|
Oberndorf (dpa/gms) - Ja mei!",
Christine Deutinger, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Oberndorf in
Österreich, holt tief Luft. Einen solchen Ansturm auf ihren Souvenirshop und
das angeschlossene Heimatmuseum hat sie selten erlebt.
Eine Gruppe Japaner unter Führung einer energischen Dame mit rotem Schirm
drängt sich schwatzend vor den Vitrinen. Nicht einmal 30 Minuten mit der
Regionalbahn von Salzburg", sagt ein junger Mann. Ein Katzensprung.
Natürlich wollen alle erfahren, wo unser beliebtestes Weihnachtslied
entstanden ist!"
Denn Stille Nacht, heilige Nacht", erfreut sich auch im Fernen Osten großer
Beliebtheit und wird dort mit Inbrunst gesungen. Die Besucher verstauen
Glöckchen, Postkarten, CDs und Schneekugeln mit integrierter Spieluhr in
Plastikbeuteln. Dann geht es auf den Hügel hinauf zur zierlichen
Stille-Nacht-Gedächtniskapelle.
In
der Nische hängen die eher bescheidenen Porträts von Pfarrer Joseph Mohr,
der den sechs-strophigen Text des Liedes dichtete, und von Lehrer Franz
Xaver Gruber, dem dazu die passende Melodie einfiel. Legenden ranken sich um
die Entstehung dieses Dauerbrenners", sagt Christine Deutinger. Am
bekanntesten ist die Geschichte von den Mäusen, die die Orgel der St.
Nikolauskirche anfraßen, so dass sie Weihnachten 1818 nicht mehr bespielbar
war." Ein Ersatz musste her für die Gläubigen der Gemeinde. Und so sang
Franz Xaver Mohr den Tenor, begleitet von Joseph Gruber, der ihn mit seinem
schönen Bariton und der Gitarre begleitete.
Wenig später trat die Stille Nacht" ihren Siegeszug rund um den Erdball an.
In hunderte Sprachen und Dialekte wurde das Lied übersetzt und von
Missionaren gleichermaßen unter den Bewohnern ferner Südseeinseln und bei
den Inuit am Polarkreis verbreitet.
Oberndorf ist ein kleiner Ort im nördlichen Flachgau mit heute 5500
Einwohnern. Hübsche, reich mit Tannengrün geschmückte Häuser säumen die
Straßen und engen Gassen. Das spektakulärste Gebäude im Dorf ist der
Wasserturm, der Fremden schon von fern den Weg weist.
Die kleinen Boote auf der Salzach erinnern an jene Zeit, als Oberndorf noch
eine Schiffersiedlung war. Mit kaiserlichem Marktrecht", erläutert ein
Alteingesessener. Die Menschen hier waren einst bitterarm. Regelmäßig trat
der reißende Strom über die Ufer und überschwemmte die Umgebung. Auch die
einstige Pfarrkirche St. Nikolaus wurde so stark unterspült, dass sie
abgerissen werden musste, weil das Geld für eine Sanierung fehlte.
Dirndl heirat koan Schöffmann, du heiratst in d'Not. Hast im Summa koan Mann
und im Winta koan Brot", lautete ein alter Schifferspruch. Als Broterwerb
spielt das Schifferhandwerk heute keine Rolle mehr. Die leichten, aus Fichte
und Buche gebauten Boote dienen nur noch dem Freizeitvergnügen.
ZumPflichtprogramm" gehört ein Besuch im Nachbarort Arnsdorf. Hier wirkte
Franz Xaver Gruber als Lehrer, Messner und Organist. Die Wohnung, in der er
lebte und komponierte, ist zu einer Art Wallfahrtsort geworden. Während die
Besucher sein wurmstichiges Schulpult bestaunen, intoniert das Glockenspiel
an der gegenüber liegenden Kirche Stille Nacht, heilige Nacht."
Das ist das Signal für die zehn japanischen Touristen. Ganz ungezwungen
gruppieren sie sich vor dem Portal und schmettern aus voller Kehle: Kiyoshi
konoyoru, hoshiwa hikari..." Die alte Frau aus dem Haus gegenüber ist
ergriffen: Ganz richtig schee ist's Heilig Abend in Oberndorf vor der
Kapelle", sagt sie. Da steh'n Tausende von überall her. Und ein jeder
singt's Lied in seiner eigenen Sprach'. Am 24. Dezember müssen's unbedingt
wiederkumma."
Informationen: Tourismusverband
Oberndorf, Stille-Nacht-Platz 2, A-5110 Oberndorf |