerdings nicht mehr auf seine
eifrigste Medaillensammlerin setzen.
IOC-Vizepräsident
Thoma Bach machte den 161 deutschen Olympioniken ebenfalls ein großes
Kompliment: Die Leistung kann man wirklich nur als sensationell bezeichnen."
In Salt Lake City 2002 lag Deutschland am Ende mit einem Fabelergebnis von
36 Medaillen (12 Gold/16 Silber/8 Bronze) an der Spitze, rutschte
nachträglich aber wieder auf Rang zwei hinter Norwegen zurück, weil nach dem
Doping-Skandal um Johann Mühlegg Edelmetall neu verteilt wurde. Mit 29
Medaillen ordneten sich die Wintersport-Asse wieder in die Ausbeute von
Nagano 1998 (24) ein, wo sie ebenfalls die Nationenwertung gewannen.
Neben den
Biathleten erwiesen sich auch die Bob-Piloten als Medaillenbank: Sandra
Kiriasis und André Lange, mit Gold im Zweier und Vierer auf den Spuren
seiner großen Vorbildern Meinhard Nehmer und Wolfgang Hoppe, hatten ebenso
Vorfahrt im Eiskanal wie das siegreiche Rodel-Trio um Sylke Otto.
Einige Baustellen
sind jedoch größer geworden: So brachen die ohnehin mit einem Mini-Team
angereisten Eiskunstläufer nach der Stasi-Affäre um Trainer Ingo Steuer ein.
Das muss man mit dem Verband analysieren", kündigte Steinbach an. Nicht mit
Ruhm bekleckerten sich auch die sieglosen Eishockey-Profis auf Rang zehn und
die medaillenlosen Skispringer. Die Ausrutscher der hoch gehandelten
Eisschnell-läuferin Anni Friesinger, die zum deutschen Superstar der Spiele
hätte werden sollen, bezeichnete Steinbach als ausgesprochen bitter und
traurig".
Die Skirennfahrer
- im Vorfeld von Ausfällen gebeutelt - legten die schlechteste Bilanz seit
1968 hin. Petra Haltmayr als Sechste in der Abfahrt zeigte noch am meisten
Gespür für Schnee. Dafür könnte die erst 18 Jahre alte Amelie Kober mit
ihrem Silber-Coup im Snowboard ein großer Magnet" (Steinbach) für eine
stetig wachsende Szene sein. |