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Berlin
(dpa) - Es scheint, als habe die Punk-Rebellin Nina Hagen nach mehr als
30-jähriger Karriere ein wenig den Biss verloren: Auf dem neuen Album
Irgendwo auf der Welt" plätschern Swing-Songs und Bluesrhythmen gefällig aus
den Lautsprechern - Interpretationen von Größen wie Zarah Leander, Frank
Sinatra oder auch Ella Fitzgerald. Im Gespräch zeigt die 51-Jährige aber
weiter die kämpferische Seite. Diese Songs sind alle sehr politisch", sagt
Hagen in einem dpa- Interview. Das Album kommt an diesem Freitag (24. März)
in die Läden. Von Juli an wird sie mit einer Big Band live auftreten.
Die Schwarzen, wie
der Bürgerrechtler Martin Luther King" seien die wahren Helden der
Geschichte der USA, sagt Hagen. Die Jazz- und Blues-Songs sollen eine
Hommage an die couragierten Kämpfer für Recht und Freiheit sein. Das Lied
Summertime" zum Beispiel kommt ja von Schwarzen in Amerika." Das Politische
spielte in Hagens Leben schon früh eine Rolle: Dem aus der DDR ausgewiesenen
Liedermacher Wolf Biermann folgten die in Ost-Berlin geborene Nina Hagen und
ihre Mutter Eva-Maria 1977 in den Westen.
Für ihr neues
Album habe sie 20 Lieder ausgesucht und im Berliner Hansa-Studio aufgenommen.
Dort hatte sie bereits früher mit dem Produzenten Tom Müller zwei Alben
eingespielt. Mit dieser Zeit hat das neue Album aber nichts mehr zu tun:
Kein Punk, keine Rebellion. Von ihren Ursprüngen entfernt sich Hagen aber
schon länger: Auf dem per Internet vertriebenen Album Om Namah Shivay"
(1999) sang sie indische Lieder. Und im Jahr 2000 hatten es schon einmal
zwei ruhigere Titel von Zarah Leander auf das Album Return Of The Mother"
geschafft.
Bei den Aufnahmen
hab' ich wieder auf derselben Stelle gestanden wie damals", sagt die
exzentrische Musikerin in Erinnerungen an die Aufnahmen im Hansa-Studio
schwelgend. Das kann ja nur gut geworden sein." Mit dem Bonus-Track
schafften es letztlich 17 Lieder auf das Album. Irgendwo auf der Welt" sei
ihr Lieblingstitel. Gewöhnlich beginne sie damit jedes ihrer Rockkonzerte -
in der ganzen Welt".
Bei der Tour mit
dem Capital Dance Orchestra wird alles etwas anders als gewohnt. Kein
Rocksong soll zu hören sein: Da gibt es Capital Dance Orchestra pur." Auch
beim Outfit will sich Hagen zurückhalten. Ich denke, ich ziehe mich schick
an, und dann singe ich." Schon nach den ersten Takten höre sie auf zu denken,
erzählt die Musikerin. Das ist wie bei einer Meditation." Die Konzerte
sollten sich ihre Fans nicht entgehen lassen, sagt Hagen selbstbewusst: Denn
live kriege ich die Sachen noch viel besser hin als auf Vinyl." |